Pinneberg
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Regenmassen stellen Pinneberg vor weitere Probleme

Sven Vierus (l.) und Frank Bornholdt sind derzeit dabei, die Baustelle am Marktplatz einzurichten.Sven Vierus (l.) und Frank Bornholdt sind derzeit dabei, die Baustelle am Marktplatz einzurichten.

Sven Vierus (l.) und Frank Bornholdt sind derzeit dabei, die Baustelle am Marktplatz einzurichten.Sven Vierus (l.) und Frank Bornholdt sind derzeit dabei, die Baustelle am Marktplatz einzurichten.

Foto: Katja Engler

Die Stadt lässt ein Wasseraufnahmebecken am Marktplatz bauen. Grüne & Unabhängige kritisieren Flächenversiegelung.

Pinneberg. Mal wieder steht der Pinnau das Wasser bis zum Hals. Die Regenfälle der vergangenen Tage und Wochen haben ihr und der Mühlenau sehr viel Wasser zugeführt, und das kann, wenn es überläuft, gefährlich werden. Deshalb haben die Grünen & Unabhängigen zur heutigen Sitzung des Pinneberger Umweltausschusses den Antrag gestellt, den Überlauf des Oberflächenwassers von den Banswiesen in den Regenwassersammler am Hindenburgdamm durch ein Bauwerk zu befestigen.

Auch eine zweite Baumaßnahme wird Abhilfe schaffen: Derzeit sind Polier Frank Bornholdt, Baggerfahrer Sven Vierus und zwei weitere Kollegen dabei, einen Teil des Pinneberger Marktplatzes für eine dringend notwendige Baumaßnahme vorzubereiten.

Auch da geht es um Hochwasser- beziehungsweise Überschwemmungsschutz. Und der wird je dringlicher notwendig, desto mehr ringsum gebaut wird, weil damit Flächen, auf denen das Wasser vorher im Boden versickern konnte, peu à peu verschwinden. Das hat zur Folge, dass der Grundwasserpegel sinkt und die Kanalisation bei langen Regenfällen streckenweise überlastet ist. „In der Innenstadt wäre in Zukunft eventuell nicht genügend Platz, um das zusätzliche Wasser im Falle des Hochwassers in der Pinnau aufzunehmen. Deshalb soll eine Abgrabung am nördlichen Ufer der Pinnau im Bereich des Marktplatzes Abhilfe schaffen“, heißt es in einer Erklärung der Pinneberger Verwaltung.

Die Baukosten für das Wasseraufnahmebecken tragen zu zwei Drittel der Bund und das Land Schleswig-Holstein. Die Bauzeit soll sich bis zum 19. April hinziehen. Dass das abgesperrte Areal unerwartet groß ist, liegt daran, dass der abgegrabene Boden dort noch zwischengelagert werden muss, weil Proben daraus entnommen und ausgewertet werden müssen. Ein Teil der Parkplätze steht aber weiter zur Verfügung. Je nach Wetter und Wasserspiegel werden die Bauarbeiten fortschreiten, sagt Frank Bornholdt. „Stück für Stück wird dann das Becken gebaut.“

Nach Schätzungen von Manfred Stache (Grüne & Unabhängige) liegt Pinneberg deutschlandweit an der Spitze, was den Anteil an versiegelten Fläche angeht. „Dadurch, dass wir immer weiter versiegelt haben, läuft alles sehr schnell in die Pinnau und die Mühlenau hinein, bevor es versickern kann“, erklärt er. Heilfroh ist Stache, dass Pinneberg schon lange von Starkregen verschont wurde. „Denn dann wird das Elbe-Sperrwerk geschlossen, die Pinnau läuft voll und braucht Platz.“ Die Banswiesen und der Marktplatz müssen deshalb dringend als Überläufe zur Verfügung stehen.

Wasser aus dem ILO-Parkwird in die Mühlenau fließen

Das tieferliegende Problem dahinter ist die fortschreitende Flächenversiegelung, die Staches Parteikollege Joachim Dreher kritisiert. Wachstum gelte in der öffentlichen Wahrnehmung noch immer als positiv. Dabei seien die negativen Auswirkungen längst erkennbar und bekannt. Trotzdem werde immer weiter gebaut. „Wir können die Auswirkungen des Hamburger Wohnungsmarktes nicht kompensieren. Irgendwann ist auch bei uns Schluss“, sagt Dreher. Das Regenwasser aus dem neu entstehenden, 360 Wohneinheiten umfassenden ILO-Park am Bahnhof zum Beispiel wird künftig in die Mühlenau fließen.

Aber es sind auch die vielen kleineren Baustellen der letzten Zeit, die dazu beitragen, dass Versickerungsfläche und damit Lebensraum für Tiere und Pflanzen im Stadtraum verschwindet. Gebaut wird an der Saarlandstraße gegenüber der Tankstelle, am Rübekamp, an der Schauenburger Straße neben der Schule, an der Halstenbeker Straße musste ein Wald weichen, die Westumgehung wurde eröffnet – die Liste großer, aber auch kleinerer Bauvorhaben, für die oft kein Bebauungsplan nötig ist, verlängert sich stetig. Ganz zu schweigen von weiterer Versiegelung auf privaten Grundstücken.