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Spaß haben in der Corona-Krise – das reinste Kinderspiel

Ingeborg Wöhlke von der Spieliothek in Quickborn kann zurzeit nichts verleihen. Aber sie hat ein paar tolle Tipps gegen Langeweile auf Lager.

Ingeborg Wöhlke von der Spieliothek in Quickborn kann zurzeit nichts verleihen. Aber sie hat ein paar tolle Tipps gegen Langeweile auf Lager.

Foto: Burkhard Fuchs

Gummitwist und Papierflieger: Es braucht nicht viel, um sich dieser Tage gut zu unterhalten. Spieletipps aus der Spieliothek.

Quickborn. Spiele, soweit das Auge reicht. Gut 1000 kleine, größere und ganz große, stapeln sich hier auf 400 Quadratmeter Fläche in einem Nebengebäude der Comeniusschule in Quickborn. Aber zurzeit ist auch diese Spieliothek genannte Sammlung geschlossen. Dort, wo sonst jeden Tag etwa zwei Dutzend kleine Kinder im Bällebad toben, größere mit der Modelleisenbahn spielen, ihr Lieblingsgesellschaftsspiel gleich vor Ort ausprobieren oder es mit nach Hause nehmen, herrscht gähnende Leere. Ingeborg Wöhlke aus Ellerau, die seit rund zehn Jahren den Spieleverein mit seinen 1000 Mitgliedern leitet, hat nur für den Abendblatt-Reporter kurz mal aufgesperrt, um ein paar einfache Spielideen für zu Hause zu geben.

Den Alltag nach der Krise weniger durchtakten

Die gebürtige Bayerin, die in Bad Reichenhall aufgewachsen ist, erinnert sich da zuerst an ihre eigene Kindheit. „Wir haben früher einfach Topfschlagen gespielt“, erzählt die 76 Jahre alte Rentnerin. Mit ein, zwei Kochlöffeln in der Hand und verschieden großen Töpfen sei so schnell ein kleines Hausmusik-Konzert mit selbst gemachtem Schlagzeug möglich gewesen. Für die Kinder war das eine Gaudi, für die Erwachsenen nicht immer. Aber die brauchten jetzt in der Corona-Krise, in der ihre Kinder meist allein zu Hause bleiben müssten, ohnehin eine Engelsgeduld, ahnt Ingeborg Wöhlke. „Die Eltern sind oft total fertig am Abend“, weiß sie von den Berichten aus ihrem Bekanntenkreis.

„Am schlimmsten ist es für die Kinder, dass jetzt die Kindergärten alle geschlossen sind.“ So könnten sie kaum noch mit Gleichaltrigen spielen und seien nur noch in Gesellschaft Erwachsener, sagt die Leiterin der Spieliothek, die im nächsten Jahr ihr 50-jähriges Bestehen in Quickborn feiert.

Aber: „Es schadet uns allen nicht, mal ein bisschen zur Vernunft zu kommen“, sagt sie auch – und meint damit vor allem auch, das Tempo und die völlige Durchtaktung des Alltags nach der Krise auf ein erträgliches Maß herunterzuschrauben. „Ich sehe das ja jeden Tag bei den vielen Müttern, die sonst hierher kommen. Die rennen von einem Termin zum nächsten. Wir müssen uns wieder mehr auf uns selbst besinnen. Auch wenn das vielen Familien jetzt zunächst einmal schwerfallen wird.“

Dabei helfe Basteln, ist ihr Geheimrezept gegen den Lagerkoller zu Hause. Das gehe meist mit ganz wenigen Hilfsmitteln wie Papier oder Kleber. So könnte aus einem DIN-A4-Blatt mit wenigen Faltungen ganz schnell ein Papierflieger oder aus Zeitungspapier ein Papierhut oder ein Schiffchen hergestellt werden, das sogar eine Zeit lang in der Badewanne schwimmen kann.

Auch Stricken, Sticken oder Häkeln sei zu empfehlen, so die Spiele-Expertin. „Das können die Mütter und Väter auch mit ihren Kindern machen.“ Jetzt in der Zeit vor Ostern biete sich an, Eier bunt anzumalen und sie an Sträucher zu hängen. Beliebt in ihrer Jugendzeit sei auch das Springen und Hüpfen auf Kästchen gewesen, die mit Kreide auf den Bürgersteig oder Schulhof gemalt wurden. „Himmel und Hölle“ heißt das Spiel, das diese Regeln hat: Die meist sieben bis acht Kästchen, die zusammen ein Kreuz bildeten, müssen dann der Reihe nach hin und zurück abgehüpft werden, ohne dass die Füße außerhalb des Kästchens landen – sonst geht es wieder von vorn los. Um es schwieriger zu machen, können die Kästchen auch auf einem Bein hinkend abgehüpft werden.

In diese Kategorie einfacher, aber origineller Spielideen gehöre auch das Gummiband-Springen, früher meist Gummitwist genannt, erzählt Wöhlke. Zwei Personen, die im Abstand von zwei, drei Metern zueinander stehen, spannen das Gummiband mit ihren vier Füßen auf, über das dann die Mitspieler in bestimmter Weise rüberspringen müssen.

Wer einen Garten hat,ist jetzt leicht im Vorteil

Dabei geht es zunächst auf Kniehöhe los, um dann auf Hüfthöhe schwerer zu werden. Auch kleinere Figuren, vorwärts und rückwärts, mit und ohne ein Gummiband am Fuß machen das Spiel abwechslungsreich. „Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.“

Auch Ballspiele jeder Art machten Spaß und vertrieben die Langeweile. Dabei müsse natürlich das Wetter mitspielen, da in den meisten Wohnungen dafür kein Platz sei, so Ingeborg Wöhlke. Wer einen Garten habe, sei da natürlich im Vorteil.

In der Spieliothek gibt es ausschließlich Brett- und Gesellschaftsspiele, kein einziges elektronisches Spiel. „Das ist so gewollt. Die sind in der Spieliothek verpönt“, sagt Wöhlke. Ob Krisenzeiten oder nicht: Die Kinder sollten sich lieber aufs Spiel konzentrieren und sich nicht mit Elektronik beschäftigen. „Das macht sie ruhiger, weniger aggressiv und unkonzentrierter.“