Pinneberg
Kreis Pinneberg

Dokumentation zeigt, wie die Flut 1962 Elmshorn erreicht

Stadtarchiv gibt reich bebilderten Materialband heraus. Blick zurück bis ins Jahr 1240. Verkaufsstart ist am 17. Februar.

Elmshorn. Mit den Folgen einer Sturmflut werden die Mitarbeiter des Elmshorner Stadtarchivs immer wieder beim Recherchieren in den Akten konfrontiert. Sie stoßen auf gewellte Blätter Papier, die von der Sturmflut 1962 zeugen. Damals brachen nicht nur in Hamburg-Wilhelmsburg die Elbdeiche, 315 Menschen ließen ihr Leben, sondern auch der Krückaudeich am Sandberg konnte den Wassermassen nicht mehr standhalten. Zwei Drittel des Stadtgebietes und damit auch das alte Rathaus wurden überflutet. Einige Teile der im Keller befindlichen Akten und Dokumente waren unwiederbringlich verloren. Menschenleben waren nicht zu beklagen.

Die Geschichte nicht nur der 1962er-Flut, sondern aller Elmshorner Hochwasserkatastrophen seit den 1240 begonnenen Aufzeichnungen kennt Karl Heinz Kuhlemann. Sein Wissen hat er auf 115 Seiten aufgeschrieben. Unter dem Titel „Sturmfluten in Elmshorn“ hat das Stadtarchiv sie als Band der „Materialien zur Elmshorner Geschichte“ rausgebracht. Ab 17. Februar ist er im Stadtarchiv erhältlich, Preis fünf Euro.

Deiche stammten aus dem Jahr 1825

Die Flut von 1962 verlief übrigens glimpflich, weil die Elmshorner rechtzeitig mit Böllerschüssen aus einer sogenannten Hochwasserkanone gewarnt worden waren. Zudem waren sie das Hochwasser gewöhnt. Regelmäßig trat die Krückau über die Ufer, allerdings nicht so stark wie 1962. Die damaligen Deiche stammten noch aus der Dänenzeit. Sie waren 1825 errichtet worden – und wurden nach der größten Flutkatastrophe im 20. Jahrhunderts erhöht.

Der 88-jährige Kuhlemann dokumentiert mit seinem reich bebilderten Werk auch die Geschichte des Deichbaus. Auf einer Grafik ist zu sehen, wie Ende des 16. Jahrhunderts mit knapp 15 Meter breiten Deichen gearbeitet wurde. Heute sind sie mehr als 80 Meter breit.

Autor war eine treibende Kraft im Stadtarchiv

Der Autor kann als wandelndes Kompendium der Stadtgeschichte bezeichnet werden. Schon während der Schulzeit an der Bismarckschule vom in Elmshorn bekannten Heimatforscher Conrad Struve mit dem Virus des historischen Wissensdurstes infiziert, engagierte Kuhlemann sich später im Museumsverein sowie im Heimatverein Tru un fast, wurde zu einer der treibenden Kräfte des Stadtarchivs, gründete dessen Förderverein und ist heute Ehrenvorsitzender. An fast allen Materialbänden des Archivs hat er gearbeitet, zudem wesentliche Beiträge zu den mittlerweile 28 Bänden der jährlich erscheinenden Reihe Beiträge zur Elmshorner Geschichte geliefert.

Der Sturmflut-Materialband fußt auf einem Dia-Vortrag, den Kuhlemann einst für das Stadtarchiv erarbeitet hat. Zwei ausverkaufte Veranstaltung belegen das große Interesse der Elmshorner an diesem Thema.

1969 mit der Fertigstellung des Krückausperrwerks an der Elbe war es übrigens vorbei mit den Überflutungen in Elmshorn. Kuhlemann ist sich mit den Experten einig, dass das Bollwerk an der Elbe ausreichend hoch geplant ist. Sollte die Natur allerdings die Fachleute widerlegen und der Elbdeich brechen wie 1976 in der Haseldorfer Marsch, dann dürfte wieder das Wasser durch die Elmshorner Innenstadt schwappen.