Pinneberg
Kreis Pinneberg

Bei Testbetrieb: Person in Tornesch unter Lok eingeklemmt

In Tornesch wurde am Freitag gegen 16.20 Uhr eine Person von dem NEG-Triebwagen überrollt.

In Tornesch wurde am Freitag gegen 16.20 Uhr eine Person von dem NEG-Triebwagen überrollt.

Foto: Florian Sprenger

Unfall am letzten Testtag: Mann schwebt nach schwieriger Bergung in Lebensgefahr. Hubschrauber brachte ihn ins UKE.

Tornesch. Schrecklicher Unfall in Tornesch: Dort ist am späten Freitagnachmittag ein Mann unter einen Triebwagen der NEG geraten, die derzeit einen Testbetrieb auf der Strecke zwischen Uetersen und Tornesch realisiert. Es war der letzte Tag des bereits einmal verlängerten Testbetriebs. Der 79 Jahre alte Tornescher konnte erst nach einer Stunde befreit werden, er schwebt in akuter Lebensgefahr.

Der Unfall ereignete sich gegen 16.20 Uhr an der Jürgen-Siemsen-Straße in Höhe Am Grevenberg, wo es einen Fußgängerüberweg über die Bahnstrecke gibt. Der Tornescher hatte den Durchlass durch den Zaun passiert und überquerte die Gleise, als ihn der in Richtung Tornesch fahrende Triebwagen erfasste. Trotz sofortiger Notbremsung wurde die Person überrollt und lag, als der Triebwagen zum Stillstand kam, unter dem ersten Drittel des Wagens.

Einsatzkräfte stellten Sichtschutzzaun auf

Sofort wurde ein Großeinsatz für Feuerwehr und Rettungsdienst in die Wege geleitet. Die Feuerwehr Tornesch rückte mit 40 Kräften zum Einsatzort aus, die Leitstelle schickte drei Rettungswagen und ein Notarzteinsatzfahrzeug zum Unglücksort. Auch der in Hamburg stationierte Rettungshubschrauber Christoph 29 wurde angefordert, der Leitende Notarzt sowie der Organisatorische Leiter des Rettungsdienstes kamen zur Unfallstelle. Auch die Polizei war mit mehreren Fahrzeugen vor Ort, die Haupteinfallstraße wurde sofort abgeriegelt. Weil unzählige Gaffer den Einsatz beobachteten, stellte die Feuerwehr einen mobilen Sichtschutzzaun auf, um die Rettungs- und Bergungsarbeiten vor neugierigen Blicken zu schützen.

Die Bergung des unter dem Triebwagen eingeklemmten Mannes, der noch bei Bewusstsein war, gestaltete sich schwierig. „Die Lok wiegt 54 Tonnen, da sind wir mit den Mitteln einer Feuerwehr schnell am Ende“, so Feuerwehrsprecher Torben Fehrs. Man habe sich zunächst auf der Versorgung des eingeklemmten Patienten konzentriert und das Technische Hilfswerk (THW) aus Pinneberg sowie Barmstedt angefordert, um den Triebwagen anheben zu können.

Mann wurde mit Hubschrauber in Klinik gebracht

Weil sich der Zustand der Person dramatisch verschlechtert habe, sei dann versucht worden, den Triebwagen mit einer Seilwinde wegzubewegen. Zusätzlich packten Feuerwehrleute als Anschieber mit an. Mit vereinten Kräften gelang es nach etwa eine Stunde, den Triebwagen nach hinten zu schieben und den eingeklemmten Mann zu befreien. Er wurde sofort zum bereitstehenden Rettungshubschrauber gebracht und in die Uniklinik Eppendorf (UKE) geflogen. Ob er überleben wird, ist noch ungewiss.

In dem Triebwagen befanden sich 26 Personen sowie der Triebwagenführer. Sie wurden aus dem Waggon geleitet und alle von den Mitarbeitern des Rettungsdienstes befragt. Laut Feuerwehrsprecher Torben Fehrs wollte keiner der Passagiere eine ärztliche Behandlung in Anspruch nehmen, auch der Triebwagenführer habe darauf verzichtet.

Unfall ereignete sich am letzten Tag des Testbetriebs

Sofort nach der Bergung des Mannes begannen die Polizisten mit der Ursachenforschung. Der Fußgängerüberweg ist mit einem Andreaskreuz gesichert, Schranken gibt es keine. Die Strecke ist nicht stärker gesichert, da es normalerweise keinen regelmäßigen Fahrbetrieb außer einigen Gütertransporten gibt.

Der Testbetrieb zur möglichen Reaktivierung der Strecke hatte am 20. Februar begonnen und sollte sechs Tage bis zum Dienstag dauern. Er wurde dann noch einmal um drei Tage verlängert – bis einschließlich Freitag, als sich der Unfall ereignete. Die Polizei geht davon aus, dass der 79-Jährige den aus Richtung Uetersen mit langsamem Tempo herannahenden Triebwagen gesehen hat, jedoch noch die Gleise überqueren wollte und nicht schnell genug war. Der Triebwagenführer soll den Mann noch per Hupsignal gewarnt und dann die Vollbremsung eingeleitet haben.