Pinneberg
Elmshorn

Biedermann lässt Brandstifter ins eigene Haus

Wer den Brandstifter (Kai Göhring, r.) ins Haus und gewähren lässt, obwohl die Andeutungen eindeutig sind, darf sich als Biedermann (Ralf Skala, l.) nicht wundern, wenn plötzlich alles aus dem Ruder läuft.

Wer den Brandstifter (Kai Göhring, r.) ins Haus und gewähren lässt, obwohl die Andeutungen eindeutig sind, darf sich als Biedermann (Ralf Skala, l.) nicht wundern, wenn plötzlich alles aus dem Ruder läuft.

Foto: Thomas Pöhlsen

Die Elmshorner Dittchenbühne spielt das klassische Drama des Schweizers Max Frisch – und thematisiert damit den Rechtsextremismus von heute.

Elmshorn. „Es gibt aktuell viele Gründe, dieses Stück zu spielen“, sagt Regisseur Klaus Falkenhausen. Und listet den Terrorakt von Hanau, den Angriff auf eine Synagoge in Halle, den Mord an dem Regierungspräsidenten Walter Lübcke auf. Der Aufstieg der AfD sowie politische Entwicklungen in den USA und der Türkei sind für ihn ebenfalls höchst besorgniserregend. Deswegen hat die Dittchenbühne des Forum Baltikum das Drama „Biedermann und die Brandstifter“ von Max Frisch auf den Spielplan gehoben.

In dem Stück lässt ein Bürger zwei Brandstifter in sein Haus, obwohl von Anfang an klar ist, dass sie sein Haus anzünden werden. Mit dem Theaterstück hatte sich Frisch als Dramatiker von Weltrang etabliert.

Das Stück hat eine wechselvolle Rezeption erlebt, erklärt Raimar Neufeldt, Vorsitzender des Forum Baltikum. Als Prosaskizze 1948 veröffentlicht, wird es von vielen als Kommentar zur Machtergreifung der Kommunisten in der damaligen Tschechoslowakei gewertet. Aus dem Stoff macht Frisch ein 1953 erstmals ausgestrahltes Hörspiel, dem im Frühjahr 1958 eine Theaterfassung folgt.

Der Schweizer ist aber unzufrieden mit der Rezeption und verfasst für die erste Aufführung in Deutschland im Herbst 1958 ein Nachspiel. Dieser Zusatz legt den Bezug zur Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland unter Adolf Hitler nahe. Der Biedermann wird als ein Beispiel für Gutgläubigkeit, Bequemlichkeit, Feigheit sowie mangelnde Weitsicht vieler Deutscher gesehen, die den Nationalsozialismus unterstützten, aktiv oder passiv.

Wenn der Regisseur die Nähe des Stoffes zu aktuellen politischen Entwicklungen sieht, so will er doch keine moderne Inszenierung daraus machen. Ein gegen den Strich gebürstetes Theaterwerk müsse also niemand fürchten. Der Text wird klassisch auf die Bühne der semiprofessionellen Schauspieltruppe gebracht. Falkhausen sei eben „eher ein Traditionalist“.

2004 inszenierte Falkhausen erstmals in Elmshorn. Seine schauspielerische Heimat ist das Altonaer Theater. Zudem arbeitet er als Bereichsleiter und Dozent für den Bereich Schauspiel an der StageArt Musical School Hamburg. Von der Musicalschule bringt Falkhausen oft junge Bühneneleven mit nach Elmshorn. Sie können erstmals Bühnenluft schnuppern und lernen, mit dem Druck der Theaterarbeit umzugehen. Zudem verstärken die Schauspielschüler die Truppe, die im Wesentlichen aus altgedienten Akteuren der Dittchenbühne besteht.

Im Sommer spielen die Elmshorner meist mundartliche Stücke, die die ostpreußische Herkunft spiegeln. Es steht 2020 „Wann brennt Coppernikus?“, ein Schauspiel von Raimar Neufeldt nach Joachim Tode an. Für das Winterstück macht Falkhausen Vorschläge. Aus den Vorschlägen wählen die Theaterleute das Stück aus, das sie spielen wollen.