Pinneberg
Kreis Pinneberg

Kita-Reform in der Kritik: Entlastung oder Kostenbremse?

Spielzeug liegt in einer Kindertagesstätte auf dem Boden (Symbolbild).

Spielzeug liegt in einer Kindertagesstätte auf dem Boden (Symbolbild).

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Eltern sparen, Kommunen zahlen mehr. Kritik an sinkenden Standards. Gruppenstärke darf künftig bei 22 Kindern liegen.

Kreis Pinneberg.  Mit der aktuellen Kita-Reform und ihren Auswirkungen auf den Kreis Pinneberg hat sich in einer aktuellen Stunde nun der Kreistag befasst. Zugleich begrüßten es die Kreispolitiker, dass sich jetzt die Städte und Gemeinden finanziell am neuen, bezahlten Ausbildungslehrgang für bis zu 28 Erzieherinnen und Erzieher an der Kreisberufsschule in Pinneberg beteiligen wollen.

Damit soll dem drohenden Fachkräftemangel in den 150 Kindertagesstätten im Kreis aktiv begegnet werden. Bis zu 60.000 Euro kostet laut Kreisverwaltung ein solcher Ausbildungsplatz im Jahr. Die duale Ausbildung verspricht den Teilnehmern eine monatliche Vergütung von 1100 Euro.

Kreistag lobt und kritisiert das neue Kita-Gesetz

Berufsschulleiter Ulrich Krause rechnet damit, dass künftig noch weitere Ausbildungsklassen an seiner Schule gebildet werden können. Für die erste Klasse, für die sich Interessierte bis zum 28. Februar noch bewerben können, gebe es bereits etliche Anfragen.

Vom Kreistag gab es dagegen Lob und Kritik am neuen Kita-Gesetz, mit dem das Land rund eine Milliarde Euro in die Kinderbetreuung investiert. So würden die Eltern der betreuten Kleinkinder um rund ein Viertel der bisherigen Gebühren entlastet, was bei Krippenkindern unter drei Jahren etwa 2000 Euro im Jahr an Ersparnis ausmache, erklärten die Abgeordneten Nadine Mai, Ortwin Schmidt (CDU) und Alexandra Waßong (FDP).

Zugleich werde der Kreis Pinneberg durch die Kita-Reform bei einer erstmals landesweit einheitlichen Sozialstaffel, Betriebskosten und Tagespflege in Höhe von rund 4,5 Millionen Euro im Jahr entlastet, erläuterte Helga Kell-Rossmann (SPD). Weil dadurch Mehrkosten auf die Städte und Gemeinden zukämen, sollten diese unbedingt bei der Kreisumlage entlastet werden, forderte Schmidt.

Nicht alle Politiker sind glücklich mit der Reform

Dem widersprach Kell-Rossmann. Sie kritisierte, dass das Land mit seiner Kita-Reform lediglich Mindeststandards festschreibe, die hinter vorherigen Standards im Kreis Pinneberg zurückblieben. So soll künftig jede Kita-Gruppe im Land höchstens 22 Kinder haben dürfen und dabei von je einer Erzieherin und einer sozialpädagogischen Assistentin unterstützt werden. Dabei würden die gestiegenen Anforderungen in den Kindergärten zwei Erzieherinnen je Gruppe erfordern. „Die Kita-Reform der Landesregierung ist nur ein Kostendeckelungs- und Einsparmodell. Das ist enttäuschend“, befand die SPD-Abgeordnete. Berufsverbände würden sogar Gruppengrößen von höchstens 16 Kindern in den Kitas fordern, sagte Marianne Kolter (Die Linke). Darum sei das neue Kita-Gesetz zwar „ein Schritt in die richtige Richtung. Aber das reicht bei Weitem nicht aus.“

Vor allem habe die Landesregierung offenbar die Eltern behinderter Kinder „vergessen“, wunderte sich Kell-Rossmann. Diese müssten jetzt ab August erstmals wieder Kita-Gebühren zahlen, was sie noch gar nicht wüssten. Und es fehlten im Gesetz jedwede Standards für eine inklusive Betreuung in den Kindergärten, kritisierte sie.