Pinneberg
Kreis Pinneberg

Das ist der Plan für die erste „Radautobahn“ nach Hamburg

Ein Radfahrer fährt auf einem Teilstück eines Radschnellwegs in Hessen an einem Verkehrsschild vorbei. Ein ähnliches Projekt ist auch für den Kreis Pinneberg geplant. (Symbolbild).

Ein Radfahrer fährt auf einem Teilstück eines Radschnellwegs in Hessen an einem Verkehrsschild vorbei. Ein ähnliches Projekt ist auch für den Kreis Pinneberg geplant. (Symbolbild).

Foto: Arne Dedert / picture alliance/dpa

Die 32 Kilometer lange Route von Elmshorn nach Hamburg ist die erste von sieben Radschnellwegen in der Metropolregion.

Pinneberg. Nach langem Abwägen, einer breiten Bürgerbeteiligung und der Auswertung von detaillierten Pro- und Kontra-Listen liegt er nun vor, der erste konkrete Entwurf für einen 32 Kilometer langen Radschnellweg von Elmshorn nach Hamburg. Erstmals legen sich die Planer darin auf eine genaue Trassenführung fest. Im Kreis Pinneberg entsteht damit die erste von insgesamt sieben „Radautobahnen“, die noch in diesem Jahrzehnt die Metropolregion mit der Großstadt Hamburg verbinden sollen.

Laut dem Plan, der dem Abendblatt vorliegt, soll der erste Radschnellweg quer durch den Kreis führen, und zwar weitgehend an der Bahnstrecke Elmshorn – Hamburg entlang. Dabei streift die Route die Orte Tornesch, Prisdorf, Pinneberg und Halstenbek, wobei die Trasse von Elmshorn bis Prisdorf nördlich der Gleise verläuft, ab Prisdorf soll südlich des Bahndamms bis nach Hamburg gefahren werden. Wo und wie die Gleise zwischen Tornesch und Prisdorf gequert werden, hängt jedoch von weiteren Beratungen in den Orten und mit der Deutschen Bahn ab.

Ziel dieser aussichtsreichen Radwegplanung ist, mehr Menschen zum Umstieg auf das Fahrrad zu bewegen. Eine Schwelle von täglich mehr als 2000 Nutzern soll dabei überstiegen werden. Dafür wird die Route komfortabel und sicher ausgebaut, möglichst autofrei gehalten und an die Knotenpunkte des öffentlichen Nahverkehrs angebunden. Am Ende soll sich ein vier Meter breites, beleuchtetes und weitgehend kreuzungsloses Asphaltband durch den Kreis bis in die Metropole ziehen. Die Planer gehen nämlich davon aus, dass viele der täglich mehr als 100.00 Pendler aus dem Kreis Pinneberg mit einer besser ausgebauten Radinfrastruktur zum Umstieg auf zwei Räder ermutigt werden können. Auch, um Bahnstrecken und Straßen zu entlasten.

Der Kreis bestätigt auf Anfrage, dass dieser erste Entwurf für eine Trassenführung momentan beraten werde, betont aber gleichzeitig, dass sich noch viel ändern könne. Projektleiter Hartmut Teichmann: „Diese sogenannte Vorzugsvariante wird zurzeit in allen involvierten Städten und Gemeinden in den politischen Gremien vorgestellt, um Positionen und Vorschläge für den Verfeinerungsprozess bei der Trassenfindung abzufragen.“ Heißt: Der Plan dient als Diskussionsgrundlage. Klärungsbedarf bestehe etwa noch auf Streckenabschnitten in Tornesch, Prisdorf, Thesdorf und Halstenbek.

Auch in Elmshorn, wo die Strecke startet, sei noch längst nicht alles in Stein gemeißelt. Nach bisherigen Planungen beginnt der Radschnellweg an der Hamburger Straße und soll Richtung Osten an Holzweg und Holunderstraße auf den Hainholzer Damm münden – doch allein für diesen Abschnitt gibt es Alternativrouten, von denen einige neu gebaut werden müssten. Generell haben die Planer die Trassenführung bis zur Hamburger Stadtgrenze in sieben Abschnitte unterteilt und jeweils drei Alternativrouten verglichen, und zwar im Hinblick auf Konfliktvermeidung, Attraktivität, baulicher Aufwand, Erschließungsfunktion, ÖPNV-Haltestellen, Realisierbarkeit und Umgebungsqualität.

Ein Kilometer Radschnellweg kostet etwa eine Million Euro

Wie schwierig dieses Abwägen war, zeigt unter anderem, dass noch nicht klar ist, ob von Elmshorn der nächste Ort Tornesch über Spielstraße oder Liether Moor erreicht wird. Diese Fragen seien nun vor Ort zu klären. Nicht zuletzt, weil ein Kilometer Radschnellweg etwa eine Million Euro kosten soll – und momentan mit 25 Millionen Euro nur 75-Prozent zur Verfügung stehen.

Gleichwohl sei diese Radautobahn notwendig, gewünscht und von hohem Interesse, heißt es aus dem Kreishaus. „Die Menschen bewegt das Thema“, weiß Projektleiter Teichmann. Am meisten die Frage, wo genau der Weg entlang führt. Und darauf geben die Planer nun eine vorläufige Antwort. Mehr als 1000 Bürger hatten sich an einer Online-Befragung beteiligt, 138 Anregungen kamen aus dem Kreis, 70 Bürger besuchten den Abschluss-Workshop in Pinneberg.

Dabei ging und geht es auch darum, ob und wie vorhandene Radwege genutzt werden können oder ausgebaut werden müssen. In Pinneberg etwa spricht vieles dafür, dass auf der Südseite des Bahnhofs ein neuer Weg angelegt wird statt den vorhandenen Weg nördlich der Gleise an der Schwimmhalle vorbei zu nutzen. Denn spätestens in Thesdorf sei das Konfliktpotenzial an der Kreuzung Rellinger Straße groß. Das bedeutet auch, dass der Thesdorfer Weg nach Halstenbek, die erste Fahrradstraße des Kreises, bei der Planung wohl außen vor bleibt. Obwohl die Straße ideal wäre.

Naturschutz muss beachtet werden

Daran zeigt sich, dass die Planer es nicht einfach haben. Sie müssen eine ausgewogene, möglichst geradlinige Strecke finden – und den Naturschutz im Blick behalten. Zudem soll auch nicht dauernd zwischen nördlicher und südlicher Seite der Bahnstrecke gewechselt werden. Gewünscht ist eine Strecke aus einem Guss. Kreissprecher Oliver Carstens weist aber darauf hin, dass es sich um einen ersten Entwurf handelt: „Die Variante ist eine Diskussionsgrundlage. Es ist eine erste Idee, an der wir uns orientieren.“

Die erste Vorstellung im Pinneberger Stadtentwicklungsausschuss verlief ohne Kontroverse. Nun macht der Plan noch die Runde durch alle anderen beteiligten Orte. In Elmshorn (Stadtentwicklungsausschuss) wird der Plan am 20. Februar vorgestellt, in Prisdorf und Tornesch bereits Anfang Februar. Dort wird es wohl Diskussionsbedarf geben. Für den Hamburger Abschnitt, der am Bahnhof Diebsteich enden soll, sind die Präsentationen in Altona und Eimsbüttel im März. Danach verhandeln Behörden und die Deutschen Bahn erneut. Auch eine Testfahrt mit Politikern ist geplant. Fertigstellung: frühestens 2025.