Pinneberg
Kreis Pinneberg

Abriss – das Ende des Kummerfelder Schandflecks

Die Ruine von Kummerfeld, das ehemalige Haus von Thea Schädlich an der Bundesstraße, wurde abgerissen. Das Grundstück soll nun bebaut werden.

Die Ruine von Kummerfeld, das ehemalige Haus von Thea Schädlich an der Bundesstraße, wurde abgerissen. Das Grundstück soll nun bebaut werden.

Foto: Arne Kolarczyk

Neuer Besitzer lässt ehemaliges Haus von Thea Schädlich abreißen. Fläche, durch Rechtsstreit deutschlandweit bekannt, wird bebaut.

Kummerfeld.  Die Ruine von Kummerfeld – sie ist Geschichte. Ein Bagger hat das ehemalige Haus von Thea Schädlich an der Bundesstraße eingerissen, das jahrelang als einer der Schandflecken des Ortes galt. Das etwa 7500 Quadratmeter große Grundstück, um das in der Vergangenheit ein Rechtsstreit mit bundesweiter Bedeutung tobte und das die Gemeinde einst an die unter Betreuung stehende alte Dame zurückgeben musste, wurde verkauft und soll bebaut werden.

„Ja, wir haben die Fläche erworben“, bestätigt Savas Ardic auf Abendblatt-Anfrage. Er will die Höhe des Kaufpreises für sich behalten. Der Kummerfelder, der gemeinsam mit seinem Bruder Namic den Autosalon „Yaans“ in Pinneberg betreibt, hat kurz vor Weihnachten damit begonnen, das Grundstück zu entrümpeln.

Die Ruine, die jahrelang das Ortsbild im negativen Sinne prägte, wurde dem Erdboden gleichgemacht, die rund um das Areal verlaufene Hecke weggenommen. „Wir wollen dort bauen, eine kleine Siedlung schaffen“, bestätigt der Investor. Ob selber gebaut oder ein Bauträger beauftragt wird, sei noch nicht entschieden. „Soweit sind wir noch nicht, erst einmal müssen wir mit der Gemeinde verhandeln.“

Vertrag musste rückabgewickelt werden

Die war selber einmal kurzzeitig Besitzer des Grundstücks. Im November 2005 erwarb die Gemeinde vom damaligen Betreuer der alten Dame für 337.500 Euro das Areal – gegen den Willen der entmündigten Besitzerin. Die engagierte den Anwalt Gunther Giese, der letztlich Ende 2006 vor dem Landgericht Itzehoe erreichte, dass der Vertrag rückabgewickelt werden musste. Das Abendblatt hatte damals mehrfach über den Fall berichtet und war dafür mit dem Wächterpreis ausgezeichnet worden.

Seit November 2018 gehört das Grundstück nun der Familie Ardic, die es vom jetzigen Betreuer Thea Schädlichs erworben hat. Der soll das Areal mehreren Interessenten zum Kauf angeboten haben, die Familie Ardic gab das höchste Gebot ab. Das Abendblatt hat den aktuellen Betreuer, einen Elmshorner Rechtsanwalt, mehrfach erfolglos kontaktiert, um mit ihm über den Fall zu sprechen. Das Amtsgericht Pinneberg als zuständiges Vormundschaftsgericht hat den Grundstücksverkauf nach Abendblatt-Informationen gebilligt – unter anderem deshalb, weil das Areal nur als Ganzes und nicht in Teilstücken verkäuflich war.

Ob Thea Schädlich zugestimmt hat, ist unklar. Sie muss mittlerweile 81 Jahre alt sein und soll in einem Elmshorner Pflegeheim leben. Vom Geld aus der Transaktion wird offenbar ihr Lebensunterhalt bestritten.

Bürgermeisterin: „Wir sind grundsätzlich gesprächsbereit.“

Die Gemeinde Kummerfeld, die beim abermaligen Grundstücksverkauf unter Umständen ein Vorverkaufsrecht hätte geltend machen können, hat darauf verzichtet. „Wir haben das in der Gemeindevertretung diskutiert, aber davon Abstand genommen“, bestätigt Bürgermeisterin Erika Koll. Nach ihren Angaben gibt es in der Gemeinde viele Gerüchte, was aus der Fläche werden soll. Fakt sei aber, dass die Gemeinde das Heft des Handelns in der Hand habe. „Wir müssen über das Grundstück einen Bebauungsplan legen, das geht nur mit unserer Zustimmung.“

Ein erster Vorschlag des neuen Eigentümers bezüglich der künftigen Bebauung habe nicht den Vorstellungen der Gemeinde entsprochen. Laut Investor Ardic waren 28 Wohneinheiten vorgesehen – in Reihen- und Einzelhäusern. Bürgermeisterin Koll hält dies für zu viel, die Bebauung für zu dicht. Sie betont aber: „Wir sind grundsätzlich gesprächsbereit.“ Dies gelte auch vor dem Hintergrund, dass die Gemeinde in der Nähe ein eigenes Grundstück besitze, das nur im Zusammenspiel mit der ehemaligen Fläche von Thea Schädlich sinnvoll verwertet werden könne.

Leerstehendes Altenzentrum in Kummerfeld hat ebenfalls neue Eigner

Erika Koll freut sich über den Abriss der Ruine und die Entrümpelung der Fläche. Die Gemeinde hat damit ein großes Problem weniger. Ein anderer Problemfall liegt schräg gegenüber an der Bundesstraße – und ist ebenfalls auf einem guten Weg hin zu einer Lösung. Das seit 2017 leerstehende Altenzentrum in Kummerfeld hat ebenfalls neue Eigner und soll einem Wohnpark weichen, bei dem pflegerische Angebote im Mittelpunkt stehen.

Geplant sind ein Pflegeheim, eine Tagespflege, ein Betreutes Wohnen, aber auch Familienwohnungen, eine Kita und Wohnangebote für die Mitarbeiter des Pflegeheims. Verantwortlich dafür sind die Senectus GmbH aus Hamburg sowie die Specht-Gruppe aus Bremen, die zusammen das 31.000 Quadratmeter große Areal von den Regio Kliniken erworben haben.