Pinneberg
Sven Hanson

Nach Rauswurf von Stadtwerke-Chef in Pinneberg – was nun?

Der Prostestmarsch der Pinneberger Stadtwerker.

Der Prostestmarsch der Pinneberger Stadtwerker.

Foto: Katja Engler / HA

Ratsversammlung verlängert Vertrag mit Sven Hanson nicht. Mitarbeiter und Verdi warfen ihm Versagen vor. Wie es jetzt weitergeht.

Pinneberg. Sven Hanson muss seinen Hut nehmen. Nach gut zweistündiger, teils sehr emotional geführter Diskussion hat die Pinneberger Ratsversammlung am Donnerstagabend unter Ausschluss der Öffentlichkeit entschieden, den Vertrag mit dem umstrittenen Stadtwerke-Geschäftsführer nicht zu verlängern.

Damit entsprach eine Mehrheit der Politiker einer Vorlage der Verwaltung, die genau das ausdrücklich vorschlug. Zuvor hatten rund 200 Stadtwerke-Mitarbeiter und Sympathisanten gegen Hansons Führungsstil demonstriert. Sie zogen vom Sitz der Stadtwerke über die Bahnbrücke und die Elmshorner Straße bis vor das Rathaus und nahmen dann im Ratssitzungssaal auf den Zuschauerstühlen Platz.

Hanson kommentiere interne Themen nicht

Hanson selbst wollte am Freitag „interne Themen wie diese nicht über Dritte oder die Presse“ kommunizieren oder kommentieren. Auch nicht, ob er seinen Vertrag bis zum Laufzeitende zu erfüllen gedenke. Der läuft noch bis zum 31. Juli 2021. Auch Bürgermeisterin Urte Steinberg äußerte sich offiziell nicht zu der Personalentscheidung, ebenso wenig dazu, wie es jetzt weitergeht. Nach Abendblatt-Informationen war das Verhältnis zwischen ihr und dem Stadtwerke-Geschäftsführer völlig zerrüttet. Die Bürgermeisterin soll seit 2018 mit Sven Hanson Gespräche geführt haben, es soll sogar professionelle Mediation eingeschaltet worden sein.

Im Ratssitzungssaal indessen ging es heiß her. Selbst die Fraktionsdisziplin wurde teilweise nicht mehr eingehalten, es kam zu harten, an der Sache orientierten Auseinandersetzungen. Am Freitag schwiegen die Politiker dazu, weil die Entscheidung ja hinter verschlossenen Türen gefallen war. Was sie darüber hinaus sagen, zeigt das Maß an kritischem Bewusstsein für das ganze Prozedere und die Folgen der Entscheidung.

Probleme seien lange nicht zur Politik gelangt

Joachim Dreher (Grüne/Unabhängige) verweist erneut darauf, dass „der Informationsfluss zwischen Aufsichtsrat und Hauptausschuss auf jeden Fall verbessert werden muss“. Auch müssten die Differenzen zwischen Kernverwaltung und Stadtwerken aufgearbeitet werden. Angela Traboldt (SPD) und Uwe Lange (Bürgernahe) äußerten sich nicht, und Florian Kirsch (CDU) nur zu der Eskalation des Problems: „Hätte der Hauptausschuss von den Problemen früher gewusst, hätte man möglicherweise zu einer Lösung kommen können, bevor sich die Fronten so verhärtet haben,“ sagt Kirsch.

Einzig Tafin Ahsbahs (Grüne/Unabhängige) wagt sich aus der Deckung. Er kritisiert das Verhalten der Gewerkschaft, „so Stimmung gegen eine Person zu machen. Bei Unstimmigkeiten im Betrieb hätte ich erwartet, dass mit einem allgemeinen Arbeitskampf, Arbeitsniederlegungen oder so etwas agiert würde. Hier hat ein ungleicher Kampf stattgefunden, den ich nicht gut finde.“

Prozesse vor Arbeitsgericht dauern an

Niemand habe ein strafrechtlich relevantes Verhalten seitens Sven Hanson vorweisen können. Ahsbahs: „Die Arbeitsgerichtsprozesse laufen ja noch, ich musste die Anschuldigungen also ignorieren. Das hat mir die Entscheidung extrem schwer gemacht. Für mich hatten die Angriffe die Qualität einer Hetzjagd.“ Die Debatte habe durch Medienberichte und das Vorgehen von Verdi „leider sehr unfair und fernab der Sachebene stattgefunden. Es wäre für uns als Politikerinnen und Politiker besser gewesen, uns ohne den recht einseitigen öffentlichen Druck damit auseinanderzusetzen. Ich hoffe, dass es für Herrn Hanson keinen nachhaltigen Schaden hat. Ich glaube, hier gibt es keine Gewinner.“

Zu dem Problem eines ruinierten Arbeitsklimas sagt Werner Mende (FDP), dass es „unheimlich schwierig ist, so ein Verhältnis noch 18 Monate zu überstehen“. Das meint auch die Gewerkschaft. Verdi-Sekretär Andreas Riedl sagt: „Der Geschäftsführer sollte unverzüglich aus dem Unternehmen abgezogen werden.“ Schnellstmöglich müsse ein Interimsgeschäftsführer her, kompetente Fachleute seien vor Ort. Für die Wahl eines Nachfolgers empfiehlt er „eine Findungskommission unter Beteiligung der Arbeitnehmer“. Laut Betriebsrat hat Sven Hanson allerdings keinen Stellvertreter.

Stadtwerke-Mitarbeiter sprechen am Freitag von "gelöster Stimmung"

Die Belegschaft, die im Foyer des Rathauses stehend auf das Ergebnis gewartet hatte, verzog sich schließlich ins Gasthaus, bis gegen halb neun die Entscheidung durchsickerte. Am Freitag, sagt ein Stadtwerke-Mitarbeiter, dessen Name der Redaktion bekannt ist, sei die Stimmung im Betrieb gelöst und euphorisch gewesen: „Aus der Belegschaft gibt es nun die klare Forderung, dass Herr Hanson kurzfristig abgesetzt wird, weil eine Weiterbeschäftigung für alle Beteiligten unzumutbar ist.“

Ein Ersatz müsse „Führungsqualitäten, Prozessdenken und ausgeprägte kommunikative Qualitäten“ mitbringen. „Wenn es eine neue Geschäftsführung ernst mit uns meint, wird ihr die volle Unterstützung mit allem Können und Fachwissen sicher sein, um das Schiff wieder unter volle Segel zu setzen.“

Dem Geschäftsführer des städtischen Unternehmens war wiederholt ein „katastrophaler Führungsstil“ und die „Drangsalierung von Betriebsräten“ vorgeworfen worden. Zum neuem Aufsichtsratsvorsitzenden der Stadtwerke wählte die Ratsversammlung Carl-Eric Pudor (CDU), sein Stellvertreter ist Gerhard Thomssen (SPD).