Kreis Pinneberg

Gibt es bald einen Wurstnotstand auf dem Wochenmarkt?

| Lesedauer: 5 Minuten
Joana Ekrutt
Vanessa Pinzer (l.) und ihre Mitarbeiterin Beate Postels stehen auf dem Pinneberger Drosteiplatz zum letzten Mal hinterm Grill des Würstchenimbiss’ Heisse Heisse.

Vanessa Pinzer (l.) und ihre Mitarbeiterin Beate Postels stehen auf dem Pinneberger Drosteiplatz zum letzten Mal hinterm Grill des Würstchenimbiss’ Heisse Heisse.

Foto: Joana Ekrutt / HA

Traditionsimbiss Heisse Heisse schließt nach mehr als 70 Jahren auf dem Pinneberger Drosteiplatz. Mitbewerber Onkel Klaus sucht Personal.

Pinneberg. „Ne Curry, wie immer?“, schallt es einem schon von Weitem entgegen, wenn man sich der Würstchenbude Heisse Heisse auf dem Pinneberger Wochenmarkt nähert. Fast jeder, der an diesem Vormittag – einer der letzten vor der Schließung – vor dem Grillwagen seine Wurst isst oder einen Kaffee trinkt, scheint Stammkunde zu sein. Kein Wunder. Denn den Heisse-Heisse-Grill gibt es in Pinneberg bereits seit mehr als 70 Jahren.

Im Oktober 1949 eröffneten Max und Antonie Pinzer ihre Würstchenbude auf dem Wochenmarkt. Die Spezialität? Kleine Rossbratwürstchen – Pferdewurst in kleinen Portionen à drei, sechs oder neun Stück. An diesem Sonnabend öffnet Vanessa Pinzer, die den Stand in dritter Generation führt, jedoch zum letzten Mal die Klappe des beliebten Würstchengrills.

Betreiberehepaar will sich beruflich Umorientieren

„Der Schritt fällt mir immer noch schwer, aber ich muss an die Zukunft denken“, sagt sie. Der Grund für die Schließung? „Es hat sich eine berufliche Veränderung für mich ergeben. Die Chance musste ich nutzen.“ Worum es sich dabei genau handelt, möchte Pinzer nicht sagen. Nur so viel: „Die Tätigkeit ist nicht draußen, aber trotzdem noch kalt“, sagt sie und lacht. In Zukunft wolle sie aber vor allem auch mehr Zeit für ihre beiden Kinder haben.

Ihr Mann, dessen Großeltern einst den Imbiss gründeten, habe sich bereits vor sechs Jahren beruflich umorientiert. Beim Auf- und Abbau habe er seiner Frau bis zum Schluss jedoch stets geholfen. Ein echter Familienbetrieb eben.

Den Kunden geht der Abschied nahe

Viermal pro Woche stand die toughe 38-Jährige mit dem einnehmenden Lächeln in den vergangenen acht Jahren von morgens um sechs bis zum frühen Nachmittag mit ihrem Imbisswagen auf Marktplätzen im Kreis Pinneberg. Ihre Mitarbeiterin Beate Postels dreht sogar bereits seit 22 Jahren die Würstchen auf dem Grill der Familie Pinzer. Auch für sie geht mit der Schließung eine Ära zu Ende. Sie hört ganz auf. „Die Gesundheit geht vor“, sagt sie. Doch wenn die Klappe das letzte Mal fällt, „werde ich bestimmt flennen“, meint Postels.

Auch den Kunden geht der Abschied nahe. So wie Editha Cerva. „Als ich noch ein Kind war, haben wir die Würstchen in Kühltaschen gepackt und Verwandten mitgebracht, weil die unbedingt welche haben wollten“, erzählt die 65-Jährige. Und auch Peter Kausch hat bereits früheste Kindheitserinnerungen an den Heisse-Heisse-Imbiss. „Als Vierjährigem wurde mir hier schon das erste Würstchen in den Mund geschoben.“ Sein Vater sei bereits Stammkunde gewesen.

Die Suche nach einem Nachfolger läuft

„Das ist schon eine traurige Geschichte“, sagt der 44-Jährige über das Ende des Traditionsimbisses. Die Freunde Kai Vorwig, Maren Siegmann und Peter Enke, die regelmäßig ihre Mittagspause bei Heisse Heisse verbringen, wollen nun eine „WhatsApp-Würstchen-Gruppe“ gründen, um von Vanessa Pinzer ab und an zumindest privat noch ein Würstchen zu ergattern. Auch wenn die Ära Pinzer nun zu Ende geht, könnte es für den Heisse-Heisse-Grill jedoch weitergehen – die Suche nach einem Nachfolger läuft.

Ebenfalls auf der Suche nach einem Nachfolger waren bis vor Kurzem Volker Heydemann und seine Frau Ina Krützfeldt, die den Imbiss Onkel Klaus betreiben – die zweite Würstchenbude auf dem Pinneberger Wochenmarkt und ebenfalls eine mit einer langen Geschichte. Die Geschäftsaufgabe sei nun jedoch nicht mehr angedacht. „Ich möchte weitermachen“, sagt Heydemann bestimmt. „Es macht großen Spaß, und wir haben supernette Gäste.“

Mitbewerber Onkel Klaus sucht Personal

Vor 20 Jahren hat der 58-Jährige den Imbiss übernommen. Seine Frau stieg vor 15 Jahren in Vollzeit mit ein. Allerdings müsse sie nun gesundheitsbedingt aufhören. Seit acht Jahren ist sie Dialysepatientin, vor einem Jahr bekam die 64-Jährige zudem eine neue Herzklappe. Daher sei die körperlich fordernde Arbeit für sie zu anstrengend, auch wenn sie großen Spaß daran hat.

Das Ehepaar ist deshalb auf der Suche nach einem Mitarbeiter, um Ina Krützfeldt zu ersetzen. Geeignetes Personal zu finden sei jedoch schwer, so Heydemann. „Vor allem zuverlässiges.“ Um den Stand zu betreiben, brauche es jedoch ein eingespieltes Duo. Sollte die Suche nach Personal erfolglos verlaufen, wäre der Komplettverkauf zwar noch immer eine Option, aber nur eine Notlösung.

Wie geht es für die beiden Würstchenimbisse weiter?

Als er von der Schließung seines Mitbewerbers hörte, sei er „geschockt“ gewesen, sagt Heydemann. Man habe ein gutes Verhältnis zueinander.

„Dass zwei Traditionsläden auf dem Wochenmarkt aufhören wollen, kann man hier doch niemandem zumuten“, meint er. Sollten Personal und Nachfolger gefunden werden, ginge es am Ende vielleicht sogar für beide Wurstimbisse weiter – allerdings in weniger traditioneller Besetzung.

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