Urteil

Fünf Jahre Haft und Therapie für Messerstecher von Barmstedt

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Das Landgericht Itzehoe. Dort ist der Fall verhandelt worden,.

Das Landgericht Itzehoe. Dort ist der Fall verhandelt worden,.

Foto: Bodo Marks / dpa

Marek K., der in Barmstedt einen Nebenbuhler lebensgefährlich verletzt hat, ist des versuchten Totschlags schuldig.

Barmstedt/Itzehoe.  Schon als zwei Justizbeamte Marek K. am Dienstag in Handschellen in den großen Saal des Landgerichts Itzehoe führen, wirkt der 24-Jährige in sich gekehrt und niedergeschlagen. Als ob er ahnt, was gleich kommen wird. Wegen versuchten Totschlags spricht ihn die Schwurgerichtskammer schuldig – und verurteilt den Barmstedter zu fünf Jahren Haft. Der blickt während der Urteilsbegründung starr auf den Tisch, reibt sich die Augen.

Mit dem Urteil am elften Verhandlungstag setzt die Kammer einen Schlussstrich unter einen Beziehungsstreit, der am 22. April 2019 in Barmstedt vollkommen eskaliert war und der Leo M. (22) um ein Haar das Leben gekostet hat. „Jeder der vier Messerstiche war potenziell tödlich“, hielt Richterin Isabel Hildebrandt dem Angeklagten vor, der seit der Tat in Untersuchungshaft sitzt.

Eifersüchtig auf Begleiter der Ex-Freundin gewesen

Dieser habe „das Ende der Beziehung zu seiner Freundin nicht wahrhaben wollen“ und sei eifersüchtig auf Leo M. gewesen, weil er ihm eine sexuelle Beziehung mit Regina S. (19) unterstellt habe. Das Opfer hatte die Ex-Freundin des Angeklagten – beide hatten sich viereinhalb Monate vor dem Messerangriff getrennt, wohnten aber noch zusammen – einen Tag vor der Attacke an einer Tankstelle kennengelernt und am Tatabend gemeinsam mit einem Freund in eben dieser Wohnung besucht.

„Es bestand eine Absprache, dass keiner der Bewohner neue Liebhaber mitbringen durfte“, sagte die Richterin. Marek K. sei gegen 4.30 Uhr an diesem Ostermontag stark angetrunken von einer Scheunenfete nach Hause zurückgekehrt und sei überrascht sowie verärgert gewesen, dort neben seiner Ex-Freundin auch Leo M. und dessen Freund vorzufinden. Hildebrandt: „Die Lage ist dann schnell eskaliert.“ Nach den ersten Beleidigungen, die vom Angeklagten ausgingen, hätten die beiden Männer sowie Regina S. die Wohnung verlassen.

Messerklinge war 20 Zentimeter lang

Marek K. sei dem Trio auf den Parkplatz der Wohnanlage gefolgt und habe die beiden Männer weiter provoziert. Daraufhin habe Leo M. den Angeklagten überwältigt und am Boden fixiert. Dieser habe diese Schmach nicht verwinden können, sei zurück in die Wohnung gegangen und nach kurzer Zeit mit einem Brotmesser mit einer Klingenlänge von 20 Zentimetern zurückgekehrt. „Ohne das Messer zu verbergen, ist der Angeklagte auf das Trio zugelaufen und hat sich auf das Opfer gestürzt“, so die Richterin. Leo M. habe zwei Stiche in den Unterleib und je einen in die linke Leiste und den linken Oberschenkel erhalten. „Ohne schnelle ärztliche Behandlung wäre innerhalb weniger Stunden infolge des Blutverlustes der Tod eingetreten.“

Marek K. habe zielgerichtet und mit Tötungsvorsatz gehandelt. Seine Version, er habe das Messer nur zur Verteidigung geholt und dann nur in ungefährliche Körperregionen stechen wollen, bezeichnete Hildebrandt als unglaubwürdig. Der Angeklagte habe scheibchenweise ausgesagt und seine Einlassung dem Prozessverlauf angepasst. Die Verteidiger hätten „noch so abseitige Geschehensabläufe präsentiert“ wie etwa die Vermutung, das Opfer habe sich die Stiche auch selbst beibringen können.

Zur Tatzeit 2,61 Promille gehabt

Laut der Kammer war Marek K. aufgrund seines Blutalkoholwerts von 2,61 Promille einsichtsfähig, jedoch nur eingeschränkt steuerungsfähig. Weil bei ihm ein Hang zum übermäßigen Alkoholkonsum bestehe und in gleichartigen Situationen weitere schwere Straftaten zu erwarten wären, verfügten die Richter die Einweisung des 24-Jährigen in eine Entziehungsanstalt. „Eine Therapie hat Aussicht auf Erfolg“, so Hildebrandt.

Sollte der Angeklagte das Urteil annehmen, könne er sofort die Therapie antreten und bei guter Führung nach zwei Jahren entlassen werden. Nach Abendblatt-Informationen wollen die Verteidiger, die eine Bewährungsstrafe gefordert hatten, Marek K. zu diesem Schritt raten. Staatsanwältin Maxi Wantzen, die sechs Jahre Haft beantragt hatte, ist mit der Höhe der Strafe zufrieden. Die Einweisung für eine Therapie hält sie rechtlich für bedenklich und überlegt daher, Revision einzulegen.

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