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Lesetipps: Ein Schmöker für Gartenfreunde

Buchhändler Jan Börms von der Buchhandlung Lesestoff in Rellingen empfiehlt als Sachbuch von Robin Lane Fox „Der englische Gärtner. Leben und Arbeiten im Garten“.

Buchhändler Jan Börms von der Buchhandlung Lesestoff in Rellingen empfiehlt als Sachbuch von Robin Lane Fox „Der englische Gärtner. Leben und Arbeiten im Garten“.

Foto: Katja Engler

Buchhändler stellen in Corona-Zeiten vor, was ihnen gefällt. Heute: Die Buchhandlung Lesestoff in Rellingen mit grüner Lektüre.

Rellingen. Ob Lancelot Brown, der König englischer Parks des 18. Jahrhunderts, die Schriftstellerin Vita Sackville-West aus dem berühmten englischen Bloomsbury-Literatenzirkel oder aktuell der BBC-Gartenmoderator Monty Don – England hat mit seiner Jahrhunderte alten Gartenbau-Tradition, seinen königlichen Botanischen Gärten und der weltweit berühmten Chelsea Flower Show schon einen außergewöhnlichen Humus für Gartenliebhaber aufzubieten, der viele inspiriert hat.

Das weite Feld des Gärtnerns hat auch der Oxford-Professor Robin Lane Fox (73) beackert. Seit erstaunlichen 50 Jahren schreibt er für die Financial Times die Gartenkolumne, und sein geistreiches Buch „Der englische Gärtner – Leben und Arbeiten im Garten“ hat es nun auch Rellingens einzigem Buchhändler Jan Börms angetan. Es ist beim Klett-Cotta Verlag erschienen und in seinen Augen bestens geeignet, die Beschränkungen durch die Corona-Pandemie lesend im eigenen Sessel zu überstehen, oder, wie in diesem Falle, den Praxistest gleich draußen auf dem eigenen Grundstück zu machen. Die gewünschten Bücher liefert Börms, der wie alle Buchhändler sein Geschäft schließen musste, weiterhin direkt nach Hause.

Dabei macht es einem der Althistoriker Robin Lane Fox nicht unbedingt einfach. Sein Buch ist eher ein feines Lesebuch, kein von bunten Fotos überladener, schnell erfassbarer Was-pflanze-ich-wann-und-wie-Kalender. „Der englische Gärtner“ will peu à peu erschlossen werden, der Schriftsteller denkt tiefgründig nach und nimmt sich Zeit zum Erzählen und Abschweifen. „Das Buch passt in den Kreis“, findet Jan Börms. „Denn für viele Freunde und Bekannte ist das Gärtnern eine Passion, die Ruhe und Sinn stiftet. Robin Lane Fox schafft es, Philosophie, Sachwissen und praktische Tipps zu verbinden, zudem ist sein Buch eine Art Reiseführer, denn er beschreibt auch einige Gärten, die er besucht hat“, sagt der Buchhändler. Diese Kombination sei das Besondere daran. „Und die Zitate aus der Literatur. Die auch“, fügt er hinzu.

Der Unterteilung in Jahreszeiten wird das Buch nicht ganz gerecht, dafür ist es zu komplex. Aber ist es nicht aufsässig, dass Vita Sackville-West gesteht, sie sei als Mädchen gern auf Gänseblümchen herumgetrampelt? Zum Frühling zitiert Fox sie: „Die einen mögen Gänseblümchen, die anderen nicht. Jean-Jacques Rousseau schrieb dem Gänseblümchen rosafarbene Augenwimpern zu, hielt es für eine allgemein beliebte Blume und bezeichnete es als Rotkehlchen unter den Blumen...“ Ja, wer sich den „Englischen Gärtner“ vornimmt, der wird gewahr, dass Schriftsteller gern frühere Schriftsteller zitieren, die ihrerseits noch ältere Autoren gelesen haben. Deshalb zum Sommer eine einsame Stunde des Nikolaj Petrowitsch aus dem Roman „Väter und Söhne“ von Iwan Turgenjew: „Er ließ den Blick um sich schweifen, als hätte er eine Erklärung dafür gesucht, wie es möglich sei, die Natur nicht zu lieben… Schwalben flogen hoch oben; der Wind hatte sich vollständig gelegt; träge und verschlafen summten in den Blüten des Flieders verspätete Bienen...“

In den einzelnen Kapiteln lässt Fox den Geist eines jeden Gartens wieder aufleben, egal, wann er geschaffen oder erdacht wurde. Ist er noch nicht so alt, kann das auch mal die fransigen Ränder von Klatsch und Tratsch berühren. Zum Beispiel, als es um den Jardin Majorelle in Marrakesch geht, in dem der Modedesigner Yves Saint-Laurent lebte, liebte, und wo Freunde seine Asche im Rosengarten der Villa Oasis verstreuten.

Dennoch lernt der geneigte Leser viel Wissenswertes über vergessene Blumen, Sträucher und Baumarten, deren Eigenarten, Boden- und Standort-Vorlieben Fox elegant in seine Texte streut. „Er nennt es das gedankenvolle Gärtnern“, sagt Börms.

Der Buchhändler hat sich wohl immer nach einem gedankenvollen Leben gesehnt. Warum sonst ist er wohl Buchhändler geworden und seit 30 Jahren geblieben? Seit 2016 führt er seinen Laden „Lesestoff“ in Rellingen, zuvor war Börms engstens mit dem Antiquariat Max Wiedebusch in Hamburg verbandelt. Erst als Auszubildender, dann als Angestellter und Mit-Inhaber, bis er schließlich den Laden, der mehrfach umziehen und zuletzt das Ladenlokal an der Dammtorstraße neben der Staatsoper verlassen musste, ganz übernahm.

In Rellingen hatte Börms das Glück, dass er von dem Fotoladen Gaedigk am Marktplatz die Karten-Vorverkaufsstelle übernehmen konnte. „Das war toll, dass ich dadurch von Anfang an hier Kundenlauf hatte. Von Jahr zu Jahr wurde es hier besser. Wir sind zufrieden.“

Wir, das sind seine Frau Nadine Käbel, die als Sozialpädagogin an einer Quickborner Schule arbeitet, und Jan Börms. Gelegentlich denken sie sich sogar ein Extra-Schmankerl aus. Zum Beispiel im Dezember einen Mädels-Abend. Mit Prosecco. Und jeder Menge Büchern.