Kreis Pinneberg

Pandemie: „Ich bräuchte mal einen neuen Ausweis . . .“

| Lesedauer: 7 Minuten
Katja Engler
Die Kreisverwaltung hat einen Notschalter eingerichtet, über den Ausländer weiterhin persönlich ihren Aufenthaltstitel erhalten.

Die Kreisverwaltung hat einen Notschalter eingerichtet, über den Ausländer weiterhin persönlich ihren Aufenthaltstitel erhalten.

Foto: Oliver Carstens

... und sieben weitere Gründe für einen Besuch beim Amt. Was geht und was nicht? Wir haben im Kreis Pinneberg nachgefragt.

Kreis Pinneberg.  Im Pinneberger Rathaus spielen sich derzeit groteske Szenen ab: Menschen, die Einlass begehren und wegen der Corona-Pandemie nicht rein dürfen, stellen den Fuß in die Tür und bedrängen die Mitarbeiterin am Eingang. „Manche versuchen tatsächlich, sich gewaltsam Zutritt zu verschaffen“, berichtet Stadtsprecherin Maren Uschkurat. Sie wollen ihren Ausweis verlängern, heiraten, Pflegegeld beantragen. Also eigentlich alles berechtigte, ja wichtige Anliegen. Aber geht das noch? Und, wenn ja, wie?

Die Mitarbeiter in den Rathäusern und im Kreishaus versuchen alles, um weiter ihren Aufgaben gerecht zu werden – in Pinneberg und Elmshorn sogar im Schichtbetrieb. Generell bleiben die Ämter geschlossen, und nur in zwingend notwendigen Fällen dürfen Bürger nach telefonischer Anmeldung die Behörden betreten.

Stecken sich Rathaus-Mitarbeiter mit dem Virus an, können die aus der anderen Schicht einspringen. Blieben die Rathaustüren dagegen offen, könnte das schnell die ganze Behörde lahmlegen. Das oberste Ziel lautet aber, dauerhaft funktionstüchtig zu bleiben. Wir haben beispielhaft in den Stadtverwaltungen von Pinneberg und Elmshorn und im Kreishaus nachgefragt. So kommen Sie, liebe Leser und Leserinnen, trotz neuer Bedingungen an Ihre Dokumente oder an Unterstützung.

Ich bin umgezogen und muss mich ummelden. Wie geht das jetzt?

Meldebescheinigungen können per E-Mail angefordert werden: in Pinneberg etwa auf www.pinneberg.de, dann auf „Was finde ich wo“ klicken. Unter dem Link „Ihr Termin“ befinden sich zwei Felder zur Ummeldung, ein gelbes Feld listet auf, welche Unterlagen dafür notwendig sind. Wer anrufen möchte, ruft das Bürgerbüro an, Tel. 04101/211-0 oder 211-577.

In Elmshorn lautet die Mail-Adresse: ordnungsamt@elmshorn.de. Dort sollen die Gebühren jetzt überwiesen statt wie bisher bar an der Gebührenkassen bezahlt zu werden. Das Amt schickt dann die Meldebescheinigung per Post zu, erklärt Dörte Engelbrecht, Sachgebietsleiterin Meldewesen, Wahl und Katastrophenschutz in Elmshorn. Telefon: 04121/231-254.

In Pinneberg wurde eine Mailadresse eingerichtet, auf die sämtliche Mitarbeiter der Verwaltung zugreifen können. Alle dort auflaufenden Anliegen werden dann vom entsprechenden Kollegen abgearbeitet: pf-buergerbuero@stadtverwaltung.pinneberg.de.

Ich brauche einen neuen Ausweis, für den ich persönlich erscheinen muss.

Dazu sagt Dörte Engelbrecht: „Wir prüfen in jedem einzelnen Fall, ob das wirklich zwingend erforderlich ist und ob die Person aus einem Risikogebiet kommt und die 14-Tage-Frist unterschreitet. Ist dies nicht der Fall, wird telefonisch oder per E-Mail ein Termin ausgemacht.“ In Pinneberg ist dies per Mail möglich, siehe Ummeldung. Ein Feld „Beantragung Ausweis/Pass“ informiert über die erforderlichen Unterlagen und Gebühren. Aber auch hier können, wenn es zwingend nötig ist, telefonisch Termine ausgemacht werden, Telefon: 04101/211-0 oder 211-577.

Wir wollen heiraten. Geht das überhaupt noch?

Antwort: Ja. Für Pinneberg gilt: „Wir ermöglichen zurzeit nur noch die angemeldeten Trauungen, die im Terminkalender stehen“, sagt Stadtsprecherin Maren Uschkurat. „Dafür müssen alle Ehe-Voraussetzungen gegeben sein. Ins Standesamt dürfen dann nur das Brautpaar, die Trauzeugen und ein Fotograf.“ Neue Trauungstermin werden derzeit in Pinneberg nicht mehr vergeben. Durchwahl Standesamt: 04101/211-232.

In Elmshorn sieht es etwas besser aus: „Wir versuchen, jede Eheschließung zu ermöglichen“, sagt Standesbeamtin Kirsten Kaeckenhoff. „Heiraten ist hier möglich, das halten wir aufrecht, allerdings haben einige ihre Hochzeit abgesagt. Andere ziehen die Trauung vor und feiern später.“ Bei Ausländern ist ein Ehefähigkeitszeugnis aus dem jeweiligen Land unabdingbare Voraussetzung. Liegt dies nicht vor, entscheidet das Oberlandesgericht. „Bei zwei Staatsangehörigkeiten des jeweiligen Brautpaares kann das sehr kompliziert werden“, sagt sie. Tel. 04121/231-260.

Ich brauche meine Geburtsurkunde und wir haben Nachwuchs bekommen.

Geburtsurkunden sind in Elmshorn selten, weil die Stadt keine Geburtsklinik hat. Dennoch hat Kirsten Kaeckenhoff „Unmengen Anfragen“, zum Beispiel von Menschen, die einen neuen Personalausweis brauchen, wofür eine Geburtsurkunde vorgelegt werden muss. Wird in der Pinneberger Klinik ein Kind geboren, erhalten die Eltern in der Regel im Krankenhaus einen Umschlag. In dem darin enthaltenen Formular tragen sie den Namen ihres künftigen Kindes ein und schicken den Brief an das Pinneberger Standesamt im Rathaus.

Ein Angehöriger ist gestorben. Woher bekomme ich die Sterbeurkunde?

Diese erhalten Bürger problemlos per Post bei den Standesämtern.

Ich muss dringend Sozialhilfe oder Wohngeld beantragen.

In Elmshorn ist Ralf Behn für Sozialhilfe, Wohngeld und Leistungen für Asylbewerber zuständig. Arbeitsfähige Menschen, die den Job verloren haben, wenden sich an das Jobcenter. Derzeit verzeichnet er mehr Anträge auf Wohngeld, da viele Menschen jetzt nur noch ein Kurzarbeitergehalt bekommen. Wohngeld soll telefonisch beantragt werden. „Wir sagen dann, welche Unterlagen wir brauchen. Die schnelle Geldzahlung hat bei uns oberste Priorität“, sagt Behn. Telefonnummer für Anfragen: 04121/2310. Auch in Pinneberg kann das telefonisch beantragt werden, Telefon 04101/211-0 oder 211-577.

Der Kreis ist für wieder andere Dinge zuständig, und auch das Kreishaus ist aus denselben Gründen wie die Rathäuser geschlossen. Es gibt nur drei Gründe für persönliches Erscheinen: bei Belangen der Ausländerbehörde, bei der Zulassung von Fahrzeugen und wenn es um Führerschein-Angelegenheiten geht. „Die Ausländerbehörde hat die größten Kundenströme“, sagt Kreissprecher Oliver Carstens. Viele bräuchten ihren elektronischen Aufenthaltstitel. „Das wickeln wir seit Mittwoch über einen Notschalter ab, den wir direkt im Kreishaus, wenige Meter neben dem Haupteingang, eingerichtet haben.“ Innerhalb von 24 Stunden hat ein Handwerker aus dem Kreis Steinburg den neuen Schalter eingebaut.

Viele weitere Belange werden per E-Mail abgewickelt: abh@kreis-pinneberg.de. Verstreichen Fristen, so werde das derzeit großzügiger gehandhabt, so Carstens.

Ich brauche eine Zulassung für mein Auto. Wie geht das dann?

Dazu sagt Oliver Carstens: „Klare Ansage: Terminvergaben werden reduziert.“ Am Dienstag und Mittwoch hatte die Zulassungsstelle (Telefon 04121/4502-2404) mehr als 150 Kunden. Carstens: „Das ist definitiv zu viel und gefährlich. Wir bitten deshalb die Bevölkerung, einen professionellen Zulassungsdienst in Anspruch zu nehmen. Die melden dann die Fahrzeuge gegen Gebühr im Block an. Dadurch reduziert sich der Kundenverkehr erheblich.“

Ich brauche einen neuen Führerschein.

Laut Oliver Carstens läuft die Vergabe neuer Führerscheine gut, weil sie postalisch vor sich geht. „Wir sind kulant, wenn Fristen ablaufen“, sagt er. Telefon Fahrerlaubnis: 04121/4502-2437. Auf der Website der Kreisverwaltung wird die gesamte Organisation durch die krisenhaften Arbeitsumstände auf neue Füße gestellt, diverse Infotelefone sind eingerichtet. Mehr dazu unter www.kreis-pinneberg.de/Kontakt & Öffnungszeiten.

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