Pinneberg
Elmshorn/Itzehoe

Kuhfuß-Angreifer von Elmshorn muss in Psychiatrie

Das Langericht in Itzehoe.

Das Langericht in Itzehoe.

Foto: Bodo Marks / dpa

„Absolut gefährlich“: Landgericht hält Krystian K. für Bedrohung der Allgemeinheit. Wegen Wahnvorstellungen wird er in die Forensik eingewiesen

Elmshorn/Itzehoe. Er hält sich mal für den Messias, mal für Gott, mal auch für einen Menschen: Krystian K., der in Elmshorn bei zwei körperlichen Übergriffen mehrere Personen mit einem Messer und einem Kuhfuß schwer verletzt hat, wird auf Dauer in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen. Das verfügte am Freitag die 13. Strafkammer des Landgerichts Itzehoe. „Sie sind für die Allgemeinheit absolut gefährlich“, so der Vorsitzende Richter Werner Hinz.

Dass Krystian K. (24) so etwas wie eine tickende Zeitbombe ist, hatte zuvor der vom Gericht bestellte psychiatrische Sachverständige Hubert Kuhs bekundet. Er hatte den Polen, der seit Anfang Dezember vorläufig in einer Psychiatrie untergebracht war, untersucht und ihm eine paranoide Psychose mit schizophrener Ausprägung bescheinigt. In gleichartigen Situationen werde Krystian K. erneut zu gewaltsamen Mitteln greifen, er sei daher als gefährlich für die Allgemeinheit einzustufen.

Angeklagt waren zwei Taten. Am 26. April 2016 sollen der Angeklagte und ein Komplize gewaltsam in die Wohnung eines Bekannten eingedrungen sein, um Schulden einzutreiben und die Freundin des Mannes dazu zu bewegen, eine Strafanzeige zurückzuziehen. Die Situation eskalierte derart, dass Krystian K. mit einem mitgebrachten Kuhfuß auf beide Personen eingedroschen haben soll.

Für diesen Vorfall äußerte der Sachverständige Zweifel, dass die Erkrankung des Angeklagten Einfluss auf sein Verhalten hatte. Er wollte dies jedoch auch nicht ausdrücklich ausschließen. Beim zweiten Vorfall, der sich am 17. Februar 2017 in Hainholz auf offener Straße abspielte, war sich Kuhs dagegen sicher. Als Krystian K. einen Bekannten angriff und diesen sowie einen Freund, der schlichtend eingreifen wollte, mit einem Messer attackierte und erheblich verletzte, befand er sich im Wahnzustand.

Staatsanwältin Plate schloss sich in den meisten Punkten der Auffassung des Sachverständigen an. Sie forderte einen Freispruch in beiden Anklagepunkten wegen erwiesener Schuldunfähigkeit und eine dauerhafte Unterbringung im Maßregelvollzug. Zu einer ganz anderen Einschätzung kam Verteidiger Jens Hummel. Er sah zwar auch die Schuldunfähigkeit seines Mandanten als gegeben, jedoch die Bedingungen für eine Einweisung in die Psychiatrie für nicht erfüllt an und will nun Revision einlegen.

Eine Freilassung des Angeklagten kam für die Richter jedoch nicht in Frage. Im Gegensatz zu Staatsanwältin und Verteidiger gingen sie davon aus, dass der 24-Jährige bei der ersten Tat Ende April 2016 voll schuldfähig war. Sie werteten den Überfall in der Wohnung als zweifache gefährliche Körperverletzung, Nötigung und Diebstahl. „Sie haben eines der Opfer mit dem Kuhfuß ordentlich vermöbelt“, hielt Richter Hinz dem Angeklagten vor.

Der Bewohner habe eine Milzruptur erlitten, sodass das Organ später operativ entfernt werden musste. Er hätte ohne schnelle ärztliche Versorgung an seinen inneren Verletzungen auch sterben können. Die Freundin des Mannes, die der Angeklagte mit Reizgas und dem Kuhfuß traktierte, habe in dieser Situation „Todesangst gehabt“.

Die beiden Opfer, die aus dem Trinkermilieu stammen, hätten keinerlei Belastungstendenzen erkennen lassen. Die Frau habe bei ihrer polizeilichen Aussage auch nur einen geringen Promillewert aufgewiesen. Der Mann habe zwar den Abschluss seiner Entgiftung mit Bacardi gefeiert (Hinz: „Das ist nicht gerade zweckmäßig“), es ändere jedoch nichts „am Gehalt seiner Aussage“. Für den Überfall verurteilte die Kammer Krystian K. zu einem Jahr und neun Monaten Haft – ohne Bewährung. Hinz: „Wir haben keine günstige Sozialprognose“. Allerdings habe der Angeklagte bis zum Wechsel in die Psychiatrie bereits sechs Monate in Untersuchungshaft gesessen, so dass ein Teil schon verwirkt sei.

Für die zweite Tat im Februar 2017 erkannten die Richter auf Freispruch, weil der 24-Jährige bei dem Messerangriff „im wahnhaften Zustand“ gehandelt habe. So habe Krystian K. dem Sachverständigen gegenüber angegeben, er habe das Opfer angegriffen, weil es ein Vergewaltiger gewesen sei. „Sie wollen in seinen Augen gesehen haben, dass er kürzlich ein junges Mädchen vergewaltigt hat“, so Hinz. Den Angriff auf den Freund und Schlichter habe er damit begründet, dass dieser ihn mit unbekannten Methoden dazu verleiten würde, Straftaten zu begehen.

Der 24-Jährige habe auch zugegeben, von außerirdischen Mächten fremdgesteuert zu werden. Er bedürfe sofort einer psychiatrischen Versorgung. Hinz: „Ihre Erkrankung ist behandlungsfähig. Es muss sichergestellt sein, dass sie ihre Medikation einnehmen und sich einer Nachbehandlung unterziehen. Das muss nicht ewig dauern.“