Empfang

Was der Bundestagsvizepräsident in Pinneberg erzählte

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Neujahrsempfang SPD-Kreisverband Pinneberg mit Kreisvorsitzendem Thomas Hölck (l.) und Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann.

Neujahrsempfang SPD-Kreisverband Pinneberg mit Kreisvorsitzendem Thomas Hölck (l.) und Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann.

Foto: Burkhard Fuchs

Thomas Oppermann besucht SPD-Neujahrsempfang. Und verrät, ob er den Kreis Pinneberg provinziell findet.

Kreis Pinneberg.  Mit Musikeinlagen, nachdenklichen und launigen Worten beging der Kreisverband der SPD am Freitagabend seinen Neujahrsempfang im Pinneberger Ratssaal. Der Termin sei mit Anfang Februar etwas spät gewählt. Aber sein Hauptredner, Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann, hätte vorher keine Zeit gehabt, begründete SPD-Kreischef Thomas Hölck die Terminauswahl. Aber so habe der ihn davor bewahrt, ein langweiliges Seminar zu besuchen, statt heute zum „Heimspiel“ des HSV zu fahren. „Danke, dass du mir diesen Freiraum geschaffen hast.“ Oppermann gab das Kompliment zurück: „Eine Einladung nach Pinneberg schlägt man nicht aus.“

Hölck konnte neben zahlreichen Genossen aus dem Kreis auch viele Vertreter von Vereinen und Verbänden unter den 150 Gästen begrüßen: von der Arbeitsagentur über den Kreissportverband und den Kinderschutzbund bis zur Lebenshilfe. Er habe sich für das neue Jahr vorgenommen, zu „genießen, sonst wird man ungenießbar“, sagte Hölck. „Ich habe auf dem Weg hierher eine Currywurst gegessen.“ Was eine Replik auf Pinnebergs Ortsvereinsvorsitzenden Kai Vogel sein sollte, der quasi als Gastgeber im Rathaus eine ungewöhnliche Lobrede auf die Currywurst hielt. Die sei für ihn wie eine Metapher für den Kreis Pinneberg. „Man fühlt sich wohl, wenn man eine isst. Aber man hält sich nicht für was Besseres.“ Dabei sei der Kreis Pinneberg „ein Musterkreis“, weil er die ganze „Durchschnittlichkeit“ der Gesellschaft in dieser städtisch wie auch ländlich geprägten Region sehr gut zusammenfasse.

Hamburger können auch provinziell sein

Eine Vorlage, die den Gast aus Berlin zu der Bemerkung verleitete: „Provinz ist keine Frage des Ortes, sondern eine Frage des Kopfes und der Einstellung.“ Pinneberger könnten ebenso weltläufig sein wie Hamburger provinziell.

Dann ging Oppermann auf die politischen Ereignisse „dieser wilden Woche“ ein. Erst habe die demokratische Speakerin Nancy Pelosi das Redemanuskript von US-Präsident Donald Trump zerrissen. Dann ließ sich ein FDP-Abgeordneter in Thüringen mit den Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten wählen. „Das wäre für mich vor einiger Zeit unvorstellbar gewesen“, sagte Oppermann und zählte auf, was es alles Gutes an demokratischen Errungenschaften in diesem Land gebe, die es zu verteidigen gelte, etwa Freiheit, Demokratie und einen Rechtsstaat, der jeden Bürger vor Willkür schütze.

Zwar gebe es einen Fachkräftemangel und einen großen Investitionsstau. Und es bedürfe wieder eines besseren sozialen Zusammenhalts, um „den Riss in der Gesellschaft“ wieder zu schließen, warnte Oppermann und forderte: „Wir dürfen nicht zulassen, dass Rechtspopulisten, Reichsbürger und Neonazis dieses prosperierende Land kaputt machen.“

( bf )

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