Kreis Pinneberg

Diese Halstenbeker machen ganz viel Theater

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Amelie Hamester
Kreisch-Alarm: Die Theater-AG des Wolfgang-Borchert-Gymnasiums in Halstenbek inszeniert in ihrem neusten Projekt Schillers „Die Räuber“ neu. 

Kreisch-Alarm: Die Theater-AG des Wolfgang-Borchert-Gymnasiums in Halstenbek inszeniert in ihrem neusten Projekt Schillers „Die Räuber“ neu. 

Foto: Amelie Hamester

Arbeitsgemeinschaft am Wolfgang-Borchert-Gymnasium ist über Kreis- und Landesgrenzen hinaus bekannt.

Halstenbek.  Schillers „Die Räuber“, aber in cool, modern und feministisch: Das ist „Räuber“, eine Neuinszenierung der Theater-AG des Wolfgang-Borchert-Gymnasiums in Halstenbek. Mit eigenen Texten, kombiniert mit den klassischen Dialogen aus dem Original, transportieren die jugendlichen Nachwuchstalente Themen, die schon zu Sturm-und-Drang-Zeiten relevant waren, in die Neuzeit.

In ihrer Version des Stücks beantworten sie Fragen wie: Warum würden heutzutage Menschen zu „Räubern“ werden? Und was ist überhaupt das Äquivalent eines damaligen Räubers in der heutigen Zeit? Es geht um das Gefühl, dass es im System keinen Platz für jemanden gibt, darum, wie es ist, aus der Gesellschaft auszusteigen. Und natürlich geht es, wie schon in Schillers Original, um den Konflikt zweier Brüder und deren ständiges Konkurrenzdenken. Themen also, die auch die Jugend von heute, fast 250 Jahre später, noch beschäftigen. „In dem Stück sind unsere Begriffe von Freiheit und Rivalität sowie unser persönlicher Zugang zu den Charakteren von Bedeutung“, sagt Alexandra Schrader, Schauspielerin der Theater-AG.

Amalia ist nicht Schachfigur, sondern der rote Faden

Die Theater-AG, die aus Schülern der Klassenstufen 9 bis 12 besteht, trifft den Nerv der Zeit, denn bei ihnen ist die Figur der Amalia nicht nur Schachfigur im Spiel der beiden Brüder, sondern sie ist es, die den roten Faden durch das Stück zieht. Diese moderne Wendung, eine Idee der Schüler, zahlt sich aus. Dieses Jahr wird die erfolgreiche Theatergruppe, die schon seit 1978 besteht, Gastgeber der Schultheaterwoche Schleswig-Holstein sein, und das Ensemble wird die Veranstaltungsreihe Anfang September mit ihrem Stück „Räuber“ eröffnen. Auch Schleswig-Holsteins Bildungsministerin und Schirmherrin der Schultheaterwoche, Karin Prien (CDU), soll im September im Publikum in der Aula des Wolfgang-Borchert-Gymnasiums sitzen.

Aber auch über die Grenzen des Bundeslandes hinaus ist die Theater-AG erfolgreich, sie wurde dieses Jahr ebenfalls zur Theaterwoche Korbach eingeladen, dem ältesten Laienspiel-Festival Deutschlands im hessischen Korbach. Und: Die AG ist unter den 20 Finalisten, die für das Theatertreffen der Jugend 2020 ausgewählt worden sind. Acht von ihnen werden im Mai für eine Woche nach Berlin eingeladen, um dort ihre Stücke vor Publikum im Haus der Berliner Festspiele aufzuführen. Für die Auswahl der acht Gewinnergruppen kommen Juroren zu Aufführungen, so auch ins Wolfgang-Borchert-Gymnasium. „So weit ist seit sehr langer Zeit keine schleswig-holsteinische Gruppe gekommen“, sagt AG-Leiter Andreas Kroder stolz über das Theatertreffen, das er als „Jugendtheater-Oscars“ bezeichnet.

Er leitet die AG seit 2011 und unterrichtet am Wolfgang-Borchert-Gymnasium Deutsch, Geschichte, Wirtschaft und Politik, und Darstellendes Spiel. Bei der Leitung der Theater-AG ist ihm die Eigeninitiative seiner Schüler besonders wichtig. „Bei uns gibt es kein Casting, um zu entscheiden, wer mitmachen darf und wer nicht. Jeder, der Lust hat, ist eingeladen, bei der AG mitzumachen.“

Zu jeder Aufführung kommen 150 bis 300 Zuschauer

Es kristallisiere sich immer nach und nach heraus, wer dann im Endeffekt engagiert genug ist. Und Engagement sollten die Schüler zeigen, denn die Inszenierungen der Theater-AG sind sehr aufwendig, alles, von Plakaten und Internet-Präsenz bis hin zu den Aufführungen der Schüler wirkt höchst professionell. Die große Aula des Gymnasiums ist bei den Auftritten immer gut besucht, es kommen stets 150 bis 300 Zuschauer pro Aufführung. „Ganz schön viel für Schultheater“, sagt Lehrer Andreas Kroder.

Das 15-köpfige Schauspielensemble ist dabei sehr motiviert, regulär treffen sich die Mitglieder einmal die Woche – montagabends –, doch wenn eine Aufführung naht, verbringen die Jugendlichen gut und gern mal ganze Wochen zusammen, im Durchschnitt neun Stunden am Stück. Viele von ihnen schreiben nebenbei ihr Abitur, machen den Führerschein und haben noch Handball- oder Fußballtraining. Klingt erstmal ziemlich stressig. Was motiviert die Schüler, so viel Zeit in die AG zu investieren? „Die Schule findet ja nicht nur in der Schulzeit statt“, meint Jonas Antonacopoulos, der in dem Stück die Hauptrolle des Franz spielt. „Manchmal lernt man in einer Woche Theater-AG viel mehr als in der Schule in einem Jahr.“ Außerdem macht es den jungen Talenten auch sehr viel Spaß, sie sind alle befreundet. „Dadurch, dass man zusammen auf der Bühne steht und so viel Zeit miteinander verbringt, lernt man einander auf einer ganz anderen Ebene kennen. Das schweißt zusammen.“, sagt Alexandra Schrader, die den Bruder Karl spielt. Sie lernen ihre Mitschüler besser kennen – und sich selbst, wie Schüler und Schauspieler Jonas Lifke erklärt: „Die Theater-AG ist unser eigenes Ding. Man entdeckt sich selbst neu, bricht den Panzer auf, den man um sich selbst gebildet hat.“ Wie genau das aussieht, und wie die jungen Talente Schillers Werk einen modernen Touch gegeben haben, zeigen sie bei ihren Aufführungen.

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