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Razzia: Schleuserspur führt bis nach Elmshorn – Festnahme

An den Durchsuchungsaktionen waren auch Beamte des Zolls beteiligt (Symbolbild).

An den Durchsuchungsaktionen waren auch Beamte des Zolls beteiligt (Symbolbild).

Foto: Arno Burgi / picture alliance / dpa / ZB

Durchsuchungen in zwölf norddeutschen Städten. Objekte in Elmshorn im Fokus der Ermittler. Welchen Verdacht sie haben.

Elmshorn.  Der konzertierte Einsatz begann um 12 Uhr mittags. Mehrere Restaurants und Büros in Elmshorn, in Hamburg, in Neumünster und in zehn anderen Städten sind am Mittwoch bei einer groß angelegten Razzia durchsucht worden. Nach Polizeiangaben filzten 175 Ermittler insgesamt 28 Objekte in ganz Norddeutschland, ein Mann kam in Haft.

Unterschiedliche Ermittlungsbehörden bis hin zu Europol gingen dabei dem Verdacht eines organisierten Schleuserrings nach. Die Ermittlungen der federführenden Staatsanwaltschaft Itzehoe richteten sich gegen mehrere Personen. Es gebe Verbindungen in zahlreiche andere europäische Länder. Vor allem illegale Scheinehen standen im Fokus der Ermittlungen. „Dabei gab es Erkenntnisse, die wir uns erhofft hatten“, sagte ein Polizeisprecher dem Abendblatt am späten Mittwochabend.

Es geht um Scheinehen

„Gegenstand der Verfahren war in allen Fällen die Schleusungskriminalität mit gewerbsmäßiger Urkundenfälschung von Personaldokumenten und dem Eingehen von Scheinehen“, so die Polizei. Der Einsatz sei das Ergebnis von Ermittlungen, die bis 2018 zurückreichen und europaweit geführt wurden. Polizeibehörden in Griechenland und Spanien sowie Europol hatten schon im Juli 2019 in Griechenland sowie im Februar in Spanien Durchsuchungen umgesetzt.

In Elmshorn, Neumünster, Bad Bramstedt, Bad Segeberg, Bad Oldesloe und Horst sowie in Hamburg und Niedersachsen wurden nun weitere 28 Privat- und Gewerbeobjekte durchsucht. Gegen einen 44 Jahre alten indischen Hauptverdächtigen konnte ein Haftbefehl wegen Fluchtgefahr vollstreckt werden. Zudem beschlagnahmten die Ermittler Bargeld „im mittleren fünfstelligen Bereich“ sowie Datenträger, Dokumente und Papiere. In zwei Fällen bestätigte der Verdacht des illegalen Aufenthalts.

Neben der schleswig-holsteinischen Polizei waren Beamte des Zolls, des Landeskriminalamtes Hamburg, der Polizei Niedersachsen, der Bundespolizei und Europol bis in den späten Abend in die Durchsuchungen eingebunden.

Pizzaservice im Fokus der Ermittler

Am Flamweg in Elmshorn etwa herrschte am Nachmittag schon die Ruhe nach dem Sturm. In einer kleinen Ladenzeile hinter einem Parkplatz liegt die Filiale eines Pizzalieferdienstes. Für die Fahnder ein potenzieller Tatort. Sie sind hier mit mehreren Streifenwagen vorgefahren. „Acht Mann“, sagt der Mann hinterm Tresen, der noch etwas aufgeregt wirkt. Das Telefon klingelt, er hebt ab. „Ja. Klein, mittel oder groß? Abholen oder liefern lassen? Okay. Adresse? Ist in 20 Minuten bei Ihnen.“

Das Geschäft muss weitergehen, als wenn nichts gewesen wäre. Hinten im Laden holt ein Kollege frische Backwaren aus dem Ofen. Es duftet nach überbackenem Käse. Ein Schleuserring? Hier?

„Die Beamten haben gesagt, dass sie nach illegal Beschäftigten suchen“, erzählt der Mann. „Und dass das Ganze auch mit illegaler Einwanderung und Schleusern zu tun haben soll.“ Ob sie bei ihm denn fündig geworden sind? „Nein“, sagt er und wirkt nun beinahe etwas stolz. „So was machen wir nicht.“ Dann zeigt er auf den Computer und das Kassensystem neben dem Telefon. „Das ginge auch gar nicht. Dafür wird bei uns alles viel zu genau erfasst.“

Im Grundsatz geht es bei den Verbrechen um Vermählungen von EU-Bürgern mit nicht Aufenthaltsberechtigten, die allein dem Zweck dienen, den Ausreisepflichtigen ein Bleiberecht zu verschaffen. Eine solche Bande steht derzeit etwa in Stuttgart vor Gericht. Dort sollen Dutzende Scheinehen arrangiert worden sein, um vor allem Indern die Möglichkeit zu verschaffen, dauerhaft in Deutschland zu bleiben. Angeklagt sind acht Männer aus Indien und Deutschland. Laut Staatsanwaltschaft haben die Männer im Alter zwischen 34 und 60 Jahren zwischen Juni 2014 und Mai 2019 mindestens 39 illegale Eheschließungen organisiert, vorwiegend mit bulgarischen oder griechischen Frauen. Der illegale Gewinn liegt bei bis zu 25.000 Euro.