Pinneberg
Prozess

Betrunkener Skipper rammt Boote auf Helgoland

Der Helgoländer Südhafen aus der Ferne betrachtet. Dort ereignete sich der Unfall.

Der Helgoländer Südhafen aus der Ferne betrachtet. Dort ereignete sich der Unfall.

Foto: Carsten Rehder / dpa

Gericht in Pinneberg verurteilt 79-Jährigen. Er hatte viel Alkohol im Blut und viele leere Sektflaschen an Bord. Was er sagt.

Helgoland/Pinneberg. „Nächste Woche habe ich Geburtstag und werde 80 Jahre alt.“ Diedrich M. plaudert Dienstag vor der Richterin am Pinneberger Amtsgericht aus seinem Leben. Dass Alter nicht vor Torheit schützt, hat der Senior am 17. Juli 2018 bewiesen. Gegen 14.20 Uhr fuhr er mit seiner Segelyacht „Biene“ in den Helgoländer Südhafen ein und rammte fünf an der Pier festgemachte Motor- und Segelboote. Ein Grund dafür war offenbar der Alkoholkonsum des damals 78-Jährigen. Eine Blutprobe mehr als dreieinhalb Stunden nach dem Crash ergab noch 2,36 Promille.

Nun sitzt der laut seinem Anwalt „leidenschaftliche Segler“ vor der Strafrichterin. Gefährdung des Schiffsverkehrs wirft ihm die Staatsanwaltschaft in der Anklage vor. „Das war ein ganz heißer Tag, so mit Temperaturen um 30 Grad“, gibt der Angeklagte zu Protokoll. Warum er an dem Tag zu tief ins Glas schaute und der Alkohol ihm beim Anlegen zu Kopf stieg, will Diedrich M. nicht preisgeben. Er bestätigt lediglich mit einem knappen Ja, am Tattag alkoholisiert am Ruder der Segelyacht gestanden zu haben.

Auch auf der Weser gab’s einen Alkohol-Unfall

Zuvor hatten sich Verteidigung, Staatsanwalt und die Richterin auf eine Verständigung geeinigt. Ein Geständnis würde dem Angeklagten eine Geldstrafe einbringen, die aufgrund der niedrigen Höhe der Tagessätze keine Vorstrafe im eigentlichen Sinn bedeuten würde. Eine Chance, die sich Diedrich M. nicht entgehen lässt. „Ich bereue das wirklich“, sagt er noch – und erklärt, im vorigen Jahr nicht einmal mit seinem Boot unterwegs gewesen zu sein.

Zwei Tage vor dem Helgoland-Crash segelte er auf der Unterweser. Auch dort kam es zu einem Unfall, ein Atemalkoholtest bei dem Freizeitkapitän ergab 1,32 Promille. „Das ist nicht geklärt, ein ganz anderer Fall“, sagt sein Verteidiger. Er und die übrigen Beteiligten schauen sich Bilder der teilweise demolierten Boote vor Helgoland an. Bei zwei Schiffen blieb es bei einem Farbabrieb, den die Eigner persönlich beseitigten. Bei einem Schiff riss der Festmacher. Zwei weitere Boote wurden erheblich beschädigt. Insgesamt 11.805,51 Euro überwies die Versicherung des Angeklagten an die Bootseigner. „Den Schaden an meinem Schiff habe ich selbst beseitigt, das waren nur so 30 bis 40 Euro“, sagt der Angeklagte.

Nach dem Crash wurde der Skipper ohnmächtig

Verletzungen habe er keine erlitten, so der Skipper. „Aber ich bin ohnmächtig geworden und ins Krankenhaus gekommen.“ Diese Aussage stützt der damalige Polizeibericht. Dort heißt es, Passanten hätten erkannt, dass der 78 Jahre alte Segler hinter seinem Ruder zusammengesackt war. Zwei Zeugen seien auf das Boot gesprungen, hätten Erste Hilfe geleistet und das Segelschiff am Ponton angelegt.

Die Hitze und der offenbar in großer Menge genossene Alkohol – diese Kombination könnte den Zusammenbruch des Seglers ausgelöst haben. Auf dem Boot fanden die Beamten der Wasserschutzpolizei einige leere Sektflaschen. Auch diese Bilder werden vor Gericht angeschaut. „Meinem Mandanten ist klar, dass er der Verursacher war. Ihm ist auch klar, dass er was falsch gemacht hat. Die ganze Sache ist ihm peinlich und unangenehm, er hat die eineinhalb Jahre seit dem Vorfall schlecht geschlafen“, sagt sein Verteidiger.

Keine Vorstrafen, ein Geständnis, sein fortgeschrittenes Alter: Für den Angeklagten spricht aus Sicht des Staatsanwaltes vieles. Aber auch einiges gegen ihn. „Das sind sehr eindeutige Alkoholwerte, auch ist ein hoher Schaden entstanden. Da war einiges los auf Helgoland.“ Der Anklagevertreter beantragt für den Rentner eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen á 25 Euro, die dieser in Raten von jeweils 50 Euro abstottern kann. Die Richterin folgt diesem Antrag. 1250 Euro Geldstrafe – Diedrich M., dessen Anwalt 1000 Euro Geldstrafe gefordert hatte, verlässt nach einer Stunde erleichtert das Gericht.