Uetersen

Humorvolle Gemälde aus dem wahren Leben

Die Prisdorfer Künstlerin Margret Lieser vor ihrem Gemälde „Zwiegespräch“ (2014) im Museum Langes Tannen in Uetersen. Ihre aktuelle Ausstellung ist dort bis zum 24. Mai zu sehen.

Die Prisdorfer Künstlerin Margret Lieser vor ihrem Gemälde „Zwiegespräch“ (2014) im Museum Langes Tannen in Uetersen. Ihre aktuelle Ausstellung ist dort bis zum 24. Mai zu sehen.

Foto: Joana Ekrutt

Die Prisdorfer Künstlerin Margret Lieser stellt ihre feinsinnigen Werke von Sonnabend, 29. Februar, an im Uetersener Museum Langes Tannen aus.

Uetersen. Bunte Farben, kräftige Pinselstriche, teils gesellige Motive und doch hängt eine gewisse Schwere über den Bildern der Künstlerin Margret Lieser. Ein flüchtiger Blick auf die Werke der Wahl-Prisdorferin reicht jedoch nicht, um diese Empfindung wahrzunehmen. Erst bei genauerer Betrachtung entfaltet sich die von der Künstlerin intendierte Doppeldeutigkeit. Dieser Aspekt spiegelt sich auch im aktuellen Ausstellungstitel: „Mit Humor und Hintersinn – Neue Bilder von Margret Lieser“, heißt die Schau, die von heute an bis zum 24. Mai im Museum Langes Tannen in Uetersen zu sehen ist.

Menschen in einem Café. Mit Handy, Laptop, Buch oder Kopfhörern. Jeder ist für sich. Keiner unterhält sich mit seinem Nachbarn. „Zwiegespräch“ hat Lieser dieses Werk genannt. Versteckte Gesellschaftskritik? „Ich habe es ganz gern, dass ein Hintergedanke dabei ist.“

Die Frau bügelt, während der Mann vor dem Fernseher hockt. Ein Mann mit Glatze, Springerstiefeln und Bulldogge blickt verloren drein. Ein diabolischer Puppenspieler schneidet eine seiner Marionetten ab – diejenige, die im wahrsten Sinne des Wortes aus der Reihe tanzt. In manchen Werken ist die Gesellschaftskritik nicht versteckt, sie springt einen geradezu an. Bei ihren Figuren bedient sich Lieser meist im Stereotypenfundus. Ihre Inspiration? Das echte Leben. „Dinge, die ich beobachte und höre, oder die ich im Fernsehen sehe“, sagt sie. „Das politische Geschehen, einfach Dinge, die mich bewegen.“

Margret Lieser spricht ruhig, wählt ihre Worte mit Bedacht. Ihre 78 Jahre merkt man ihr nicht an. In Hamburg geboren machte sie zunächst eine Ausbildung zur Technischen Zeichnerin. Später illustrierte sie Kinder-, Spiel- und Lern-Bücher. In Tornesch war sie als Dozentin für Aquarellmalerei tätig. Und ihre eigene Kunst? „Dafür war immer Zeit“, betont sie.

Seit 1985 lebt und arbeitet Lieser in Prisdorf. 2013 stellte sie bereits in Uetersen aus. In der aktuellen Ausstellung werden neue Werke gezeigt. „Sie war in den vergangenen Jahren sehr produktiv“, sagt Kuratorin Ute Harms. Eine Wandlung mache sie dabei im Œuvre der Künstlerin aus: „Früher hat sie viel figurativer gemalt. Jetzt sind es vermehrt Einzelporträts und Paare.“

Den Paaren ist in der Ausstellung eine eigene Wand gewidmet. Es sind die traurigen, aneinander vorbei lebenden. Euphorische, die nicht bemerken, dass hinter ihnen die Welt zusammenbricht. Und es sind einsame Seelen, die in der Zweisamkeit erhofften Trost suchen. Aber es sind auch die, die vermeintlich alles erreicht haben: „Ein Haus, ein Sohn, ein Baum“ (2011) transportiert diesen Gedanken. Im Hintergrund steigen Heißluftballons gen Himmel. Verpasste Chancen? „Die Bilder haben viele erzählerische Momente“, sagt Kuratorin Harms. Bei der Hängung habe sie auch in der Abfolge Geschichten erzählen wollen.

Die Künstlerin selbst sagt über ihre Bilder: „Es sehen alle etwas anderes darin. Das ist immer schön.“ Neben den vielschichtigen, interpretativen Ölgemälden gibt es aber auch einige rein humorige. „Spaßbilder“, sagt Lieser und lächelt. Am Ende verschwimmen jedoch auch in diesen Bildern die Grenzen leicht. Denn ob auf den ersten oder den zweiten Blick, Lieser weiß: „Jeder interpretiert die Bilder anders.“