Tornesch

Mann stirbt nach Bahnunfall – NEG verspricht Schranken

Tornesch, Jürgen-Siemen-Straße: Hinter einem Sichtschutzzaun kämpfen Retter um das Leben eines 79-Jährigen, der vom NEG-Triebwagen erfasst worden ist.

Tornesch, Jürgen-Siemen-Straße: Hinter einem Sichtschutzzaun kämpfen Retter um das Leben eines 79-Jährigen, der vom NEG-Triebwagen erfasst worden ist.

Foto: Florian Sprenger / florian Sprenger

Eisenbahngesellschaft hält trotz Unglück am Ende des Probebetriebs zwischen Tornesch und Uetersen an Reaktivierung der Strecke fest.

Tornesch.  Der 79-Jährige, der am Freitagnachmittag an der Jürgen-Siemen-Straße in Tornesch vom Triebwagen der NEG erfasst worden ist, hat den schrecklichen Unfall offenbar nicht überlebt. Bei Facebook hat sich ein nächster Angehöriger des Mannes zu Wort gemeldet und sich bei allen Rettungskräften bedankt. Dem Eintrag zufolge ist der Senior noch während des Fluges von Tornesch ins UKE nach Hamburg-Eppendorf im Rettungshubschrauber seinen lebensgefährlichen Verletzungen erlegen.

Der hundertfach kommentierte Text ist auch für die Polizei der zurzeit der einzige Hinweis. „Aus dem UKE erfährt man nichts. Nicht mal wir als Polizei“, so ein Beamter aus Uetersen am Sonntag auf Anfrage.

Technische Sicherung nach Personenunfall in Tornesch

NEG-Geschäftsführer Ingo Dewald sagt unterdessen, das Ereignis erfülle alle Mitarbeiter der Eisenbahngesellschaft mit großer Trauer. Von dem Projekt, die Bahnstrecke zwischen Tornesch und Uetersen nach 65 Jahren für den Personennahverkehr zu reaktivieren, möchte er sich dennoch nicht verabschieden. Aber: „Sollte das Land Schleswig-Holstein den Schienenpersonennahverkehr gemäß Landesnahverkehrsplan im 20-Minuten-Takt einführen, würden alle Bahnübergänge eine technische Sicherung mit Lichtzeichen erhalten, gegebenenfalls auch mit Schranken.“

Wie berichtet, fiel der Unfall am Freitagnachmittag in die letzten Stunden eines neuntägigen Testbetriebs auf der Strecke, der bis zum Unglückszeitpunkt sehr positiv bewertet wurde. So nutzten 9208 Fahrgäste die „rasende Emma“, wie die Passagiere den NEG-Triebwagen in Anlehnung an den einst auf dieser Strecke verkehrenden Schienenbus schnell liebevoll tauften.

Die Probefahrten hatten am Donnerstag vorvergangener Woche begonnen und sollten eigentlich am Dienstag vergangener Woche wieder enden. Wegen des großen Zuspruchs entschied sich die NEG aber, das Projekt um drei Tage zu verlängern. Von Mittwoch bis Freitag kosteten die bis dato freien Fahrten einen Euro.

79-Jähriger unter Lok eingeklemmt

Am Freitag um 16.20 Uhr dann das Unglück. An der Jürgen-Siemsen-Straße in Höhe Am Grevenberg, wo es einen Fußgängerüberweg über die Bahnstrecke gibt, hatte der 79-Jährige den Durchlass durch den Zaun passiert und überquerte die Gleise, als ihn der in Richtung Tornesch fahrende Triebwagen erfasste. Er wurde unter dem Fahrzeug eingeklemmt. Seine Rettung gestaltete sich schwierig, weil die Feuerwehr mit ihrer Ausrüstung nicht in der Lage ist, eine 54 Tonnen schwere Lokomotive anzuheben. Schließlich zogen die Helfer das Fahrzeug mit einer Seilwinde zurück.

Die Polizei ging zunächst davon aus, dass der 79-Jährige den mit langsamem Tempo herannahenden Triebwagen gesehen hat, jedoch noch die Gleise überqueren wollte und nicht schnell genug war. Die Ermittlungen dauern an.