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Coronakrise: Europas derzeit eventuell einzige Neueröffnung

Neueröffnung trotz Corona-Krise: Christian Matzinger, der im Quellental wohnt, hat sich einen großen Sack Katzenstreu geschnappt. Den fährt er mit dem E-Bike nach Hause zu seiner norwegischen Waldkatzes.

Neueröffnung trotz Corona-Krise: Christian Matzinger, der im Quellental wohnt, hat sich einen großen Sack Katzenstreu geschnappt. Den fährt er mit dem E-Bike nach Hause zu seiner norwegischen Waldkatzes.

Foto: Katja Engler

Ein Kontinent macht dicht, nur am Pinneberger Westring hält ein Filialist eisern an seinem Zeitplan fest: Ergibt Sinn, meint das Unternehmen.

Pinneberg. Überall in Europa sind wegen der Corona-Pandemie die Geschäfte zu. In Pinneberg dagegen wippen viele rote und gelbe Luftballons im Frühlingswind über einem Laden, der am Donnerstag Eröffnung gefeiert hat: Das Futterhaus hat von jetzt an auch am Pinneberger Westring eine Filiale, das Firmenmaskottchen, ein riesiger Plastik-Wuffi in Gelb, ist auf dem Parkplatz schon von Weitem zu sehen. Der Parkplatz – voll.

Glücksrad, Kinderschminken und so weiter und so fort – daraus ist wegen der Vorsichtsmaßnahmen zur Eindämmung des Virus’ nichts geworden. „Wir haben uns entschieden, den Fokus komplett auf Absperrungen und Sicherheit zu legen“, erklärt Pressefrau Nadine Giese-Schulz.

Corona: "Futterhaus-Eröffnung macht gerade jetzt Sinn"

Jetzt liegt nur noch ein kurzer, roter Teppich mit roten Absperrkordeln im Luftballon-geschmückten Eingang, und die Kassiererinnen haben eine Plexiglasscheibe vor die Nase bekommen, die im Einzelhandel bereits den hübschen Namen Spuckschutz trägt. Die noch spärlich erscheinenden Kunden müssen die Abstände einhalten, die ein Absperrklebeband auf dem Fußboden an der Kasse vorgibt. „Die Gesundheit unserer Mitarbeiter und Kunden hat für uns allerhöchste Priorität“, erklärt Futterhaus-Geschäftsführer Andreas Schulz. Zum Schutz aller wurden an das Futterhaus-Personal außerdem Desinfektionsmittel und Handschuhe ausgeteilt. „Und wir haben ein rotierendes System und können, wenn es nötig ist, begrenzt aus anderen Märkten Personal nachbesetzen“, sagt Nadine Giese-Schulz. „Bisher haben wir aber keine einzige Corona-Infektion im Unternehmen, und auch in der Warenversorgungskette haben wir überhaupt keine Lücken.“

Eine Eröffnung zu Corona-Zeiten – das macht ja erst mal ein wenig stutzig. Die Futterhaus-Sprecherin hat darauf aber eine einleuchtende Antwort: „Die Eröffnung macht doch gerade jetzt Sinn. Wir verteilen damit die Kundenströme und halten die Frequenz niedrig. Das schafft man mit zwei Standorten leichter als mit einem.“

Futterhaus in Pinneberg: Kunden freuen sich

Und in der Tat ist der neue Laden neben Toom, Aldi und Famila größer als der ältere an der Flensburger Straße, den es weiterhin gibt, der aber verkleinert wurde und nur noch die Grundversorgung bietet. Am Westring sind die Gänge breit, die Leute können sich leicht aus dem Weg gehen. Auf gut 1000 Quadratmetern steht das volle Sortiment, rund 15.000 Artikel inklusive bald eingerichteter Süßwasser-Aquarien und demnächst auch einer Kleintierabteilung. „Ein unglaublich attraktiver Standort auf der anderen Seite der Stadt, weil hier die LSE entlangführt und Pendler hier gut stoppen können“, meint die Pressefrau.

Still und leise freut sich auch der Parkettleger Daniel Rehders über die Eröffnung. Er hat seinen nicht mehr ganz so kleinen Welpen Wolf dabei – eine Kreuzung aus Husky, Wolfshund und Schäferhund, der gerade versucht, nach einem der Hundekuscheltiere zu schnappen. Wolf braucht Welpenfutter. „Ich habe auf die Eröffnung gewartet, damit ich sein Futter auf das Angebot in dem Laden abstimmen kann“, sagt Rehders, der wegen einer Knieverletzung gerade nicht arbeiten kann und an dem die Corona-Krise deshalb etwas vorbeigezogen ist. „Bis jetzt hab ich das Futter nämlich online bestellt, und das war nervig, denn da gab es ständig Lieferprobleme.“

Corona-Krise: Neues Katzenstreu wird dennoch benötigt

Die gibt’s hier nicht, und ein zehnköpfiges Aufbauteam hat dafür gesorgt, dass alles rechtzeitig zur Eröffnung steht. Marktleiter ist Daniel Mohn, der sich „riesig“ darüber freut, dass alles geklappt hat und sogar die Hundewaschanlage draußen schon in Betrieb ist.

Frührentner Christian Matzinger hat schon ein paar Läden abgeklappert. „Aber in den Drogerieketten ist alles ausverkauft!“ Seine stattliche, elf Kilo schwere norwegische Waldkatze, von der er stolz ein Foto präsentiert, brauche ja trotz Corona-Krise neues Katzenstreu. Und nun müsse er vom Quellental nur noch zwei Minuten mit dem E-Bike fahren, um welches zu kaufen.

„Ich finde das gut, dass der Laden jetzt hier ist“, sagt auch Maren Kolbe, die sonst in einem nahen Supermarkt am Info-Schalter sitzt und heute den ersten Tag frei hat. „Ich habe nicht solche Angst vor dem Virus“, sagt sie, die an ihrem Arbeitsplatz noch auf eine Plexiglasscheibe wartet. „Und diese Woche ist die Kundschaft ja wieder entspannter.“ Jetzt muss sie Futter kaufen. Für den Dackel, den sie von ihrer Mutter geerbt hat und die beiden Katzen. „Die vertragen sich total gut und spielen oft Fangen miteinander“, erzählt sie. Damit es zur Fressenszeit keinen Stress gibt, teilt sie den Kätzchen das Essen auf einer Empore aus, und den Napf für den Hund stellt sie auf den Boden. Gerechtigkeit muss sein. Auch in Corona-Zeiten.