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Messerstecherei – Opfer reist zum Prozess nicht aus Polen an

Während der Angeklagte in U-Haft sitzt, reiste das Opfer im Messerstecherprozess von Elmshorn nicht zur Verhandlung an, um als Zeuge auszusagen.

Während der Angeklagte in U-Haft sitzt, reiste das Opfer im Messerstecherprozess von Elmshorn nicht zur Verhandlung an, um als Zeuge auszusagen.

Foto: (Symbolbild) Thomas Frey / dpa

Schon zum zweiten Mal bleibt das Opfer der Verhandlung unentschuldigt fern. Dabei gilt der Pole als Hauptbelastungszeuge.

Elmshorn.  Er ist nicht erschienen. Dawid K., der in Polen vermutete Hauptzeuge und mutmaßliches Opfer im Messerstecher-Prozess gegen seinen Landsmann Krystian K. vor dem Landgericht Itzehoe, glänzte einmal mehr mit Abwesenheit. „Wir haben den Zeugen zum zweiten Mal ordnungsgemäß geladen“, stellte Richter Werner Hinz am Dienstag etwas ernüchtert fest.

Bereits bei der ersten Ladung Ende Januar war Dawid K., der von dem Angeklagten am 17. Februar 2017 in Elmshorn auf offener Straße mit einem Messer attackiert und schwer verletzt worden sein soll, dem Prozess ferngeblieben. Damals erfuhr die Kammer jedoch von der Ex-Frau des Zeugen, dass dieser sich derzeit bei seiner Oma im polnischen Badeort Misdroy aufhalten soll. Dorthin ging nun neben der deutschen Anschrift des Mannes die zweite Ladung. Darauf reagiert hat der Zeuge nicht.

Richter sind hilflos

Den Richtern sind nun die Hände gebunden. In juristischen Belangen ist die Souveränität anderer Staaten zu wahren. Der polnische Zeuge, der sich in seinem Heimatland aufhält, kann dort nicht aufgegriffen und zum deutschen Gericht gebracht werden, weil völkerrechtlich Zwangs- und Beugemaßnahmen im Ausland nicht erlaubt sind.

Das Gericht behalf sich mit der Aussage von Uwe Brümmer, dem heutigen Chef der Kripo Norderstedt. Zur Tatzeit Anfang 2017 war er Vize-Chef der Kripo Elmshorn und hatte das nun untergetauchte Opfer sowie weitere Beteiligte vernommen. Als „mittelprächtig“ bezeichnete Brümmer seine Erinnerung an die Vernehmung, die mehr als drei Jahre zurückliegt. Er habe das Protokoll nochmals vor dem Gerichtstermin überflogen, so der Zeuge, dem von Seiten des Gerichts durch gezielte Vorhalte sein Erinnerungsvermögen aufgefrischt wurde.

Kripo-Vizechef erinnert sich „mittelprächtig“

Und so erzählte Brümmer, dass sich am Tag der Tat mehrere Personen in einer Wohnung im Stadtteil Hainholz zum Feiern getroffen haben. Darunter der Angeklagte – und eben Dawid K., die zu diesem Zeitpunkt gute Bekannte waren. Auch zwei Frauen und ein weiterer Mann seien anwesend gewesen. Mehrere dieser Personen seien dann losmarschiert, um Alkoholnachschub zu kaufen. Krystian K. sei in der Wohnung zurückgeblieben, dann jedoch der Gruppe hinterhergelaufen.

Er habe sich unvermittelt auf Dawid K. gestürzt, diesen auf Polnisch beleidigt und ins Gesicht geschlagen. Als das Opfer sich wehrte, sei es vom Angeklagten offenbar mit einem Messer attackiert und erheblich an der linken Flanke sowie im Gesicht verletzt worden. Auch ein weiteres Mitglied der Gruppe, das den Streit schlichten wollte, sei mit dem Messer attackiert und verletzt worden.

Professor Hubert Kuhs hörte diesen Ausführungen aufmerksam zu. Er soll ein Gutachten zur Frage liefern, ob Krystian K. ein Fall für die dauerhafte Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie ist. Dem erst im Juli 2019 verhafteten Angeklagten werden zwei gewaltsame Attacken auf Personen in Elmshorn aus 2016 und 2017 vorgeworfen. Angeklagt ist unter anderem gefährliche Körperverletzung. Das Gericht will das Verfahren am Freitag abschließen.