Verkehrsbericht

Zahl der Unfälle im Kreis Pinneberg erreicht Höchststand

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In diesem Kleinwagen saßen am 8. Dezember fünf junge Leute. Der 19-jährige Beifahrer starb noch an der Unfallstelle in Pinneberg, der gleichaltrige Fahrer zwei Tage später.

In diesem Kleinwagen saßen am 8. Dezember fünf junge Leute. Der 19-jährige Beifahrer starb noch an der Unfallstelle in Pinneberg, der gleichaltrige Fahrer zwei Tage später.

Foto: Jonas Walzberg / dpa

Verkehrsbericht der Polizei: 2730 Mal krachte es 2019 auf den Straßen des Kreises Pinneberg. Dabei kamen acht Menschen ums Leben.

Kreis Pinneberg.  Die Zahl der Unfälle im Kreis Pinneberg – sie war 2019 so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr. 7730-mal krachte es im vorigen Jahr auf den Straßen, das sind 230 Unfälle mehr als 2018. Zum Vergleich: 2010 standen 5738 Unfälle in der Statistik zu Buche. Auch die Zahl der Verletzten hat sich 2019 um 3,1 Prozent erhöht, bei den Schwerverletzten gab es sogar einen Anstieg um 37,6 Prozent.

Wie die Zahlen aus dem nun vorgestellten Verkehrsicherheitsbericht für den Kreis Pinneberg zu erklären sind? Die Polizei verweist darauf, dass die Zahl der Einwohner ebenso seit mehreren Jahren kontinuierlich ansteigt wie auch die Zahl der Kraftfahrzeuge. Das führe letztlich auch zum Anstieg der Unfälle. „Hinzu kommt, dass sich das Verhalten der Verkehrsteilnehmer geändert hat“, sagt Joachim Lang, der für die Polizei im Kreis die Verkehrsauswertung macht.

Acht Menschen starben 2019 im Straßenverkehr

Er verweist auf Schleswig-Holsteins Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU), der bei der Vorstellung der Landeszahlen über die zunehmende Aggressivität im Straßenverkehr klagte. Eine Gruppe, die das betrifft, sind die jungen Fahrer. Sie waren 2019 an 405 Unfällen im Kreisgebiet beteiligt (2018: 352), in 225 Fällen waren sie auch Verursacher. 506-mal waren Senioren an Unfällen beteiligt, 150-mal waren sie die Schuldigen.

Acht Menschen ließen 2019 im Straßenverkehr ihr Leben – genau so viele wie im Jahr davor. Darunter war ein sechs Jahre altes Mädchen, das am 28. Oktober beim Überqueren der Pinneberger Mühlenstraße vom BMW eines 46 Jahre alten Mannes erfasst wurde. Auch zwei Teenager wurden tödlich verletzt – ebenfalls in Pinneberg. Dort prallte am 8. Dezember ein mit fünf Heranwachsenden besetzter Kleinwagen in einer Linkskurve gegen einen Baum.

Der 19 Jahre alte Beifahrer starb noch am Unfallort, der gleichaltrige Fahrer erlag zwei Tage später im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Die Gruppe war von einer Party gekommen. Ein weiterer Partygast, der im Auto keinen Platz gefunden und zu Fuß gegangen war, hatte das Fahrzeugwrack entdeckt.

Ein 20 Jahre alter Motorradfahrer kam am 5. August in Tornesch ums Leben, als er aufgrund einer Bodenwelle die Kontrolle über seine BMW-Maschine verlor und gegen einen Baum prallte. In Bilsen waren am 22. März auf der B 4 zwei Autofahrer gestorben. Ein BMW-Fahrer (31) aus Polen geriet auf der Kieler Straße in den Gegenverkehr und prallte frontal mit einem Ford zusammen, der von einem 73 Jahre alten Mann gelenkt wurde.

Beide Fahrer waren auf der Stelle tot, die Beifahrerin (80) im Ford überlebte nur knapp. Die Polizei führt diesen Unfall nicht in der Statistik. Bei dem BMW-Fahrer geht sie von einem Suizid aus. Der getötete Ford-Fahrer wurde in die Kriminalitätsstatistik als Tötungsdelikt aufgenommen. Auch ein tödlicher Unfall am 18. Juni in Elmshorn fließt nicht in das Zahlenwerk ein, er wird auch als Selbstmord bewertet.

Mehr als 100 verunglückte Motorradfahrer

Der erste tödliche Unfall des Jahres hatte sich bereits am 13. Januar 2019 auf der K 15 in Holm ereignet, wo ein Schenefelder (50) mit seinem Auto von der Straße abgekommen und gegen einen Werbeanhänger geprallt war. Der letzte tödliche Unfall des Jahres 2019 datiert vom 30. Dezember, als ein Mountainbike-Fahrer (41) in Wedel an der Pinneberger Straße einem Linienbus die Vorfahrt nahm. Ein Pedelec-Fahrer (80) kam am 18. Juli in Klein Nordende ums Leben, als er die B 431 überquerte und eine Autofahrerin übersah. In Uetersen starb am 30. August eine Radfahrerin (76), die einem Auto die Vorfahrt genommen hatte.

106 Motorradfahrer sind 2019 im Kreis verunglückt, sechs weniger als 2018. 123 Fußgänger waren an Unfällen beteiligt, elf mehr, die Zahl der Verletzten blieb konstant bei 105. 153 Kindern zogen sich leichte, zehn Kinder schwere Verletzungen zu. Die Fälle, an denen Kinder bei Verkehrsunfälle beteiligt waren, ist nahezu konstant geblieben.

28 Fahrer, die 2019 an einem Unfall beteiligt waren, standen unter dem Einfluss alkoholischer Getränke. Nachdem ihre Zahl 2018 leicht gefallen war, wurde im vorigen Jahr wieder das hohe Niveau von 2017 erreicht. Hinzu kommen 23 Unfallfahrer, bei denen ein Drogen- oder Medikamentenkonsum nachgewiesen werden konnte. Dies ist die mit Abstand höchste Zahl der vergangenen fünf Jahre. Die Polizei geht davon aus, dass dieser Anstieg auf die intensivere Beschulung der eingesetzten Beamten zurückzuführen sein kann.

Die Autobahnen werden getrennt betrachtet. Auf der A 23 kam es 2019 zu 238 Unfällen – und zwar von der Hamburger Landesgrenze bis nach Heide. 2018 waren es drei weniger. Erfreulich: Die Zahl der verletzten Personen ging von 201 auf 169 zurück. Auf der A 7 flossen 128 Unfälle, bezogen auf den Abschnitt zwischen der Landesgrenze zu Hamburg und der Abfahrt Großenaspe, in die Statistik ein. Dabei gab es 107 Verletzte (2018: 132), ein Fahrzeuginsasse kam ums Leben.

„Jeder Verkehrsunfall ist einer zu viel“, sagt Andreas Görs, Chef der für den Kreis zuständigen Polizeidirektion Bad Segeberg. Jedoch ließen sich nicht alle Unfälle vermeiden.

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