Quickborn

Kreis sichert Hilfe für NS-Gedenkstätte im Himmelmoor zu

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Das Henri-Goldstein Haus im Himmelmoor soll eine Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus’ werden. Es ist nach einem jüdischen Zwangsarbeiter benannt

Das Henri-Goldstein Haus im Himmelmoor soll eine Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus’ werden. Es ist nach einem jüdischen Zwangsarbeiter benannt

Foto: Burkhard Fuchs

Die Politik befürwortet einmütig das Konzept des Fördervereins. Ein großes Problem ist allerdings die Trinkwasserversorgung.

Quickborn. Jetzt kommt Fahrt in das Vorhaben, das Henri-Goldstein-Haus im Quickborner Himmelmoor zur 13. Gedenkstätte in Schleswig-Holstein für die Opfer des NS-Regimes auszubauen. Der Ausschuss für Umwelt, Sicherheit und Ordnung des Kreistages hat jetzt einmütig beschlossen, das Konzept zu unterstützen und insbesondere bei Rechtsfragen und Einwerbung von Fördergeld zu helfen.

Auch die Landesregierung hat jetzt nach Auskunft der SPD-Landtagsabgeordneten Beate Raudies 200.000 Euro für die Umgestaltung des früheren Gefangenenlagers, in dem während des Zweiten Weltkriegs mehr als 50 jüdischen Zwangsarbeiter eingesperrt waren, zur Verfügung gestellt. Es ist nach dem dort inhaftierten belgischen Gefangenen Henri Goldstein (1920– 2014) benannt, der die Tortur der schweren täglichen Torfstechens überlebte.

Ungewöhnliche Koalition

Die ungewöhnliche Koalition von CDU, Grünen und Die Linke, die sich mit einem gemeinsamen Antrag für das Himmelmoor-Konzept aussprach, weitete sich während der Ausschusssitzung noch um die Fraktionen von SPD, FDP und AfD aus. Und auch KWGP-Abgeordneter Burghard Schalhorn gab seine Zustimmung.

Ziel soll es zudem sein, das Himmelmoor nach Beendigung des 150 Jahre andauernden industriellen Torfabbaus zu einem Naturraum für die Naherholung der Menschen im Kreis Pinneberg umzugestalten. „Ein kleiner Spaziergang im Himmelmoor reicht, um die Nerven zu beruhigen“, warb die SPD-Abgeordnete Elke Schreiber, die selbst in Quickborn lebt, für das 600 Hektar große „Naturerbe“. Die Idee des Himmelmoor-Fördervereins ist es, das ehemalige Torfwerk in ein Industriemuseum umzuwandeln, in dem die Werkzeuge von mehr als 100 Jahren des Torfstechens ausgestellt werden. Das Torfwerk mit seiner großen Halle hat die Stadt Quickborn ebenso erworben wie die beiden noch bewohnten, unter Denkmalschutz stehenden Häuser.

Zwingend wäre eine neue Trinkwasserleitung

Sie haben keinen Wasseranschluss, obwohl sie seit vielen Jahrzehnten bis heute bewohnt sind. „Sobald wir dort eine öffentliche Einrichtung schaffen, muss es eine Trinkwasserversorgung geben“, betont Umwelt-Fachdienstleiter Holger von Thun. Neue Wasserleitungen zu legen sei zu teuer. „Dafür liegen die Gebäude zu weit draußen“, sagt von Thun. Auch Brunnen zu bohren, lohne sich nicht, weil das Wasser keine Trinkwasserqualität haben werde. Somit würden aller Voraussicht nach nur Trinkwasserbehälter in Frage kommen, die selbstverständlich allen hygienischen Anforderungen entsprechen müssten.

Die Naturfläche des Moores ist im Besitz der Landesstiftung für Naturschutz. Auch die Torfbahn soll erhalten bleiben. Außer dem Umweltschutz müsse formal auch noch der Wirtschaftsausschuss des Kreistages insbesondere dem künftigen Nutzungskonzept der Gebäude zustimmen, riet von Thun.

Das Goldstein-Haus zu einer Denkstätte auszubauen, das sich „mit aktuellen Fragen wie Neonazismus, Fremdenfurcht und Fremdenhass auseinandersetzt“, habe die Landesregierung überzeugt, freut sich die Abgeordnete Raudies, die sich dafür in Kiel eingesetzt hat. Dabei solle auch der der Goldstein-Verein unterstützt werden, die damalige Situation der jüdischen Gefangenen sichtbar und nacherlebbar zu machen sowie ihr schweres Schicksal darzustellen und zu beleuchten, teilt Raudies mit. Der Heimatforscher Matthias Fischer-Willwater hatte nach jahrelanger Recherche herausgearbeitet, dass es sogar mehr als 100 jüdische Kriegsgefangene gewesen sein müssen, die hier zur Zwangsarbeit angehalten wurden.

( bf )

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