Kreis Pinneberg

Zwölf Uhr mittags in der Elmshorner Königstraße

Elmshorn, Königstraße: An diesem Mittwochmittag ist es leer wie sonst nur an einem Sonntag. Nur wenige Menschen sehen einen Anlass für einen Besuch in der Fußgängerzone.

Elmshorn, Königstraße: An diesem Mittwochmittag ist es leer wie sonst nur an einem Sonntag. Nur wenige Menschen sehen einen Anlass für einen Besuch in der Fußgängerzone.

Foto: Thomas Pöhlen / Thomas Pöhlsen

Die Geschäfte in Elmshorn sind geschlossen, die Einkaufsstraßen ausgestorben. Nur wenige Menschen ignorieren die Pandemie.

Elmshorn.  Jutta und Gerd Grohmann wundern sich. Es sind am späten Mittwochvormittag mehr Menschen in der Elmshorner Königstraße unterwegs, als sie erwartet haben. Und noch etwas wundert sie. Dass Geschäfte geöffnet sind, die eigentlich geschlossen sein sollten. In einem Fingernagel-Studio lässt sich eine Frau ihre Hände machen. Ein Handyshop hat geöffnet. Es ist der erste Tag der weitrechenden Schließung von Geschäften, die die Landesregierung als Reaktion auf die Corona-Pandemie verfügt hat. Nur Lebensmittelgeschäfte, Apotheken und Drogerien dürfen geöffnet sein.

Hinzu kommen ein paar Ausnahmen. Dazu gehören auch die Bäckereien. Zwei haben in der Königstraße ihre Cafés geschlossen, wegen der „aktuellen Lage“, wie auf einem Plakat verkündet wird. Bei zwei Bäckern bleibt der Café-Bereich geöffnet. Von größeren Abständen zwischen den Tischen kann aber keine Rede sein. Menschen sitzen mit ihrem Kaffee vor dem Geschäft an den Tischen, fast wie zu normalen Zeiten. Kurierfahrer liefern aus, einer ist mit Mundschutz unterwegs. Die Verunsicherung ist bei manchen Menschen spürbar. Ein Mann zieht den Rollkragen des Pullovers so hoch, dass er als Mundschutz wirken soll. Frauen drapieren ihre Schals um den Hals, sodass sie auch den Mund bedecken. In vielen Geschäften ist die Beleuchtung an, die Türen aber sind verschlossen. Es stehen Verkäuferinnen hinter der Kasse, beinahe so, als würden sie jede Minute auf ein Signal warten, dass wieder geöffnet werden kann.

Wenn Menschen zusammen stehen, sprechen sie nur über „Corona“. „Man kann doch nicht die ganze Zeit zu Hause bleiben“, sagt einer, und sein Gesprächspartner pflichtet ihm bei. Und immer wieder bei der Verabschiedung ein fast beschwörendes: „Bleib gesund.“

Manuela Kase, Geschäftsführerin von Elmshorn Stadtmarketing, ist am Mittwoch unterwegs, um mit Mitgliedern zu sprechen. „Viel sehen die Notwendigkeit dieser Maßnahme, um die Ausbreitung des Virus’ zu stoppen“, berichtet sie. Wirtschaftlich bedeute es für die Händler zumindest eine große Herausforderung. Es könne existenzbedrohend werden. Das Elmshorn Stadtmarketing sieht es derzeit als die wichtigste Aufgabe an, die Informationen so schnell und gut wie möglich zu streuen, sagt die Geschäftsführerin. Sie sieht Bund und Land in der Pflicht, den Geschäftsleuten zu helfen. Einige sind aktiv geworden und haben ihr Angebot erweitern. Sie bringen jetzt ihre Ware per Lieferservice zum Kunden. Besser aufgestellt sind die Geschäftsleute, die neben ihrem Geschäft auch noch online verkaufen. Diejenigen, die noch über kein Digitalangebot verfügen, sollten aus der Sicht von Manuela Kase die Zeit der Schließung nutzen, und dies nachholen.

In die Apotheke dürfen Kunden nur einzeln eintreten

Jutta und Gerd Grohmann haben Gründe für ihren Innenstadtbesuch. Zuerst sind sie in die Apotheke gegangen. Dort lässt ein Sicherheitsmitarbeiter die Kunden nur einzeln herein, eine Schlange hat sich gebildet. Ihr zweites Ziel ist der Wochenmarkt. Dort sieht es fast wie an einem normalen Mittwochvormittag aus. Viele Kunden in einem ähnlichen Alter wie die beiden Senioren sind da. Nur wer genauer hinschaut, der sieht, dass die Menschen größeren Abstand lassen, wenn sie in der Schlange stehen. Von den empfohlenen zwei Metern ist allerdings nichts zu sehen. Marktmeisterin Alexandra Eltze berichtet von einem fast normalen Mittwochvormittag. Der Kaffee-Stand ist nicht da, weil dort die Abstandsvorgaben nicht eingehalten werden können. Zwei ältere Marktbeschicker sind nicht gekommen, weil sie sich als Teil einer Risikogruppe schützen wollen. Sonst sind alle da. Über ausbleibende Kundschaft können sich die Anbieter auch nicht beklagen. Alexandra Eltze hat in der Frequenz keinen Unterschied zu anderen Mittwochvormittagen feststellen können. Es könnten sogar ein paar Kunden mehr gewesen sein. „Wenn das am Sonnabend auch so läuft, dann bin ich zufrieden“, sagt sie mit Blick auf den nächsten Markttag.

Doris Mesch verkauft Käufer auf dem Buttermarkt. Sie hat sich lange überlegt, ob sie ihren Stand aufbauen soll. Schließlich habe der Wille, herauszukommen und aktiv zu sein, über die Sorge gesiegt. „Es ist gut, dass ich es gemacht habe“, sagt die Elmshornerin. Sie hat viele Stammkunden. Ein paar hätten sich gefreut, dass sie trotz Corona ihre Ware anbietet. Die Menschen müssten angesichts der Bedrohung in vielen Bereichen umdenken. Da sei es für die Menschen, vor allem für Senioren, wichtig, etwas Gewohntes wie den Gang auf den Wochenmarkt zu haben, meint Doris Mesch. Die Verunsicherung ist groß, spürt sie überall. Eine Freundin, die im Einzelhandel bei einer großen Kette arbeitet, habe ihr geschildert, wie am Dienstag fünfmal die Vorgaben über Öffnen oder Schließen geändert worden seien. Doris Mesch sieht Vorteile, die sich den Käufern in den Zeiten von Corona auf dem Wochenmarkt bieten. „Im Supermarkt oder Discounter ist es enger, stehen sie dichter nebeneinander.“