Pinneberg
Kreis Pinneberg

Viel los in der Häschenschule von Sparrieshoop

Ein junger Feldhase wird in der Wildtierstation Hamburg-Schleswig-Holstein mit Milch aus dem Fläschen gefüttert.

Ein junger Feldhase wird in der Wildtierstation Hamburg-Schleswig-Holstein mit Milch aus dem Fläschen gefüttert.

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Verwaiste Hasenbabys lernen bei Christian Erdmann, mit Ersatzmilch zurechtzukommen. Sie mögen 67 verschiedene Kräuter.

Klein Offenseth-Sparrieshoop.  Im Januar haben die Feldhasen „Hochzeit“ gefeiert. In diesen Tagen erblickt ihr Nachwuchs das Licht der Welt. Doch der Straßenverkehr sowie wildernde Hunde und Katzen lassen manches Hasenbaby zu einem Waisen werden. Und dann sind, wie so oft, die Tierexperten im Norden des Kreises Pinneberg gefordert. „Wir bekommen im Jahr 40 bis 50 junge Hasen“, sagt Christian Erdmann, Leiter der Wildtierstation Hamburg-Schleswig-Holstein in Klein Offenseth-Sparrieshoop. Zurzeit betreut der Hasen-Retter, der regelmäßig auch als Schlangen-Retter oder Waschbär-Retter in Aktion tritt, mit seinen Mitarbeitern fünf Häschen. „Ihre Mütter wurden überfahren“, sagt Tierpflegerin Marlies Früchtenicht. Einen Hasen in der Station hätten sie sogar per Kaiserschnitt geboren.

„Die Aufzucht junger Feldhasen ist sehr schwierig, sie sind sehr empfindlich“, sagt Experte Erdmann. Viermal am Tag und einmal in der Nacht eine kleine Spritze voll mit spezieller Ersatzmilch ins Mäulchen gespritzt, das reiche nicht. Denn: „Draußen in der freien Natur haben sie auf der Wiese eine Kräuterapotheke“, berichtet er. Dort beginne der Nachwuchs bereits in der zweiten Lebenswoche, zusätzlich zur Muttermilch Kräuter zu fressen.

Um den kleinen Häschen eine reale Überlebenschance zu geben, muss er ihnen auch in der Wildtierstation ihre tägliche Kräuterrationen servieren. Die pflücken Erdmann und seine Mitarbeiter auf einer zweieinhalb Hektar großen, stationseigenen Wiese. Morgens und nachmittags je einen Korb voll. „Noch wächst nicht viel“, sagt der Stationsleiter. So landen hauptsächlich Vogelmiere, Sauerampfer und Spitzwegerich in seinem braunen Weidenkorb. Keine große Auswahl für einen Feinschmecker wie den Hasen. Auf dessen Speiseplan stehen nämlich insgesamt 67 verschiedene Kräuter. Erdmann sagt: „Der Hase weiß, was ihm bekommt.“

Die Hasenbabys leben in der Wildtierstation etwas abseits auf gewaschenem Sand unter einem stabilen Drahtgehege. Dort schlafen sie in flachen Mulden – den sogenannten Sassen – gut abgeschirmt vor Füchsen, Mardern und Greifvögeln, wie Erdmann berichtet. „Da kommt auch keine Wanderratte ran.“ Das Füttern geht schnell, dauert meist nur ein, zwei Minuten. Danach wird der kleine Hase wieder sich selbst überlassen.

„Wir machen es so, wie es die Mutter auch in der Natur macht“, erklärt Christian Erdmann. Auch dort kümmert sich die Hasenmama nur kurz beim Säugen um ihren Nachwuchs. Der Grund dafür ist einleuchtend: „Sie will nicht die Aufmerksamkeit hungriger Krähen oder Bussarde auf ihre Kindern lenken.“ Um mögliche Feinde zu täuschen, nimmt sie auch nie den direkten Weg zu ihrer Sasse. Und ganz am Schluss macht sie einen großen Sprung hinein, um Feinden keine Duftspur zu hinterlassen. „Feldhasen können drei Meter weit und zwei Meter hoch springen“, sagt Eva Goris von der Deutschen Wildtier Stiftung.

Ausgewildert werde ein Hasenbaby nach zwei bis drei Monaten in der Station in Klein Offenseth-Sparrieshoop, sagt Tierpflegerin Früchtenicht. Dann habe es ein Gewicht von ungefähr 400 Gramm. „Das sind zwei große Hände voll“, sagt Christian Erdmann, der von seinen Schützlingen keinen allzu großen Dank für die Gastfreundschaft erwarten kann. „Sie hoppeln immer ziemlich schnell weg. Kein Tschüss, und sie drehen sich auch nicht mehr um. Die sind froh, wenn sie uns nicht mehr sehen“, sagt er lachend.

In Schleswig-Holstein lebten im vergangenen Jahr statistisch 15,8 Feldhasen pro Quadratkilometer, wie Heiko Schmüser vom Landesjagdverband sagt. Das entspricht einem Gesamtbestand von landesweit knapp 250.000 Tieren. Zwischen Flensburg und Garmisch leben nach Angaben der Deutschen Wildtier Stiftung geschätzte drei Millionen Feldhasen.