Kreis Pinneberg

Rellinger Bürgerstiftung: Jubel und ein Grund zur Sorge

Eckhard Schlesselmann ist stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins. Christoph Rind arbeitet als Geschäftsführer der Rellinger Bürgerstiftung. Beide sorgen sich wegen der Niedrigzinsen.

Eckhard Schlesselmann ist stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins. Christoph Rind arbeitet als Geschäftsführer der Rellinger Bürgerstiftung. Beide sorgen sich wegen der Niedrigzinsen.

Foto: Katja Engler

Niedrigzinsen sind Problem für die Stiftung, die zehnjähriges Jubiläum feiert. Zum Glück ermöglichen Spender die Projekte.

Pinneberg. In diesem Jahr feiert die Rellinger Bürgerstiftung ein wichtiges Jubiläum: Vor zehn Jahren wurde sie von dem damaligen Bürgermeister Oliver Stolz und dem 2018 verstorbenen Baumschuler und Bürgervorsteher Albert Hatje gegründet – aber das ist nur einer der Gründe zum Feiern. Denn was die Stiftung in diesen zehn Jahren angepackt hat, ist nicht nur gemeinnützig und sinnvoll. Oft kommen die guten Ideen sogar direkt von den Bürgern, was künftig gern noch mehr werden darf, sagt der Geschäftsführer der Bürgerstiftung, Christoph Rind.

Niedrigzinsen – ein Problem für die Stiftung

„Ganz wesentlich wird die Arbeit der Stiftung getragen durch ehrenamtliches Engagement“, sagt Bürgermeister Marc Trampe. „Dafür möchte ich mich als Stiftungsvorsitzender ganz herzlich bedanken.“ Gründungsanlass war im Jahr 2010 eine Erbschaft, die die Gemeinde gemacht hatte. Schnell war klar, dass die vererbten 175.000 Euro nachhaltig angelegt werden sollten. Das geschah mit Gründung der Stiftung.

Wegen der negativen Zinsentwicklung hatte sich die Idee erledigt, von den Zinserträgen, die anfangs bei etwa 6000 Euro jährlich lagen, Gutes zu tun. Bis heute sind die Zinserträge extrem niedrig. Also, erklärt Christoph Rind, wurde es wichtig, „Spielraum zu geben für Spenden“. Das hat bislang gut funktioniert. Auch wurde vor einem Jahr ein Förderverein gegründet, der inzwischen 37 Mitglieder hat. „Unser Ziel sind für dieses Jahr 50 Mitglieder“, sagt Eckhard Schlesselmann, stellvertretender Fördervereins-Vorsitzender. Mitglieder zahlen jährlich mindestens 50 Euro.

300.000 Euro Kapital brachten 1000 Euro Zinsen

Das Stiftungskapital liegt inzwischen bei gut 300.000 Euro. Zum Glück kommen aber jedes Jahr Spenden hinzu, die der Stiftung – gemeinsam mit dem Förderverein – die aktive Arbeit erst ermöglichen. 2019 kamen knapp 20.000 Euro zusammen. Zum Vergleich: Die Zinserträge fielen mit lediglich gut 1000 Euro mager aus.

Viel wichtiger aber ist, was die Bürgerstiftung an guten lokalen Projekten gefördert hat. Über sechs Jahre hat sie zum Beispiel den Einsatz einer Familienlotsin in Zusammenarbeit mit der Familienbildung Pinneberg unterstützt. Diese läuft 2020 aus, „weil der Bedarf nicht mehr so groß ist“, sagt Geschäftsführer Rind. Zweites Projekt: Die Identifizierung mit der eigenen Schule und damit der Zusammenhalt unter den Schülern kann auch durch Kleidung steigen. Deshalb hat die Stiftung für alle Erstklässler an den Rellinger Schulen T-Shirts mit dem jeweiligen Schulemblem spendiert.

Stiftung stemmt Projekte über Spendengelder

Auch das Umwelthaus wurde bedacht. Es hat einen Freiluftofen bekommen, der Verein Little Opera Geld für Notengutscheine, die Jugendfeuerwehr einen Spezial-Tischkicker, der in den neuen Bus passt. Die Stiftung kaufte Grundschülern Reflektorwesten, und ältere Menschen können dank der Stiftung am Kursus „Bewegung im Alter“ teilnehmen.

Zu den großen Posten der Bürgerstiftung zählen die Lesewoche 2019, die mit gut 5000 Euro zu Buche schlug, und die Anschaffung von 1000 Notfalldosen. Diese kosteten knapp 2000 Euro und sind das erste große Projekt des Fördervereins.

Rettungseinsätze mit grünen Dosen aus dem Kühlschrank

Die grünen Dosen, die alle medizinisch wichtigen Angaben über Personen enthalten, die in einem Haushalt leben, sind „sehr wichtig für einen effektiven Rettungseinsatz“, sagt Eckhard Schlesselmann vom Förderverein. Aufbewahrt wird die Dose im Kühlschrank, und ein Aufkleber an der Haustür weist Rettungskräfte darauf hin. Die Notfalldosen sind noch vorrätig im Rathaus und in den drei Apotheken entlang der Hauptstraße. Sie sind kostenfrei erhältlich, wobei Spenden willkommen sind.

Überdies will der Förderverein die Rellinger Senioren besser untereinander vernetzen. „Um helfen zu können“, so Schlesselmann. „Denn wir denken, dass es einen erheblichen Teil an Senioren gibt, die Hilfe brauchen.“