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So funktioniert die Lehrlingssuche im Jahr 2020

Auch in Bad Oldesloe (Kreis Stormarn) sind schon seit vielen Jahren regelmäßig Nachtschwärmer auf Berufe-Entdeckungstour.

Auch in Bad Oldesloe (Kreis Stormarn) sind schon seit vielen Jahren regelmäßig Nachtschwärmer auf Berufe-Entdeckungstour.

Foto: HA / Finn Fischer

Betriebe leiden unter dem Fachkräftemangel, Jugendliche haben die Auswahl: Da muss kreativ sein, wer Azubis für sich begeistern will.

Kreis Pinneberg.  Hunderte von Bewerbungen schreiben und am Ende auf die Gnade eines Firmenchefs hoffen – das war einmal. Die Spielregeln auf dem Arbeitsmarkt haben sich seit einigen Jahren gedreht, und zwar zu Gunsten der Bewerber. Die Unternehmen suchen händeringend Nachwuchs, um dem immer größer werdenden Fachkräftemangel zu begegnen. Dabei lassen sie sich allerhand einfallen. Zahlen Prämien, Bahnkarten und Führerscheine, nutzen die sozialen Medien, um Jugendliche anzusprechen.

Aber die erfolgversprechendste Methode sei aber immer noch die persönliche Ansprache, heißt es vonseiten der Arbeitgeber und Ausbildungsbetriebe in dieser Region. So sind Schulabgänger und Berufsanfänger wieder für Freitag, 7. Februar, eingeladen, zum Lehrstellen-Infotag nach Moorrege zu gehen, wo 51 Firmen mit ihren eigenen Lehrlingen um neue Auszubildende buhlen. Und wem Gehen zu anstrengend ist, der kann sich mit dem Bus direkt zum potenziellen Chef fahren lassen: Am Montag, 18. Mai, können Jugendliche bei der Nachtschwärmer-Jobtour in Elmshorn 25 Ausbildungsbetriebe aus nächster Nähe kennenlernen.

„Anfangs waren die Schulen die treibenden Kräfte für den Lehrstellen-Infotag, den wir zum 14. Mal organisieren“, sagt Uetersens Bürgermeisterin Andrea Hansen. „Heute ist es umgekehrt. Die Unternehmen drängen uns, an dieser Messe festzuhalten.“ Sie hat die Schau, die ihre Verwaltung mit drei Gemeinschaftsschulen in Uetersen, Tornesch und Moorrege organisiert, seinerzeit als Wirtschaftsförderin initiiert. Heute müsse sie beinahe die Lehrer überzeugen, mitzumachen, „weil ihre Schüler sich ihren Ausbildungsplatz aussuchen können“.

Die Unternehmen haben schon einiges ausprobiert. „Wir haben unseren Auszubildenden Prämien angeboten , die Busfahrkarte oder den Führerschein bezahlt“, sagt Christina Bichel-Riemer von Loll Feinmechanik in Tornesch. Nun nutze ihre Firma Facebook und Instagram, sagt die Ausbildungsleiterin. „Aber am besten funktionieren immer noch das persönliche Gespräch und die Mund-zu-Mund-Propaganda, wie sie eine Lehrstellen-Messe bietet.“ Diese Erfahrung bestätigt Olaf Pollak von der Hamburger Sparkasse. „Wir haben mit Prämien gar nichts erreicht. Die meisten Schüler interessieren sich für Ausbildungsplätze vor Ort, weil sie am liebsten hier in der Region bleiben möchten.“

Das sagt auch Knud Ave-Lallemant von der Gemeinschaftsschule Moorrege: „Unsere Schüler wollen nicht in die weite Welt hinaus. Sie wollen hier vor Ort bleiben.“ Darum interessierten sie sich am ehesten für Ausbildungsplätze in ihrer Nähe, von denen sie von ihren Eltern oder – noch besser – von ihren Freunden gehört hätten. „Die beste Werbung für uns sind die Auszubildenden, die gerade erfolgreich ihre Lehre abgeschlossen haben“, sagt Bichel-Riemer.

Dabei spiele auch das persönlichere Verhältnis in einem Familienbetrieb eine große Rolle, hat Christina Ossenbrüggen von dem gleichnamigen Feinwerktechnik-Unternehmen in Moorrege festgestellt. „Wir gehen auf die Schulen zu und suchen uns dort Praktikanten, die dann oft eine Ausbildung bei uns beginnen.“

Für Alice Hinrichs von der Arbeitsagentur sind Geldprämien ohnehin für diese meist 15 bis 17 Jahre alten Bewerber vernachlässigbar. „Für die meisten Berufsanfänger ist die Ausbildungsvergütung ja das erste Geld, das sie verdienen.“ Das sei dann für sie eine so große Summe, dass man sie nicht mit noch mehr Geld ködern müsse.

Die persönliche Ansprache und die Nähe vor Ort seien also das Wichtigste. „Darum ist diese Messe für uns so wertvoll“, sagt Pollak. „Wo sonst finden wir 1000 potenzielle Bewerber auf einen Schlag“, sagt Jan Heidecker von Kock Zerspanungstechnik aus Moorrege.

„Um die jungen Menschen heutzutage noch zu erreichen, schießen wir aus allen Rohren“, sagt Jörg Probst, Geschäftsführer bei Drei-D Direktwerbung in Elmshorn. Auch er besucht Messen, doch nun lädt er potenzielle neue Mitarbeiter zu sich ein – bei der Nachtschwärmer-Jobtour am 18. Mai. Die Veranstaltung beginnt um 17.30 Uhr, daher der Name. Angemeldete Schüler haben vorab die Möglichkeit, drei von 25 Unternehmen auszuwählen und Berufswünsche zu äußern. Zwei Wunschbetriebe werden jedem Teilnehmer zugeordnet. Dorthin geht’s mit dem Bus. „Das ist eine super Chance für die jungen Menschen, Praktikumsplätze, Ausbildungsstellen und duale Studienplätze direkt vor Ort zu vereinbaren und live die Unternehmen kennenzulernen“, sagt Anika Mayer von der Beruflichen Schule Elmshorn.

An 14 Schulen mit allen Abschlussarten wird das Projekt vorgestellt. Die Firmen präsentieren 40 Ausbildungsberufe und elf duale Studiengänge.

Lehrstellen-Infotag: Fr 7.1., 8–15 Uhr, Mehrzweckhalle An’n Himmelsbarg, Kirchenstraße 28, Moorrege

Nachtschwärmer-Tour: Mo 18.5., 17.30– 22 Uhr, Anm. bis 27.4. online unter www.jobtour-elmshorn.de