Kreis Pinneberg

Einkaufen oder zum Arzt – Barmstedt plant Bürgerbus

Barmstedts Bürgermeisterin Heike Döpke lud Holger Jansen zur Vorstellung des Bürgerbus-Modells.

Barmstedts Bürgermeisterin Heike Döpke lud Holger Jansen zur Vorstellung des Bürgerbus-Modells.

Foto: Burkhard Fuchs

Das Angebot ist vor allem für Ältere interessant, die weder Auto noch Führerschein haben. Gemeinde Brande-Hörnerkirchen startet im Mai.

Barmstedt.  Für die älteren Bürger, die weder Auto noch Führerschein haben und schlecht zu Fuß sind, ist das ein Traum: Kostenlos zum Einkaufen, zum Arzt, zur Tochter oder zur Freundin und wieder zurück gefahren werden.

Dieses sogenannte „Bürgerbus“-Modell, das bislang 13 kleinere Kommunen im Land wie Kellinghusen, Bad Segeberg oder Medelby vornehmlich für ihre ältere Menschen eingeführt haben, wurde jetzt im Barmstedter Rathaus vorgestellt. Bislang ist der Kreis Pinneberg noch ein weißer Fleck beim Bürgerbusangebot. Am Dienstag, 3. März, berät der Sozialausschuss der Stadtvertretung darüber. Die Gemeinde Brande-Hörnerkirchen ist da schon weiter und wird ab Mai auf eigene Faust das „Höki-Mobil“ im Amtsbezirk fahren lassen, wie Bürgermeister Siegfried Winter ankündigt.

„Der Bürgerbus holt Sie direkt vor ihrer Haustür ab“, warb Holger Jansen im Barmstedter Rathaus für den Bürgerbus, den er und sein Kollege Ralph Hintz von der Agentur Landmobil bundesweit in 60 Städten und Gemeinden in sieben Bundesländern initiiert hätten, wie er erzählte. Sie berieten die Kommunen von Anfang bis Ende, bis der Fahrservice „von Bürgern für Bürger“ starten könne, was sich die Agentur mit etwa 25.000 Euro bezahlen lasse. Diese einmaligen Kosten ließen sich zu zwei Dritteln von der Aktiv-Region aus EU-Mitteln bezuschussen.

Dazu gehöre ein Rundum-Sorglos-Paket mit Werbung und Schulung der zwei bis drei Dutzend freiwilligen Helfer, die die Fahr- und Telefondienste zu organisieren und koordinieren haben. Auch bei der Suche nach dem richtigen Fahrzeug, meist ein geleaster Kleinbus mit acht Sitzen, helfe die Agentur. Jedes Fahrzeug werde mit Handy ausgerüstet, damit die Arzthelferin oder die Friseurin den Fahrer anrufen könne, sobald die alte Dame oder der alte Herr fertig sind und wieder nach Hause gebracht werden können. Ein Navigationsgerät im Bus sorgt für die richtige Orientierung.

Anders als bei einem Linienbus oder Taxi-Service würden alle Mitfahrer von der Haustür abgeholt, ihnen werde auch beim Einsteigen geholfen, sogar die vollen Einkaufstaschen könnten bis zur Haustür getragen werden, erklärte Jansen den freiwilligen Sozialdienst.

Wie dieser konkret in einem Amtsbezirk von sieben Gemeinden in Rheinland-Pfalz mit 13.500 Einwohnern, etwas größer als Barmstedt, ablaufe, erklärte Hintz. Dort fahre der Bürgerbus seit sieben Jahren ohne Probleme und mit wachsender Begeisterung der Helfer und Senioren. Durch freiwillige Spenden der Mitfahrer und Sponsoring seien dort die laufenden Kosten auf 6200 Euro im Jahr reduziert worden. 1942 Kunden hätten im vorigen Jahr 2488 Bürgerbus-Fahrten geordert.

Die Reaktionen der Politiker waren gemischt. Während sich die CDU skeptisch zeigte, befürwortete die BALL die Einführung dieses Angebots in Barmstedt. Bürgermeisterin Heike Döpke wies auf die mitverwaltete Gemeinde Brande-Hörnerkirchen hin, die ein eigenes Modell im Mai starten wolle, was Kooperationsmöglichkeiten in Aussicht stelle.

Das bestätigt Amtskollege Winter. Der von ihm geführte Verein „Kreuz und Quer“, der seit 25 Jahren die Jugendarbeit in der Gemeinde unterstütze, werde jetzt zunächst selbstständig Fahrer und Telefondienstler im Ort akquirieren.

Ein halbes Dutzend Helfer gebe es bereits für das „Höki-Mobil“, das dann ein Jahr lang als Pilotprojekt zweimal die Woche von 8 bis 16 Uhr innerhalb der vier Amtsgemeinden auf Spendenbasis und auf Kosten des Vereins fahren soll. Die anderen Tage soll das Mobil für Flüchtlings- und Jugendarbeit genutzt werden. Das Fahrzeug sei gespendet, so Winter. „Wir fahren die alten Leute zum Supermarkt und zu den Ärzten nach Barmstedt und wieder zurück.“

Wenn das Angebot gut angenommen werde, worauf er setze, möchte es Winter auf weitere Nachbarorte bis nach Elmshorn ausweiten. Dafür brauche er dann die Unterstützung der Bürgerbus-Agentur Landmobil mit ihrem Knowhow.