Pinneberg
Kreis Pinneberg

Kontaktverbot – Der Landkreis im Corona-Modus

Die Polizei kontrollierte Fahrzeuge mit nicht lokalen Kennzeichen, um das Einreiseverbot für Touristen durchzusetzen.

Die Polizei kontrollierte Fahrzeuge mit nicht lokalen Kennzeichen, um das Einreiseverbot für Touristen durchzusetzen.

Foto: Markus Scholz / dpa

Zahl bestätigter Virusinfektionen steigt auf 88. Tagesurlauber werden nach Hause geschickt. Polizei patrouilliert.

Kreis Pinneberg.  Null Kontakt! Angesichts weiter steigender Neuinfektione n mit dem Coronavirus im Kreis Pinneberg – bis Sonntagabend gab es insgesamt 88 Fälle – gilt diese klare Regel von nun an nicht nur auf den Straßen Elmshorns und Pinneberg. Das sogenannte Kontaktverbot ist seit Sonntag statt einer generellen Ausgangssperre in ganz Deutschland verhängt worden. Während die Zahlen der Neuinfektionen bundesweit nach oben schnellten, wurden im Kreis zwölf neue Fälle bestätigt. In Schleswig-Holstein sind insgesamt 436 bestätigte Fälle gemeldet, 33 Personen befinden sich in klinischer Behandlung.

Schon vor dem Wochenende wurden drastischere Maßnahmen ergriffen. So waren private Veranstaltungen wie Geburtstagsfeiern, Grillabende oder Ansammlungen von mehr als fünf Personen untersagt worden. Entsprechend penibel achteten Behörden und Supermärkte im Kreis auf Sicherheitsabstände, das verhängte Betretungsverbot für Touristen und das Unterbinden von Menschenansammlungen.

Laut Polizei kam es im Kreis „vereinzelt zu Verstößen gegen die Auflagen, etwa größere Menschenmengen auf öffentlichen Plätzen oder geöffnete Gaststätten“. Tagestouristen und Feriengäste, die bei Kontrollen angetroffen wurden, erhielten die Anweisung, das Land zu verlassen. In Hetlingen etwa bildeten sich Sonntag am Elbstrand lange Autoschlangen von Tagestouristen.

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Nach einer ausgelassenen Corona-Party von Jugendlichen vor dem Rellinger Rathaus, bei der die Angetrunkenen sogar Passanten mit Umarmungen zu provozieren versuchten, hatte auch Bürgermeister Marc Trampe verschärfte Kontrollen angekündigt. Für die stieg er am Wochenende sogar selbst aufs Fahrrad und patrouillierte jeweils zweieinhalb Stunden durch den Ort.

Zudem gab es vermehrte Polizeikontrollen, das Ordnungsamt und ein extra dafür angeheuerter privater Sicherheitsdienst achteten darauf, dass sich Ähnliches nicht wiederholen konnte. „Erfreulicherweise konnten wir kaum noch Verstöße entdecken“, sagt Trampe. „Nur zwei Jugendliche haben zusammen Basketball gespielt. Das war Unwissenheit. Unsere Beobachtungen sprechen dafür, dass die Notwendigkeit der Maßnahmen bei vielen Menschen angekommen ist.“

Tatsächlich waren die Straßen in Pinneberg und Elmshorn am Wochenende sehr leer. Und auch der Lebensmittel-Einzelhandel, der nach wie vor Hamsterkäufe und Nachschub-Engpässe in den Griff kriegen muss, hat auf die angespannte Lage reagiert. Bei Edeka Meyer an der Pinneberger Saarlandstraße stand am Sonnabend ein Security-Mann am Eingang und erklärte den Kunden: „Bitte nur mit Einkaufswagen!“ Der einfache Grund: Über diesen Trick kann der Markt garantieren, dass nicht zu viele Menschen zugleich dort einkaufen. So werde das Infektionsrisiko gesenkt.

Eine weitere Maßnahme betraf den zweiten Ballungspunkt eines Supermarktes: Vor den Kassen, wo sich die Kunden normalerweise drängen, wurden rot-weiße Klebestreifen auf dem Boden angebracht, die den Mindestabstand gebieten. Zwar hielten sich nicht alle daran, aber die große Mehrheit der Kunden schon. Weitere Sicherheitskräfte mit Security-T-Shirts sollten überwachen, dass die Distanz nicht unterschritten wird.

Coronavirus: So können Sie sich vor Ansteckung schützen

  • Niesen oder husten Sie am besten in ein Einwegtaschentuch, das Sie danach wegwerfen. Ist keins griffbereit, halten Sie die Armbeuge vor Mund und Nase. Danach: Händewaschen
  • Regelmäßig und gründlich die Hände mit Seife waschen
  • Das Gesicht nicht mit den Händen berühren, weil die Erreger des Coronavirus über die Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen in den Körper eindringen und eine Infektion auslösen können
  • Ein bis zwei Meter Abstand zu Menschen halten, die Infektionssymptome zeigen
  • Schutzmasken und Desinfektionsmittel sind überflüssig – sie können sogar umgekehrt zu Nachlässigkeit in wichtigeren Bereichen führen

Am Eingang des Supermarktes prangt nun ein Schild, das sich an die verunsicherte Kundschaft richtet, die mit Panik-Käufen die Regale geleert hat. Nudeln und Mehl etwa waren am Sonnabend noch nicht nachgefüllt, und zwei Mitarbeiterinnen räumten nur wenige Pakete Toilettenpapier ein. „Zur Gewährleistung der Warenversorgung bitten wir inständig darum, nur noch Lebensmittel in haushaltsüblichen Mengen zu kaufen“, lautet der Appell auf dem Eingangsschild. „Darüber hinaus weisen wir darauf hin, dass die Bezahlung mit Bargeld weitestgehend eingeschränkt wird.“

Eine ältere Dame, die sich vergeblich nach einer Tüte Mehl gebückt hat, muss erst mal ihren Ärger herunterschlucken. „Zwei Würfel Hefe durfte ich nicht nehmen, nur einen. Und Mehl ist gar keines da. Dabei backe ich doch jedes Wochenende einen Kuchen!“ Seit die Corona-Pandemie die Menschen verunsichert, ist auch in Pinneberger Supermärkten wenig wie bisher. Dass Kunden plötzlich zwanglos und in gebührendem Abstand ins Gespräch kommen, ist dabei auch neu.

Bei Facebook hat Edeka Meyer mittlerweile eine lange Mitteilung veröffentlicht. Darin heißt es: „Wir haben all unsere Frischecenter in Windeseile und mit dem Einsatz unserer fleißigen Handwerker an die neuen Richtlinien der aktuellen Situation angepasst. Bitte halten Sie sich an die neuen Regeln und schützen somit sich selbst und Ihre Mitmenschen!“ Die Kunden auf dem Parkplatz von Edeka Meyer an der Saarlandstraße folgten ohne Proteste. Sie warteten in einer langen Schlange mit entsprechendem Abstand zueinander auf einen Einkaufswagen, dessen Griffe zuvor von einem eigens dafür engagierten Mitarbeiter desinfiziert worden war. Die Kassiererinnen, die sich ungeschützt den Kunden aussetzen mussten, sollen nun mit Plexiglasscheiben geschützt werden.

Was den Lieferdienst angeht, so haben die Personalengpässe, die mit der Kita-Schließung zusammenhängen, dazu geführt, dass Edeka Meyer derzeit nur noch stark Hilfebedürftige und Menschen ab 70 Jahren beliefert.