Pinneberg
Kreis Pinneberg

Corona-Krise: Wedeler Krankenhaus bleibt vorerst bestehen

Das Wedeler Krankenhaus hat eine Schonfrist bekommen. Es wird in der momentanen Ausnahmesituation dringend benötigt.

Das Wedeler Krankenhaus hat eine Schonfrist bekommen. Es wird in der momentanen Ausnahmesituation dringend benötigt.

Foto: HA / Regio Klinik

Die Regio Kliniken verschieben die für den Sommer geplante Schließung, um die Standorte Elmshorn und Pinneberg zu entlasten.

Wedel.  Eigentlich sollte das Regio Klinikum in Wedel bereits im Juni geschlossen werden. Doch diese Pläne sind vorerst vom Tisch. Aufgrund der massiven Ausbreitung des Coronavirus rüsten die Kliniken im Norden nach, da überall im Land Intensivbetten benötigt werden. In der aktuellen Situation liege daher nun auch kein Fokus mehr auf der Schließung des Krankenhauses in Wedel, sagt Birga Berndsen, Sprecherin der Regio Kliniken.

„Die Maßnahmen zur Schließung des Standorts Wedel, also die Zeitplanung der Verlagerung der Abteilungen, sind bereits der Covid-19-Situation angepasst worden.“ Das heißt: Die Regio Kliniken stellen sich derzeit darauf ein, kurzfristig sehr viele an Corona erkrankte Patienten versorgen zu können.

Um diese Aufgabe bestmöglich bewältigen zu können, gelte es bereits im Vorfeld, umfängliche Aufnahmekapazitäten zu schaffen, so Berndsen. In einer Krisensitzung habe der Krisenstab der Regio Kliniken, bestehend aus Experten verschiedener Abteilungen, daher unterschiedliche Szenarien geprüft und verschiedene Verfahren beschlossen. „Beschlüsse und Vorgehensweisen werden stets mit dem aktuell verfügbaren Stand der Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und den Erlassen und Allgemeinverfügungen angepasst“, betont Berndsen.

Krankenhäuser verschieben wegen Coronavirus viele Eingriffe

In einem ersten Schritt wurden medizinisch vertretbare Behandlungen und Eingriffe an allen drei Standorten und in allen Fachrichtungen abgesagt. „Alle Maßnahmen und Aktivitäten zielen derzeit darauf ab, in den vorhandenen und in den noch zu schaffenden Strukturen der Kliniken so viele Covid-19-Patienten und weitere Notfallpatienten in bestmöglicher Betreuung und Versorgung aufnehmen zu können“, erläutert Berndsen. Notfallpatienten seien beispielsweise Patienten, die mit einem Herzinfarkt, einem Schlaganfall oder Knochenbrüchen eingeliefert werden.

Angesichts der steigenden Zahlen von Corona-Infektionen würden alle den Kliniken zur Verfügung stehenden Kapazitäten gebündelt, um die Patientenversorgung sicherzustellen. Covid-19-Patienten sollen demnach vornehmlich am Regio Klinikum in Elmshorn aufgenommen und behandelt werden. „Für das Regio Klinikum Wedel bedeuten die aktuellen Maßnahmen, dass die Strategie der Verlegung der dort ansässigen Abteilungen mit dem bisherigen Ziel der kompletten Verlagerung des Standorts im Frühsommer angepasst worden ist“, sagt Berndsen.

Nachdem im Klinikum Wedel Ende 2018 die Zentrale Notaufnahme geschlossen worden war, verblieben nur die Abteilungen für Pneumologie, Thoraxonkologie, Geriatrie und Palliativmedizin mit 106 der insgesamt 904 Betten der Regio Kliniken. Zuvor hatte das Krankenhaus bereits die chirurgische sowie die urologische Abteilung schließen müssen. Dadurch wurde auch die Schließung der Zentralen Notaufnahme notwendig, da es ohne Chirurgie per Gesetz keine Notaufnahme geben darf.

Kapazitäten für Aufnahme von Patienten werden frei

Die Abteilungen Geriatrie, Pneumologie sowie die Palliativmedizin hätten zum Sommer hin nun eigentlich auf die Standorte in Pinneberg und Elmshorn verlagert werden sollen. Jetzt stehen jedoch andere Umzüge bevor. Noch im Laufe dieser Woche soll zunächst die Pneumologie inklusive der Weaningstation von Wedel an den Standort Pinneberg verlegt werden. Das sogenannte Weaning beschreibt die Beatmungsentwöhnung nach einer längeren Beatmungsdauer aufgrund einer schweren Erkrankung.

Durch diese Abteilungsumzüge würden in Wedel zur Entlastung des Standortes Elmshorn Kapazitäten für die Aufnahme von Patienten anderer Abteilungen frei. „Unser Konzept umfasst zum gegenwärtigen Zeitpunkt, an unserem Standort in Wedel unsere Patienten der Geriatrie und Palliativmedizin zu versorgen“, sagt Dr. Stefan Sudmann, Chefarzt der Zentralen Notaufnahmen der Regio Kliniken sowie Leiter des Krisenstabs der Kliniken.

Neuaufnahmen von Patienten erfolgen künftig nur noch an den für die jeweilige Erkrankung vorgesehenen Standorten. Sofern es der enge Zeitplan zulässt, sollen Patienten der Stationen an den alten Standorten zum Umzugszeitpunkt bereits entlassen sein. Zudem sollen alle Mitarbeiter künftig weiterbeschäftigt werden. „Aufgrund von Fluktuationen aus anderen Gründen war es auch nicht mehr geplant, Beschäftigungsverhältnisse zu beenden“, sagt Berndsen. Für die Regio Kliniken steht laut Chefarzt Sudmann derzeit vor allem eines im Fokus: „Aktuell konzentrieren sich alle unsere Aktivitäten auf die Vorbereitung der zu erwartenden Corona-Patienten und natürlich auf die Versorgung all unserer weiteren Patienten mit anderen Erkrankungen.“