Wedel

Umweltminister Albrecht will Kraftwerk-Aus forcieren

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Jan Philipp Albrecht (Bündnis 90/Die Grünen), schleswig-holsteinischer Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung.

Jan Philipp Albrecht (Bündnis 90/Die Grünen), schleswig-holsteinischer Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung.

Foto: Carsten Rehder / dpa

Wedeler Grünenpolitiker verspricht Parteigenossen, sich für eine frühe Abschaltung des Kohlekraftwerks einzusetzen.

Wedel.  Kleine Überraschung bei der Kreismitgliederversammlung der Grünen: Parteifreund und Umweltminister Jan-Philipp Albrecht war aus Kiel angereist, um sich zu zwei drängenden umweltpolitischen Themen im Kreis Pinneberg zu äußern – und seine durchaus kontroversen Standpunkte zu verteidigen.

Umweltminister Albrecht für Kraftwerk-Aus

Zum einen ging es nämlich um die geplante XXL-Gastrasse von Brunsbüttel durch die Haseldorfer Marsch, die die Kreis-Grünen ablehnen. Zum anderen wurde gefordert, den ätzenden Ascheregen des Kohlekraftwerks Wedel abzustellen und darauf zu drängen, einen der ältesten Meiler Deutschlands früher als 2025 vom Netz zu nehmen.

Zur Gastrasse positionierte sich Albrecht klar gegen seine Parteifreunde. Er nannte die Leitung für Flüssiggas, das „Liquified Natural Gas“ (LNG), eine Brückentechnologie, die der Energiewende später durchaus zuträglich sei. In einigen Jahren könnte die Gastrasse auch für Wasserstoff oder synthetisches Gas verwendet werden. Dennoch beschlossen die Kreismitglieder, sich dem Widerstand gegen die Trasse anzuschließen.

Einsatz für Abschaltung des Kohlekraftwerks

Etwas differenzierter sah Albrecht dagegen die Anträge zum Kraftwerk Wedel. Den von Anwohnern beklagten ätzenden Ascheregen könne er allerdings nicht nachvollziehen. Denn das Ministerium sei entgegen anderslautender Gutachten nach wie vor der Meinung, dass das Kraftwerk aus Sicht der Aufsichtsbehörde und des Ministeriums die Grenzwerte im Bundesimmissionsschutzgesetz einhalte. Das hätten andere Gutachten bestätigt.

Deswegen seien auch keine weiteren technischen Maßnahmen nötig, um das Kraftwerk auf den Stand der Technik zu bringen. Für die Anwohner sei das nicht hinnehmbar, auch die Grünen aus Wedel widersprechen dieser Darstellung klar. Doch die Mehrheit der Grünen im Kreis folgte im Beschluss ihrem Minister und fordert nun zunächst nicht mehr, das Kraftwerk technisch nachzurüsten.

Mitgliederversammlung beschließt Gespräche mit Hansestadt.

Etwas ermutigender für die Anwohner des Kraftwerks war da der zweite Beschluss zum Meiler bei der Mitgliederversammlung der Grünen. Denn auch Albrecht versprach, sich länderübergreifend mit dem Kraftwerkseigentümer, der Stadt Hamburg, über einen schnellen und effektiven Klimaschutz auszutauschen.

Kurzum: Die Landesregierung soll und will sich dafür einzusetzen, die reine Kohleverstromung im Heizkraftwerk Wedel baldmöglich zu beenden. Bekanntlich will Hamburg den Meiler frühestens im Jahr 2025 vom Netz nehmen, danach mangels Alternativen womöglich ein neues Gaskraftwerk errichten. Albrecht versprach den Grünen im Kreis Pinneberg, „intensive Gespräche“ mit der Hansestadt aufzunehmen und das Ergebnis „transparent“ zu berichten.

( nib )

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