Pinneberg
Kreis Pinneberg

Lasse aus Rellingen sucht seinen Lebensretter

Die Helfer der Typisierungsaktion in Rellingen auf einem Gruppenbild vor der Feuerwache, wo am Sonnabend die Typisierungsaktion stattfinden wird.

Die Helfer der Typisierungsaktion in Rellingen auf einem Gruppenbild vor der Feuerwache, wo am Sonnabend die Typisierungsaktion stattfinden wird.

Foto: Arne Kolarczyk

45 Helfer organisieren am Sonnabend eine Typisierungsaktion für den 16-Jährigen, der eine Stammzellspende braucht.

Rellingen.  Lasse ist 16 und leidet unter MDS. Die Abkürzung steht für Myelodysplastisches Syndrome. Es handelt sich um eine Erkrankung des Knochenmarks, in deren Folge der Körper des Jungen zu wenig funktionstüchtige Blutzellen bildet. Die einzige Chance gegen das Knochenmarkversagen ist für den Schüler aus Rellingen eine Stammzellspende.

„Für ihn ist das sehr belastend“, sagt Mutter Steffi. Sie hofft gemeinsam mit ihrem Sohn, dass sich am Sonnabend möglichst viele Menschen an der Typisierung in der Rellinger Feuerwache am Ellerbeker weg beteiligen.

Organisiert hat sie Andreas Ramisch. Er ist Lasses Fußballtrainer in der 1. B-Jugend des SC Egenbüttel. „Für mich war es keine Frage, dass ich etwas tun muss“, sagt er. Ramisch wandte sich an Bürgermeister Marc Trampe, der sofort die Schirmherrschaft für die Aktion übernahm und den Kontakt zur Feuerwehr herstellte, die ihre Hauptwache am Ellerbeker Weg zur Verfügung stellt und komplett freiräumen wird. Ramisch („Ich arbeite an der Sache inzwischen zwei Monate“) hat 45 Helfer angeworben, die gemeinsam mit Mitarbeitern der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) für einen reibungslosen Ablauf sorgen sollen.

„Lasse freut sich, dass so viel für ihn getan wird“

„Lasse freut sich, dass so viel für ihn getan wird“, sagt seine Mutter. Die Krankheit sei bei dem 16-Jährigen, der die zehnte Klasse der Caspar-Voght-Schule besucht, nach den Herbstferien festgestellt worden. „Wir hatten Urlaub in der Türkei gemacht. Ein Mitschüler hat ihn dann auf seine gelben Augen aufmerksam gemacht.“

Lasse sei auf die Immundefektabteilung im UKE gekommen, wo zunächst eine Hepatitis vermutet worden sei. Drei Gewebeproben seien dem Jungen abgenommen worden. „Wir wussten lange nicht, in welche Richtung das geht, ehe wir die Diagnose MDS bekommen haben“, berichtet die Mutter.

Diese Krankheit komme eigentlich bei Kindern und Jugendlichen selten vor. „Lasse hat ganz gute Chancen, nach einer Stammzellentransplantation wieder ein normales Leben zu führen“, sagt seine Mutter. Aktuell könne er natürlich sein Hobby Fußball nicht ausüben – und auch an einen Schulbesuch sei nicht zu denken. „Er darf nicht unter vielen Menschen sein, weil er immungeschwächt ist und sich anstecken könnte.“ Lasse halte sich viel zu Hause auf, dürfe wenn überhaupt nur mit Mundschutz vor die Tür. „Wir versuchen, so gut es geht ein Stück Normalität zu leben.“

Personen im Alter von 17 bis 55 Jahren können sich als Spender registrieren lassen

Dabei wird der Zehntklässler auch von seiner Schwester Jule (17) und dem kleinen Bruder Linus (12) unterstützt. „Lasse hat seinen 16. Geburtstag im Krankenhaus verbracht. Wir hoffen, dass er mit 17 Jahren wieder sein normales Leben leben kann.“ Dazu gehören Familie, Schule und Fußball ebenso wie das Wakeboardfahren in der Pinneberger Wasserskiarena und das Fitnesstraining, das er mit 16 anfangen wollte. Ein weiteres Hobby von ihm ist das Komponieren von Rap-Songs. „In einem schildert er seine Situation“, sagt seine Mutter

Bis Lasse sein normales Leben zurückbekommt, muss zunächst jedoch ein Stammzellspender gefunden und die Transplantation erfolgreich durchgestanden werden. Der Termin am Sonnabend in der Feuerwache kann dazu beitragen, für Lasse und andere Betroffene einen Spender zu finden. So hat aktuell auch der Sohn (4) eines Rellinger Feuerwehrmannes die gleiche Diagnose erhalten. Auch Louis wird auf eine Stammzellspende angewiesen sein.

In Rellingen können sich alle gesunden Personen im Alter von 17 bis 55 Jahren als Spender registrieren lassen. „Die Typisierung erfolgt nicht über eine Blutprobe, sondern über Speichelproben“, erläutert Organisator Ramisch. An drei Stellen werde ein Abstrich der Mundschleimhaut vorgenommen – eine schnelle und völlig schmerzlose Prozedur. „Ich hoffe auf 1000 Personen, die sich typisieren lassen“, so die Zielvorgabe von Marc Trampe.

Und er sagt weiter: „Als die Anfrage kam, war nicht die Frage, ob wir als Gemeinde helfen können, sondern nur wie.“ Für ihn als Familienvater sei es selbstverständlich, sich zu engagieren. „Am Sonnabend würde ich mich auch darüber freuen, wenn es rund um die Feuerwache zu einem Verkehrschaos kommt“, so Trampe weiter.

Auch Geldspenden helfen

Helfen kann auch, wer zum Geldspender wird. Denn jede Typisierung kostet Geld. 35 Euro muss die DKMS dafür aufwenden. Eine erste größere Spende ist bereits vom Lionsclub Ellerbek-Rellingen eingegangen. „Wir geben 3500 Euro, finanzieren damit rein rechnerisch die ersten 100 Spenden“, sagt der Vorsitzende Gunther Grave.

Die Organisatoren der Typisierungsaktion haben ein Spendenkonto bei der DKMS eingerichtet, um eine möglichst große Summe zusammenzubringen. Wer etwas einzahlen will, nutzt die IBAN-Nummer DE05 7004 0060 8987 0001 92, beim Verwendungszweck ist LSH 001 anzugeben.

Die Typisierungsaktion findet in der Zeit von 11 bis 15 Uhr am Sonnabend, 15. Februar, in der Feuerwache Rellingen-Ort, Ellerbeker Weg 6, statt. Bei dem erhofften großen Andrang kann es dabei zeitweise zu Wartezeiten kommen. Bäcker Schlüter unterstützt die Aktion durch Kaffee- und Kuchenspenden, der Edeka-Markt Appel stellt kostenfrei Getränke zur Verfügung.