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Ex-Vorwärts-Chefin schreibt Liebeserklärung an Muttererde

Der Maulwurfhügel darf bleiben, weil der Maulwurf so wichtige Arbeit leistet: Die Journalistin Susanne Dohrn geht auch im eigenen Garten sorgsam mit dem Boden um.

Der Maulwurfhügel darf bleiben, weil der Maulwurf so wichtige Arbeit leistet: Die Journalistin Susanne Dohrn geht auch im eigenen Garten sorgsam mit dem Boden um.

Foto: Thomas Pöhlsen

In ihrem neuen Buch rückt die Tornescherin Susanne Dohrn „das geheime Leben unter unseren Füßen“ in den Fokus. Eine Erklärung.

Tornesch/Uetersen.  Wer Boden aufhebt, hat mehr Lebewesen zwischen den Händen, als Menschen auf der Erde leben. Sieben Milliarden Organismen, allerdings fast alle für das menschliche Auge nicht wahrnehmbar, sagt Susanne Dohrn. Mit ihrem neuen Buch rückt die Tornescherin etwas in den Fokus, über das wir so wenig wissen. „Das geheime Leben unter unseren Füßen“ lässt sie den Leser entdecken. „Der Boden“ ist ihr neues Buch betitelt. Der Boden: „Für manches ist es nur Dreck, aber es ist etwas sehr Wertvolles“, sagt sie.

Wer dieses Buch liest, wird das Erdreich anschließend mit anderen Augen sehen. Denn ob im eigenen Garten, unter Äckern und Feldern, Wiesen und Wäldern: Es ist der Boden, der dafür sorgt, dass der Mensch essen, atmen und sauberes Wasser trinken kann. Das ist noch nicht alles: Wie der Mensch mit der Welt unter den Füßen umgeht, ist für das Weltklima genauso entscheidend wie die Frage, womit Autos antrieben werden oder wie Strom produziert wird. Für sie hat das Buch „etwas Aufklärerisches.“

Susanne Dohrn, Jahrgang 1955, schildert anschaulich, wie Unkenntnis, Intensivlandwirtschaft und Bodenspekulation das faszinierende Zusammenspiel von Pflanzen und Tieren unter der Erde gefährden. Die Autorin, die Tornescher auch als SPD-Ratsfrau kennen, plädiert eindringlich dafür, dass Politik und Gesellschaft mit dieser wertvollen Ressource anders umgehen müssen. Sie belässt es aber nicht bei der Analyse des Ist-Zustandes, sondern gibt auch Hinweise, was der Einzelne tun kann. So wenig wie möglich zu versiegeln, das ist einer ihrer Ratschläge. Wer also eine Autoauffahrt für sein Haus braucht, sollte am besten keine Pflasterstein verlegen, sondern einfach über den Boden fahren.

Dohrn hat auch ein Herz für Maulwürfe

Wie die Autorin mit „Mutter Erde“ umgeht, zeigt sie auch auf ihrem Blog „Meine kleine Wiese“. So trägt sie etwa Maulwurfhügel nicht ab. Der Langmut mit der Arbeit des Insektenfressers wird im kommenden Frühling belohnt. Durch ihn werden Samen aus der Tiefe an die Erdoberfläche befördert. Der Gartenbesitzer kann sich dann wundern, welche Pflanzen plötzlich aus dem Erdreich sprießen. Und sie arbeitet in einer Gruppe von Torneschern, die eine Broschüre über die naturnahe Nutzung von Garten, Kleingärten und Balkonen erarbeiten.

Boden, das war bereits in ihrer Kindheit ein Thema, ohne dass sie sich allerdings darüber Gedanken machte. Es kam Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten auf den Tisch. Die Familie hielt sich auch zwei Schweine, außerdem Hühner und Enten. Diese Selbstversorgung und die Erfahrungen im Umgang mit der Natur hat Susanne Dohrn tief geprägt.

Doktorarbeit in England

Nach dem Abitur am Ludwig-Meyn-Gymnasium 1974 in Uetersen hat sich für die Tornescherin eine bunte berufliche Vita entwickelt. Anglistik- und Geschichtsstudium in Hamburg und London, Doktorarbeit in England, Redakteurin und Ressortleiterin bei der Frauen-Illustrierten „Für Sie“, Chefredakteurin eines Verlages für Sammelwerke und beim SPD-Parteiblatt „Vorwärts“. Neben ihrer Tätigkeit als Buchautorin arbeitet sie heute als freie Journalistin in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Kultur. Die Verbindung von Journalismus und Wissenschaft ist für sie der rote Faden ihrer Karriere.

Der Impuls, ein Buch zu schreiben, kam während eines Sommerurlaubs im Baltikum. Warum gibt es dort solch eine Blütenpracht, während in Deutschland diese Vielfalt nicht zu finden ist, fragte sich die Journalistin. Damals noch in Berlin lebend, hatte Susanne Dohrn die endlosen Monokulturen im Brandenburgischen vor Augen.

Ihr erstes Buch erschien Ende 2017

Es begann eine Recherche, irgendwann fiel die Entscheidung, ein Buch aus diesem gesammelten Wissen zu machen. Bei der Suche nach einem Verlag halfen die guten Kontakte aus der Zeit bei „Vorwärts“ in Berlin. Es erschien Ende 2017 „Das Ende der Natur“, Untertitel „Die Landwirtschaft und das stille Sterben vor unserer Haustür“. Das Werk verkaufte sich so gut, dass der Verlag einem zweiten Buch zustimmen. Die Idee, über ein gleichzeitig ungewöhnliches und doch so nahe liegendes Thema wie den Boden zu schreiben, faszinierte den Verlagsleiter.

In Diskussionen mit Experten genauso wie in Lesungen hat Susanne Dohrn das im Oktober 2019 erschienene Buch bereits vorgestellt. Nun präsentiert sie es erstmals in der Heimatregion, und zwar in der Uetersener Szenekneipe Taps. Der Gast muss keine trockene Lesung befürchten. Als Journalistin erfahren darin, komplizierte Zusammenhänge einfach und plausibel zu erklären, wird sie den Vortrag mit Illustrationen auflockern. Sie möchte mit ihrem Vortrag die Menschen zu einem anderen Umgang mit dem Boden inspirieren, denn: „Wer’s nicht versucht, hat schon verloren.“

Lesung: So 26.1., 15 Uhr, Uetersen, Pinnauallee 1, Eintritt frei