Pandemie

Corona – Auswirkungen auf das Leben im Kreis Pinneberg

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Die Warteschlange vor der Adler-Apotheke in Pinneberg.

Die Warteschlange vor der Adler-Apotheke in Pinneberg.

Foto: Nico Binde / HA

13 neue bestätigte Infektionen. Rathäuser zu, Schlange vor Apotheke, gesperrte Spielplätze, Golfclubs dicht und Musik im Internet.

Kreis Pinneberg.  Die Rathäuser sind zu, die Museen sind zu, die Schwimmbäder sind zu und seit heute ist das ganze Land „touristisches Sperrgebiet“: Doch allen getroffenen Schutzmaßnahmen zum Trotz kennt die Kurve der bestätigten Coronavirus-Infektionen im Kreis Pinneberg nur eine Richtung: nach oben. Wie die Kreisverwaltung am Dienstag mitteilte, sind aktuell 45 Fälle im Kreis bestätigt – das sind 13 neue nachgewiesene Infektionen binnen der vergangenen 24 Stunden.

Nach wie vor führt der einwohnerstärkste Kreis damit die Statistik der bestätigten Infektionen in Schleswig-Holstein an, es gebe aber nur wenige Fälle, die wegen eines schweren Krankheitsverlaufs stationär behandelt werden müssen. Bisher gebe es keinen Todesfall, der durch die Folgeerkrankung Covid-19 hervorgerufen wurde. Der erste Fall im Kreis war am 3. März bekannt geworden. Von heute an sollen neben Bars und Kinos auch Restaurants und der Einzelhandel geschlossen bleiben. Am Dienstag verkündete die Landesregierung zudem, dass Touristen nicht mehr einreisen dürfen.

Lange Schlange vor der Apotheke

Kommentar einer älteren Dame: „Das habe ich noch nie gesehen!“ In der Pinneberger Fußgängerzone hat sich am Dienstag ein skurriles Bild der Krise gezeigt. An der Dingstätte standen viele Menschen bis auf die Straße Schlange – teils, weil der Andrang so groß war, teils aber auch, weil die Wartenden einen gebührenden (und angemessenen) Abstand zum Vordermann ließen. „Besondere Angebote haben wir nicht“, sagte eine Mitarbeiterin der Adler-Apotheke zum Ansturm. „Viele wollen nur ihre Rezepte einlösen und halten sich an die empfohlenen zwei Meter Abstand.“ Desinfektionsmittel und Schutzmasken sind nach wie vor ausverkauft, es gab aber noch Einmalhandschuhe.

Wenn Spielplätze zum Sperrgebiet werden

Ein rot-weißes Absperrband flattert im Wind, dahinter ein Spielplatz, menschenleer, gottverlassen. Ein gespenstisches Bild. Sonst ist an diesem Ort Kinderlachen zu hören. Jetzt liegt Stille über allem. Neben dem verriegelten Tor hat jemand ein Schild provisorisch aufgehängt: „Der Spielplatz ist aufgrund der aktuellen Corona-Situation bis auf Weiteres gesperrt.“ Gesperrt ist rot geschrieben, wohl damit Besucher das Wort besser verstehen, wenn sie denn draußen vor dem Tor stehen sollten. Eine Momentaufnahme aus Kiebitzreihe bei Elmshorn. Es könnte überall sein. Spielen verboten!

Das ist hart, da es doch sonst keine Möglichkeiten mehr gibt, Kinder zu unterhalten – Kinder, die jetzt plötzlich auch noch viel mehr Zeit haben als sonst. Kitas und Schulen geschlossen, Kurse eingestellt, Aktivitäten in Vereinen verboten. Jetzt auch noch das Klettergerüst und die Schaukel.

Hinter der Anordnung der Landesregierung steckt die Idee, dass gerade auf Spielplätzen auch fremde Kinder einander besonders nah kommen, dass hier also eine Verbreitung des Coronavirus’ von Kind zu Kind nicht gerade unwahrscheinlich wäre. Und das gilt es dieser Tage ja zu vermeiden.

Musiktage-Macher stellen Videos ins Netz

Die Ausbreitung des Coronavirus’ hat auch die Wedeler Kulturlandschaft ordentlich durchgeschüttelt. Eine Veranstaltung nach der nächsten muss abgesagt werden, um die weitere Ausbreitung der Pandemie zu verhindern. Auch die Wedeler Musiktage, die unter neuer musikalischer Leitung am Freitag gestartet wären, müssen nun verschoben werden. Einen neuen Zeitraum für das zehntägige Festival konnten die Veranstalter aufgrund der zurzeit nicht absehbaren Entwicklungen noch nicht nennen. Für alle, die sich bereits ein Ticket gesichert haben, gibt es jedoch gute Nachrichten: Die Eintrittskarten behalten ihre Gültigkeit.

Wer bis zum Nachholtermin der Musiktage nicht auf Konzerterlebnisse verzichten möchte, der wird im Internet unter www.wedeler-musiktage.de fündig: Die Veranstalter haben Videos von Auftritten einiger Künstler, die auch bei den Wedeler Musiktagen aufgetreten wären, zusammengestellt. Das Angebot reicht vom Elbipolis Barockorchester Hamburg, das Vivaldi spielt, den Männerstimmen der Chorknaben Uetersen, die „Du bist min“ von Aleksandar S. Vujic singen, oder Alina Bercu, die mit einem Klavierrezital verzaubert. So lässt sich die Musik vom heimischen Sofa genießen, bis es sie live zu hören gibt.

Auch Golfclubs im Kreis stellen Betrieb ein

Sie schienen die letzte Bastion für einen kleinen Zirkel Bewegungshungriger in den Zeiten von Corona gewesen zu sein, die Golfplätze im Kreis. Zwar hatte zum Beispiel der Peiner Hof in Prisdorf bereits seit dem Wochenende den Betrieb eingestellt, doch noch am Montagmittag hatten Clubs wie der GC an der Pinnau oder der GC Hamburg-Holm auf ihren Webseiten eine eingeschränkte Spielregelung veröffentlicht.

Diese Richtlinie unter Berücksichtigung der Empfehlungen der Robert-Koch-Instituts sollte es zumindest Mitgliedern erlauben, die vor Rundenbeginn wegen ihrer Clubzugehörigkeit keinen Kontakt mit dem Büro aufnehmen müssen, ohne Begleitung von Gästen den Platz zu nutzen.

Schnee von gestern. „Am 16. März, 16 Uhr, hatten wir Besuch vom Ordnungsamt der Stadt Quickborn, welches im Auftrag des Kreises Pinneberg die Schließung unseres Platzes angeordnet hat. Der Verpflichtung sind wir nachgekommen“, teilte der Pinnauer Vorstand online mit. Ähnlich lautende Mitteilungen gibt es beim GC HH-Holm oder auch vom GCG Haseldorf. Letztere tun dies jedoch mit dem dezenten Hinweis, dass aktuell kein Betretungsverbot durch das Amt Geest und Marsch vorliege.

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