Pinneberg
Halstenbek

17 Millionen Euro teures Vorzeigeprojekt fast fertig

Irini Aliwanoglou (Brücke SH, v.l.), Hartmut Thede und Merle Boehlke (beide Semmelhaack) vor einem der Mehrfamilienhäuser.

Irini Aliwanoglou (Brücke SH, v.l.), Hartmut Thede und Merle Boehlke (beide Semmelhaack) vor einem der Mehrfamilienhäuser.

Foto: Arne Kolarczyk

Erste Mieter des generationsübergreifendes Quartiers sind eingezogen. Die letzten der 99 Wohnungen werden zum 1. März fertig.

Halstenbek.  Es ist ein Wohnungsbauprojekt mit Vorbildcharakter – und es schreitet in rekordverdächtigem Tempo voran. In Halstenbek entsteht an der Ecke Verbindungsweg/Heideweg ein generationsübergreifendes Quartier mit 99 Wohneinheiten, wovon fast die Hälfte öffentlich gefördert und die ersten bereits vor Weihnachten bezogen worden sind. Fast täglich fahren am Loerbrooksweg die Umzugswagen vor – und die letzten der fünf Mehrfamilienhäuser und der sechs Doppelbungalows sollen zum 1. März bezugsfertig sein.

Bauherr ist die Elmshorner Firma Semmelhaack, die 17 Millionen Euro in das Quartier investiert und im Oktober 2018 mit den Arbeiten begonnen hatte. „Wir sprechen alle Zielgruppen an – Jüngere, Ältere, aber auch Familien. Und es werden alle Einkommensgruppen vertreten sein“, sagt Hartmut Thede, Leiter der Projektentwicklung bei Semmelhaack. Hier werde erstmals in Halstenbek eine Wohnform etabliert, der die Zukunft gehöre und die bei Kommunen stark nachgefragt sei.

Die 87 Ein- bis Drei-Zimmer-Wohnungen mit Größen von 48 bis 81 Quadratmetern in den fünf Geschossbauten und die zwölf Einheiten in den Bungalows, die etwa 82 Quadratmeter groß sind, verbleiben im Besitz des Wohnungsbauunternehmens und werden vermietet. Alle sind barrierearm und mit einer bodengleichen Dusche ausgestattet. Die Mehrfamilienhäuser verfügen über Fahrstühle, die auch in den Keller führen und so breit sind, dass bequem ein Fahrrad hineinpasst. Die Mehrfamilienhäuser sind als zweigeschossige Bauten inklusive Dach- beziehungsweise Staffelgeschoss errichtet worden.

Mieten sind unschlagbar günstig

Die Mieten liegen im geförderten Teil bei 6,10 Euro, im zweiten Förderweg bei 8 Euro und im frei finanzierten Bereich bei 12 bis 13,50 Euro – jeweils pro Quadratmeter – und sind damit für die Halstenbeker Verhältnisse unschlagbar günstig. „Es sind bereits alle Wohnungen vermietet, bei den Bungalows sind die Hälfte vergeben“, sagt Merle Boehlke, Projektsteuerin bei Semmelhaack. Gemeinsam mit der Gemeinde, die für die 48 öffentlich geförderten Einheiten ein Belegungsrecht innehat, habe man darauf geachtet, dass zum überwiegenden Teil Halstenbeker in das neue Quartier einziehen werden.

Dafür hat die Baufirma gemeinsam mit der Pflege Schleswig-Holstein (SH) – ein Gemeinschaftsunternehmen der Brücke und des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes – ein ambulantes Quartierskonzept mit inklusivem Wohnangebot entwickelt, das nun in die Tat umgesetzt wird. Besonderheit ist eine 400 Quadratmeter große Wohngruppe für acht jüngere Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen. Sie erhalten jeweils ein Ein-Zimmer-Appartement und nutzen einen großzügigen Gemeinschaftsbereich. Die Pflege SH sorgt für eine Betreuung rund um die Uhr. „Diese Personen treten als selbstständige Mieter auf, sodass wir quasi Gäste in ihrem privaten Umfeld sind“, sagt Irini Aliwanoglou, die Geschäftsführerin von Pflege SH.

Quartiersmanager soll sich um Bewohner kümmern

Auf diese Weise würden die Bewohner nicht zu Taschengeldempfängern degradiert, sondern könnten soweit wie möglich ein normales Leben führen. Dabei unterstützen sie Sozialpädagogen, Pfleger, Erzieher und Assistenzkräfte der Pflege SH. Die künftigen Bewohner trafen sich vor kurzem erstmals gemeinsam mit ihren Angehörigen vor Ort, um sich gegenseitig kennenzulernen und in der Gruppe darüber zu entscheiden, wie der künftige Gemeinschaftsraum möbliert werden soll.

Ein weiterer Gemeinschaftsraum, der 63 Quadratmeter groß ist, steht allen Bewohnern des generationsübergreifenden Quartiers zur Verfügung. „Sie sollen sich dort treffen, gemeinsam frühstücken, Kaffeetrinken oder auch einen Film gucken“, sagt Irini Aliwanoglou. Auch für Feierlichkeiten und Veranstaltungen könne der Raum genutzt werden.

Als Ansprechpartner für die Bewohner steht außerdem ein Quartiersmanager zur Verfügung, der ein Büro vor Ort bezieht und sich um die Sorge und Nöte der Bewohner kümmern soll. Die können sich auch jederzeit an die Pflege SH wenden, wenn sie Betreuungs- oder Pflegebedarf haben. „Wir steigen immer dann ein, wenn ein entsprechender Bedarf besteht“, erläutert Irini Aliwanoglou. Einen Zwang, derartige Leistungen abzunehmen, gebe es nicht.

Auch haushaltsnahe Dienstleistungen wie eine Kinderbetreuung für Notfälle gehört zum Angebot – ebenso wie ein Mitfahrservice etwa zum Bahnhof oder zum Einkaufen. „Wir wollten eigentlich ein modernes Mobilitätskonzept verwirklichen und den Fahrdienst Moia beauftragen, aber der Landrat sperrt sich und gibt denen keine Lizenz für den Kreis“, sagt Hartmut Thede. Daher setze sein Unternehmen zunächst auf Sammeltaxis.