Pinneberg
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Pinnebergs Wirtschaftsförderer geht, seine Erfolge bleiben

Stefan Krappa (56) hat sich mehr als ein Jahrzehnt lang mit der Kreisstadt identifiziert.

Stefan Krappa (56) hat sich mehr als ein Jahrzehnt lang mit der Kreisstadt identifiziert.

Foto: Andreas Daebeler

Stefan Krappe verlässt nach fast elf Jahren Pinneberg. Warum in der Bilanz zum Abschied auch Tim Mälzer vorkommt.

Pinneberg.  Als Stefan Krappa im Juli 2009 seinen Job antritt, sieht Pinneberg noch anders aus. Die Kaserne ist ein vor sich hin rottendes Ensemble. Die Westumgehung? Ein Wunschtraum. Am Lindenplatz gibt es noch Bert Meyers Edeka-Markt. Und die Bürgermeisterin heißt Kristin Alheit. Für Krappa eine gute Bekannte aus gemeinsamen Zeiten in Altonas SPD.

Da rümpft manch Pinneberger die Nase, als ausgerechnet er den Job des Wirtschaftsförderers ergattert. „Das hat es mir nicht leicht gemacht“, erinnert er sich heute. „Von einigen Seiten gab es Forderungen, ganz schnell Erfolge zu liefern.“ Er nimmt die Herausforderung an. Und bleibt auch, als Alheit Ministerin wird und ihm einen Job in Kiel anbietet. Heute erst endet das Pinneberger Gastspiel.

Erste Herausforderung: Die Kreisverwaltung zieht weg

Krappa räumt seinen Schreibtisch. Zeit für eine Bilanz und den Blick zurück auf Jahre des Wandels in der Stadt. Die beginnen mit einem Wirkungstreffer. Denn kurz nachdem Krappa sein Büro an der Bismarckstraße bezogen hat, verabschiedet sich die Kreisverwaltung aus der Stadt. Auf einen Schlag fehlen der City Hunderte von Menschen, die bislang in Pinneberg eingekauft, gegessen und die Innenstadt belebt haben. „Ein heftiger Schlag“, erinnert sich der 56-Jährige. „Es hat uns acht Jahre gekostet, das zu kompensieren.“ Gelungen sei das nur, weil 500 citynahe Wohnungen geplant und gebaut worden seien. Ohne Politik geht das natürlich nicht. Und die wird in Pinneberg ja gern gescholten.

Krappa sieht’s entspannt: „Schwierig, dass es keine klaren Blöcke gibt und mit wechselnden Mehrheiten abgestimmt wird“, sagt er. „Aber es sind dennoch wichtige Weichen gestellt worden, etwa beim Ankauf der Kaserne und der Sanierung der Innenstadt.“

Die Frage nach seinem größten Coup beantwortet Krappa nicht mit dem einen Namen. Die Ansiedlung von Interpapier am Marktplatz sei wichtig gewesen. Die Vermarktung der Eggerstedt-Kaserne ebenfalls. Den Bau der Internationalen Schule stellt Krappa heraus: „Die sollte eigentlich nach Halstenbek, da habe ich dann ein paar Leute zusammengebracht.“

Gewerbesteuereinnahmen haben sich fast verdoppelt

Das eine sind Erinnerungen. Das andere Zahlen, an denen Erfolg und Misserfolg eines Wirtschaftsförderers zumindest teilweise ablesbar sind. Etwa wenn es um die Einnahmen bei der Gewerbesteuer geht. Die lagen im Jahr seines Dienstantritts in Pinneberg bei gerade einmal 9,9 Millionen Euro, ein katastrophaler Wert für eine Stadt mit mehr als 40.000 Einwohnern. Für das Jahr 2019 stehen 18,8 Millionen Euro in den Büchern, für das laufende Jahr wird mit Einnahmen in ähnlicher Größenordnung gerechnet.

Enttäuschungen? Auch die hat Krappa erlebt. Etwa die gescheiterte Ansiedlung eines großen Gewerbesteuerzahlers aus Elmshorn. 2014 landet das Mineralöl-Unternehmen Tamoil fast in Pinneberg, geht dann aber nach Hamburg. Von einem weiteren Beinahe-Coup weiß bis heute kaum jemand.

Die an der Ost-West-Straße in Hamburg ansässige Reederei Hamburg-Süd bekundet vor einigen Jahren ernsthaft Interesse am Standort. „Es ging um das alte Krankenhaus am Drosteipark“, erinnert sich Krappa. Projektsteuerer hätten die Immobile unter die Lupe genommenen. Wurde auch nichts draus.

Wechsel vom öffentlichen Dienst in eine GmbH

An einen Besuch in der Hansestadt erinnert sich Krappa ebenfalls noch gut. Gemeinsam mit Bürgermeisterin Urte Steinberg und Landrat Oliver Stolz fährt er 2013 zu Tim Mälzer, bietet dem in Pinneberg aufgewachsenen Kult-Gastronom das Restaurant in der Landdrostei an. Und holt sich einen Korb.

Von der Wirtschaftswelt in der Region hat Stefan Krappa mit den Jahren einiges gesehen. Seit 2012 führt er Buch über seine Firmenbesuche. 156 Unternehmen hat der Diplom-Politologe seitdem offiziell von innen gesehen. Es werden einige hinzukommen. Allerdings etwas weiter im Norden. In der Hansestadt Lübeck wird der 56-Jährige für City-Entwicklung und Leerstands-Management in der Altstadt zuständig sein. Dafür verzichtet er auf die Vorzüge des öffentlichen Diensts, denn die Wirtschaftsförderung an der Trave ist eine GmbH.

Das Feld ist für den Nachfolger gut bestellt

Gewinnen wird Stefan Krappa sicherlich Lebensqualität. Er ist mit einer Lübeckerin verheiratet, pendelt seit Jahren nach Pinneberg. Das kostet Zeit und Nerven. Für seinen Nachfolger in Pinneberg sieht er gute Voraussetzungen, viel zu bewegen. „Mit Gehrstücken, Rehmenfeld, Ossenpadd und Müssentwiete kommen rund 40 Hektar an neuen Gewerbeflächen an den Markt.“ Da müsse das Herz eines jeden Wirtschaftsförderers höher schlagen.

Was für ihn von Pinneberg bleibt? „Viele großstädtisch geprägte Menschen, die mir ans Herz gewachsen sind“, sagt er. Und pendelt noch ein letztes Mal.