Kreis Pinneberg

In Klein Nordende gibt es die Predigt jetzt online

Pastor Lars Därmann (rechts) hält den Text, Vikar Moritz Keppel hält vor laufender Kamera in der leeren Kirche die Predigt.

Pastor Lars Därmann (rechts) hält den Text, Vikar Moritz Keppel hält vor laufender Kamera in der leeren Kirche die Predigt.

Foto: Bugenhagenkirche

Die Bugenhagen-Kirchengemeinde produziert wöchentlich einen Online-Gottesdienst. Auch andere Gemeinden suchen neue Wege zu den Gläubigen

Kreis Pinneberg. Die Kirchen sind geschlossen. Wie eine Glaubensgemeinschaft in diesen schwierigen Zeiten funktionieren kann, das stellt die Gemeinden vor neue Herausforderungen. Die Bugenhagenkirche in Klein Nordende hat darauf erste Antworten gefunden. Den sonntäglichen Gottesdienst gibt es jetzt online, den Kindergottesdienst „at home“ – und dazu ein tägliches, virtuelles Abendgebet.

„Nach ein paar Tagen in der Schockstarre haben wir uns überlegt, wie wir unser gemeindliches Leben neu organisieren können“, sagt Pastor Lars Därmann. Anstoß sei eine Idee der Organistin Isolde Kittel-Zerer gewesen, eine Art „Fern-Gottesdienst“ aufzunehmen – mit allem, was klassischerweise dazugehört. „Wir haben uns dann zwei Beispiele anderer Kirchengemeinden angeschaut und entschieden, das auch zu versuchen“, so Därmann weiter. Nicht alle seien begeistert gewesen. „Meine Frau sagte, dass es das schon hundertmal im Internet gibt.“ Er habe eingewandt, dass es zwar Online-Gottesdienste wie Sand am Meer gebe. „Aber nicht welche aus unserer Gemeinde, mit unserem Pastor, unserem Vikar und unserer Organistin.“

Als göttliche Fügung erwies sich die Schließung der Universitäten. Linus Weilepp, der die Homepage der Kirchengemeinde übernimmt, ist angesichts der Uni-Pause zu Hause und war sofort bereit, die technische Betreuung zu übernehmen. Ein Glücksfall. „Ich hätte gar nicht gewusst, wie man das technisch ins Internet bekommt“, räumt Därmann ein. Das ist dank der Unterstützung kein Problem mehr. Mit zwei Fotokameras, die auch Videos aufnehmen können, und einem iPhone starteten Mitte der Woche die Aufnahmen. Entstanden ist eine erste Videobotschaft des Geistlichen mit aufbauenden Worten angesichts der Corona-Krise.

„Ich habe darauf hingewiesen, dass auch in diesen Zeiten ein gemeinsames Gebet möglich ist“, sagt der 47-Jährige. So würden jeden Abend um 18 Uhr die Glocken der Bugenhagenkirche läuten und zum Gebet rufen. Därmann: „Alle sind eingeladen, dann das Vaterunser zu beten und vielleicht noch ein Gebet für sich und andere mit einzuschließen, egal wo sie sich gerade befinden“. So könne man gemeinsam mit anderen beten, ohne einander dafür treffen zu müssen. Der Link zur Videobotschaft ist auf der Homepage der Bugenhagengemeinde unter www.kirche-klein-nordende.de abrufbar.

Dort wird am Sonnabendabend auch der erste Online-Gottesdienst der Gemeinde stehen, der Donnerstag und Freitag in der leeren Kirche produziert worden ist. „Der Ablauf wird genauso wie beim normalen Gottesdienst sein – mit Glockengeläut, Orgelvorspiel, Begrüßung, Gebet, Gesang, Predigt, Segen und Vater Unser“, sagt Därmann. Für den Geistlichen allerdings ist alles anders. „Die Frage ist schon, wo man in einer leeren Kirche hinguckt.“ Er habe die Menschen vor Augen und im Kopf, wenn er in der leeren Kirche predige, sagt er . „Im Kopf war ich bei den Aufnahmen nervöser als sonst.“

Bereits die 14 Minuten lange Videobotschaft („Das war ein Testlauf“) habe ihm einiges abverlangt. Beim ersten Online-Gottesdienst konnte der Geistliche in zweiter Reihe bleiben, als eine Art Teleprompter den Predigttext hochhalten. Denn laut dem lange im Voraus festgelegten Gottesdienstplan fiel die Internet-Premiere an Vikar Moritz Keppel. „Wir haben uns entschlossen, Versprecher drin zu lassen, wir wollen kein Hochglanzprodukt.“ Dennoch habe man die meisten Beiträge zwei bis dreimal gedreht, weil etwa die Kameraeinstellungen geändert werden mussten („Da war zum Beispiel das Kreuz verdeckt“) oder man gemeinsam zum Entschluss gekommen sei, einige Passagen doch umzuformulieren.

„Wir betreten mit so einer Sache Neuland, ohne Corona hätten wir das nie gemacht“, sagt der Pastor. Es sei jedoch schnell klar geworden, dass es sich nicht um „Hexenwerk“ handele. Dabei seien auch Fragen aufgetaucht, die bisher nie im Fokus gestanden. „Wir haben uns beispielsweise gefragt, wie es sich bei einem Online-Gottesdienst mit den Rechten der Lieder verhält.“ Nachfragen bei der Gema und der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD) hätten teilweise widersprüchliche Aussagen zutage gefördert. Inzwischen sind die Verantwortlichen auf der sicheren Seite.

Nachdem am Freitag die Orgeleinspieler und die gesungenen Lieder aufgenommen worden waren, oblag es Linus Weilepp, alles zu einem zusammenzuschneiden. Das halbstündige Resultat wird auf Vimeo.de hochgeladen und mit der Homepage der Gemeinde verlinkt. „Dass wir die ganz Alten damit nicht erreichen, ist uns bewusst.“ Man erreiche insbesondere die Gemeindeglieder zwischen 40 und 50 Jahren und damit auch viele, die nicht so häufig in die Kirche kommen. „Die Rückmeldungen waren positiv.“ Er habe das Gefühl, auch auf diese Weise etwas tun, den Gemeindegliedern trotz der schwierigen Zeiten Trost und Ermutigung zusprechen zu können, sagt der Geistliche.

Auf der Homepage der Gemeinde gibt es auch eine Anleitung für einen „Kindergottesdienst @home“. Es dient dazu, dass Eltern mit ihren Kindern ohne viel Vorwissen einen Kindergottesdienst zu Hause feiern können. Entwickelt hat das Ganze die Landeskirche. Lars Därmann unterstützt diese Idee. Die digitalen Medien seien in dieser Zeit zwar gut, aber für Kinder sei es noch viel besser, wenn sie zu Hause in der Beziehung zu Eltern und vielleicht Geschwistern Geschichten aus der Bibel hörten und darüber ins Gespräch kämen sowie ihre Gefühle ausdrücken könnten.

Wie lange es Online-Gottesdienste geben muss, weiß der Pastor aus Klein Nordende nicht. „Sicher ist, dass wir auch Ostern auf diese Weise feiern müssen.“ Wie dieses besondere Ritual im Internet zelebriert werden könne, darüber denken die Klein Nordender gerade nach. Ob es auch nach Ende der Corona-Krise Online-Gottesdienste geben wird? Därmann glaubt das eher nicht „Ich habe die Gläubigen lieber hier in der Kirche versammelt.“ Dennoch hätten er und Vikar Moritz Keppel festgestellt, dass die Kameraaufnahme hilfreich sein könne. „Es hilft zu sehen, wie man rüberkommt.“ Daher könne es manchmal eine Hilfe sein, künftig Gottesdienste zu internen Zwecken aufzuzeichnen.