Kreis Pinneberg

9208 Menschen nutzten die „rasende Emma“

Mit kleinen Treppchen wurde der Einstieg in die „rasende Emma“, hier an der Startstation Uetersen, erleichtert.

Mit kleinen Treppchen wurde der Einstieg in die „rasende Emma“, hier an der Startstation Uetersen, erleichtert.

Foto: Chantale Rau / HA

Bis zum Unglück war der Testbetrieb ein Erfolg. Erstmals seit 1965 pendelte ein Triebwagen zwischen Uetersen und Tornesch.

Tornesch.  Betreiber und Politiker haben den neuntägigen Probebetrieb der „rasenden Emma“ als Erfolg bewertet, als das schwere Unglück vom Freitagabend noch nicht absehbar war.

9208 Menschen nutzten laut Eisenbahngesellschaft NEG das Angebot im Testzeitraum, der am Ende spontan um drei (kostenpflichtige) Fahrtage verlängert wurde. Kommunalpolitiker der CDU und der Grünen bewerteten den Probebetrieb weitgehend positiv, sehen aber auch Nachbesserungsbedarf.

Im Falle einer dauerhaften Nutzung müssten Signaltechnik und das Fahrzeug moderner sein, ist etwa die innerhalb der Tornescher CDU vorherrschende Meinung. So rollte für den Probebetrieb ein mit Diesel angetriebener Triebwagen, Baujahr 1994, über die Gleise. Die NEG hatte schon vor dem Testlauf angekündigt, dass bei dauerhafter Wiederaufnahme der Betrieb elektrisch werden würde.

Auch die genaue Strecke ist laut den Kommunalpolitikern verbesserungswürdig. „Die Bahn muss in Uetersen bis zum Hafen oder gar zum Buttermarkt fahren und auf der anderen Seite mindestens bis Pinneberg, wenn nicht sogar bis Hamburg“, sagt CDU-Fraktionssprecher Christopher Radon.

Den Wunsch nach mehr Stationen haben auch viele Passagiere bei Probefahrten geäußert. Bis 1965 ratterte der Personenverkehr – anders als im Testbetrieb – bis zum Hafen in Uetersen. Nach 55 Jahren hat sich der Siedlungsschwerpunkt aber verändert.

Auch Politiker der Grünen sehen bei der Streckenführung Verbesserungsbedarf. „Für die Städte kann die Schienenverbindung vor allem dann eine große Entlastung bieten, wenn die Umlandgemeinden und weitere Ortsteile in Uetersen angebunden werden“, heißt es in einer Erklärung des Kreisverbands.

Eine dauerhafte Reaktivierung hält die CDU Tornesch erst in fünf bis zehn Jahren für realistisch. Anders als die NEG, die einen ersten Pendelverkehr in zwei bis drei Jahren für umsetzbar hält und eine mögliche „Durchbindung“ nach Hamburg eigenem Bekunden nach sogar in fünf Jahren schaffen könne.

Die CDU schlägt zunächst eine Schnellbuslinie als kurzfristige Lösung vor. Sie könne etwa auf der B 431 über Buttermarkt, Ostbahnhof und Tornescher Weg bis zum Bahnhof Tornesch fahren. Alternativ sogar auf der bestehenden Bahntrasse – nach „einigen baulichen Maßnahmen“. „Der Bus fährt dann an jedem Stau vorbei und wird seinem Namen einer Schnellbus-Verbindung mehr als gerecht“, sagt Daniel Kölbl, CDU-Ortsvorsitzender und Kreistagsmitglied. Im kommenden Umweltausschuss in Tornesch wolle die CDU einen entsprechenden Antrag einbringen. „Langfristig ist unser Bestreben aber auch – vielleicht sogar ergänzend –, einen Bahnpendelbetrieb von Uetersen nach Hamburg zu realisieren.“

Die NEG wolle das ohnehin in die Planung einbeziehen, so Dewald. „Es ist nicht die Frage, ob Bus oder Bahn, sondern sowohl als auch.“ Die 2018 gutachterlich ermittelten 7,5 Millionen Euro Investitionskosten hält der NEG-Chef für „sehr großzügig“. Zumal 90 Prozent bezuschusst werden könnten. Das stimmt Ingo Dewald optimistisch: „Fahrplanwechsel Dezember 2022 wäre ein tolles Ziel.“