Hochseeinsel

Ziel Helgoland: Neuer Direktflug aus Hamburgs Umland startet

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Nico Binde
Der Flughafen auf der Düne der Hochseeinsel Helgoland hat drei kurze Start- und Landebahnen. Die Piloten der OFD brauchen eine extra Lizenz für den An- und Abflug.

Der Flughafen auf der Düne der Hochseeinsel Helgoland hat drei kurze Start- und Landebahnen. Die Piloten der OFD brauchen eine extra Lizenz für den An- und Abflug.

Foto: Marcus Brandt / picture alliance / dpa

Nach acht Jahren Pause gibt es bald wieder regelmäßige Flüge vom Kreis-Pinneberger Festland auf die Insel. Die Details.

Heist/Helgoland. Eine zweimotorige Maschine, neun Passagiere, erster Start am 1. April: Das ist der Plan für eine neue Linienflugverbindung zwischen Heist und Helgoland. Die neue Strecke soll dreimal pro Woche angeboten werden und wird in der kommenden Woche vorgestellt. Das Abendblatt hat vorab erfahren, was genau geplant ist.

Demnach will der Ostfriesische Flug Dienst (OFD), eine Airline mit Sitz in Emden, den 2012 eingestellten Linienbetrieb vom Flugplatz Uetersen-Heist nach Helgoland wieder aufnehmen. Das bedeutet: Künftig soll eine Maschine vom Typ Britten-Norman BN-2 Islander montags, freitags und sonntags den Kreis Pinneberg mit seinem Außenposten in der Nordsee verbinden. Preis für eine Strecke: 159 Euro.

„Wir wollen diese Strecke etwas mehr als ein halbes Jahr lang testen“, sagt Claudio Schrock-Opitz, kaufmännischer Leiter des OFD, auf Abendblatt-Anfrage. „Wenn das Angebot gut angenommen wird, können wir uns vorstellen, den Flugplan im kommenden Jahr auszubauen.“ Bisher fliegt OFD schon ab Heide und Cuxhaven auf Deutschlands einzige Hochseeinsel.

Halunder Jet nach Helgoland in Wedel gestrichen

Das neue Angebot vom Flugplatz Uetersen-Heist richte sich vor allem an Helgoland-Liebhaber aus Hamburg und dem Kreis Pinneberg. Dabei haben die neuen Betreiber auch die neuerdings fehlende Wasseranbindung des Kreises im Blick. Denn bekanntlich ist zur neuen Saison der Halt des Halunder Jets in Wedel von der Fährgesellschaft FRS gestrichen worden. Zu unrentabel, hieß es. Einerseits. Andererseits klafft damit nun eine Verbindungslücke zur Insel, die zum Pinneberger Hoheitsgebiet zählt.

Mit der Aufnahme des neuen Linienflugbetriebs aus dem Kreis Pinneberg reaktiviert die ostfriesische Airline einen seit acht Jahren fehlenden Direktflug. Vom Jahr 2005 an hatte die Air Hamburg ähnliche Inselflüge im Liniendienst ab Uetersen-Heist angeboten. Außer Helgoland steuerten die ein- und zweimotorigen Flugzeuge seinerzeit auch Sylt, Juist und Norderney von unterschiedlichen Flugplätzen aus an. Im Kreis Pinneberg wurde der Linienbetrieb im Oktober 2012 eingestellt.

An Flugtagen starten und enden die Flüge auf der Insel

Nun, im Frühjahr 2020, wagt ein anderes Unternehmen das Abenteuer „Insellinie“. An den Flugtagen sollen die Maschinen mit maximal neun Passagieren plus Pilot jeweils um 11.55 Uhr auf Helgoland starten und um 12.55 Uhr auf dem Festland im Kreis Pinneberg landen. Um 13.25 Uhr heben die zweimotorigen Spezialmaschinen wiederum in Uetersen-Heist ab, um eine Stunde später auf Helgolands Düne aufzusetzen. Der Flugplan sehe pro Tag einen sogenannten „Umlauf“ vor. Das bedeutet: Die Flüge starten und enden auf Helgoland. Einen Rückflug von der Insel gibt es folglich erst am nächsten Flugtag.

Der „Testballon“, wie Claudio Schrock-Opitz das neue Angebot nennt, hat die Flugnummern OFD 700 (ab Helgoland) und OFD 701 (ab Uetersen). „Wir planen zunächst mit One-Way-Preisen von 159 Euro.“ In Kürze sollen die ersten Flüge über die Internetseite des Unternehmens gebucht werden können. „Wir halten das für eine sinnvolle Ergänzung des Tourismusangebots auf der Insel“, sagt Schrock-Opitz. Da er gleichzeitig Geschäftsführer der Betreiberfirma des dortigen Flugplatzes, der Helgoland AirService GmbH, ist, darf er als ausgewiesener Inselkenner gelten.

Weil die drei Landebahnen auf Helgoland mit maximal 500 Metern bekanntlich sehr kurz sind, kämen im Linienbetrieb der OFD nur erfahrene Inselpiloten zum Einsatz. Piloten, die den Flugplatz auf dem Eiland in der Nordsee anfliegen wollen, müssen eine Mindestflugerfahrung von 100 Stunden und Fähigkeiten auf kurzen Runways nachweisen. Da auf der Düne keine Überrollflächen vorhanden sind, verzeiht der Flugplatz kaum Fehler. „Unsere Piloten haben alle notwendigen Lizenzen, sie kennen das“, sagt Schrock-Opitz.

Ziel ist es, 100 Passagiere pro Monat zu befördern

Zudem habe das Unternehmen mit den zweimotorigen Britten-Norman BN-2 Islander insgesamt fünf Flugzeuge, die ideal für diesen Inselshuttle seien. „Auch bei strammen Crosswinden und schwierigen Bedingungen können diese Maschinen jederzeit sicher auf der Düne landen“, sagt Schrock-Opitz. Wie hoch die Auslastung der Flüge sein muss, um wirtschaftlich zu arbeiten und die Strecke profitabel zu gestalten, ist Betriebsgeheimnis. „Aber als Ziel haben wir uns gesetzt, etwa 100 Passagiere pro Monat zu befördern“, so der kaufmännische Leiter des OFD.

Als die Air Hamburg als Vorgängeranbieter auf dieser Strecke mit den Inselflügen von Uetersen aus begonnen hatte, beförderte das Unternehmen laut eigenen Aussagen zunächst 2000 Fluggäste pro Jahr. 2007 waren es bereits 8000 Menschen. Damals hoben die Flugzeuge des Unternehmens allerdings auch ganzjährig ab. Von den 8000 Passagieren, so ein Unternehmenssprecher damals, flogen etwa 40 Prozent nach Helgoland, 25 Prozent nach Sylt.

Die Tradition, im Flugverkehr zu den Nordseeinseln zu gelangen, ist jahrzehntelang. Seit jeher schätzen gut betuchte, bequeme, wenig seefeste oder abenteuerlustige Inselbesucher den schnellen Anflug. Günstig war dieser Service jedoch nie. Schon vor mehr als zehn Jahren betrug der reguläre Flugpreis pro Strecke zwischen 100 und 150 Euro.

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