Pinneberg
Kreis Pinneberg

Zahl der schweren Verkehrsverstöße steigt an

Silke Dräger, Fachbereichsleiterin für Verkehrssicherheit beim Kreis, vor dem Laserblitzer in Schenefeld, der beidseitig an der LSE platziert ist und und in Richtung Pinneberg auch das Rotlicht überwacht.

Silke Dräger, Fachbereichsleiterin für Verkehrssicherheit beim Kreis, vor dem Laserblitzer in Schenefeld, der beidseitig an der LSE platziert ist und und in Richtung Pinneberg auch das Rotlicht überwacht.

Foto: Arne Kolacrzyk / Arne Kolarczyk

Kreis Pinneberg erlässt 5467 Bußgeldbescheide und 454 Fahrverbote gegen Raser und Rotlichtsünder – deutlich mehr als 2018.

Kreis Pinneberg. Die Zahl der schweren Verkehrsverstöße ist 2019 im Kreis Pinneberg erschreckend hoch. 10.876 Fälle hat die Bußgeldstelle des Kreises Pinneberg bearbeiten müssen, weil Autofahrer entweder deutlich zu schnell unterwegs waren oder einen Rotlichtverstoß begangen hatten. Daraus resultierten 5467 Bußgeldbescheide und 454 Fahrverbote. Zum Vergleich: 2018 wurden 4705 Bußgeldbescheide erlassen und 379 Fahrverbote verhängt.

Von „erschreckenden Zahlen“ spricht Silke Dräger, Fachdienstleiterin des Kreises für Straßenbau und Verkehrssicherheit. Ein Standort stach dabei besonders heraus: Schenefeld. An der LSE setzt der Kreis auf ein Gerät namens Poliscan-Speed, ein hochmoderner Laser-Blitzer, der auf Höhe des Stadtzentrums installiert ist. Zwei grau-silberfarbene Türme stehen unterhalb der Luninezbrücke in Richtung Pinneberg und in Richtung Hamburg. Das in Fahrtrichtung Pinneberg aufgestellte Gerät ahndet parallel die Rotlichtverstöße an der Fußgängerampel. Es ist die einzige Ampel im Kreis, die derart überwacht wird.

„An dieser Stelle war die Zahl der Verstöße von Beginn an hoch, sodass wir die Politik gebeten haben, eine zweite Kamera zu beschaffen“, so Dräger. Seit März 2019 werden nun beide Seiten rund um die Uhr überwacht, und auch der Rotlichtblitzer arbeitet ohne Pause. Dort gilt Tempo 50. 2019 waren an dieser Stelle 2831 Autofahrer mehr als 21 Kilometer pro Stunde zu schnell. Rekordhalter war ein Autofahrer, der an einem Dienstagabend um 23.23 Uhr mit Tempo 141 geblitzt wurde. Er muss eine Geldstrafe von 1500 Euro zahlen, drei Monate auf seinen Führerschein verzichten und erhält zwei Punkte in Flensburg.

Fußgänger auf den Blitzerfotos zu sehen

930 Autofahrer missachteten das Rotlicht der Fußgängerampel. Das sind 2,6 Fälle pro Tag. Für 138 Fahrer zeigte die Ampel länger als eine Sekunde Rot, beim Spitzenreiter waren es 25,5 Sekunden. Ihn erwarten ein Fahrverbot von einem Monat, 200 Euro Geldbuße und zwei Punkte in der Verkehrssünderdatei.

„Es handelt sich um eine Bedarfsampel. Wenn sie aktiviert wird, wartet ein Fußgänger auf grünes Licht, um die Straße zu überqueren“, sagt Dräger. Und sie sagt weiter: „Angesichts der hohen Zahl an Verstößen wundert es mich, dass an dieser Stelle so wenig passiert.“ Regelmäßig seien die Fußgänger auch auf den Blitzerfotos zu sehen – zum Teil dicht neben den durchfahrenden Autos.

Von den 3761 gravierenden Fällen, die 2019 von der Anlage dokumentiert wurden, mündeten 2008 in einen Bußgeldbescheid. In der Stadt an der Düpenau haben 36,7 Prozent aller 2019 im Kreis Pinneberg erlassenen Bußgeldbescheide ihren Ausgangspunkt.

Außerdem betreibt der Kreis sechs weitere stationäre Blitzer, die per Sensoren in der Fahrbahn funktionieren. Hierfür stehen weiterhin vier Kameras bereit, die zwischen den Standorten ausgetauscht werden. Alle sind derzeit in Betrieb. Aus diesen sechs Blitzern resultierten 2019 insgesamt 1510 Bußgeldbescheide, darunter 52 Fahrverbote. Die Hitliste dieser Standorte führt der Blitzer in Bilsen an (520 Bußgeldbescheide, 24 Fahrverbote), dicht gefolgt von Heede (515 Bußgeldbescheide, 19 Fahrverbote). Die wenigsten schweren Verstöße gab es in Bokholt-Hanredder mit nur sechs Bußgeldbescheiden. 2018 hatte dieser Standort noch für 128 Fälle im Bußgeldbereich gesorgt. Der höchste Wert wurde um 1.36 Uhr in Borstel-Hohenraden mit Tempo 116 gemessen, der Fahrer verfügte nicht über eine Fahrerlaubnis.

Auch mit einem mobilen Laserblitzer sorgen Kreis und Polizei, die Projektpartner im Bereich der Tempoüberwachung sind, für mehr Verkehrssicherheit. Diese Anlage blitzte 3688 Raser, was zu 1949 Bußgeldbescheiden und 78 Fahrverboten führte. Spitzenreiter war ein Autofahrer in Bönningstedt, der innerorts am Montag um 19.09 Uhr mit 136 Kilometer pro Stunde erwischt wurde. Er wird seinen Führerschein für drei Monate abgeben, ein Bußgeld von 1360 Euro zahlen müssen und zwei Punkte auf seinem Konto in Flensburg verbuchen.

Zu den Bußgeldverfahren kommen die geringfügigeren Verstöße (bis 20 Kilometer pro Stunde zu schnell innerorts), die mit einem Verwarngeld geahndet werden. Sie werden landesweit von der Zentralen Ordnungswidrigkeiten-stelle in Neumünster bearbeitet. Dort liegen für 2019 noch keine Zahlen für den Kreis Pinneberg vor.

Fünf Messangestellte stellt der Kreis, hinzu kommen, wenn benötigt, Polizisten. Die Bußgeldstelle wurde mittlerweile auf zwölf Mitarbeiter aufgestockt. Auf sie wird in diesem Jahr weitere Arbeit zukommen. „Wir werden im ersten Halbjahr eine neue Anlage für drei Monate ausleihen und testen“, erläutert Dräger. Es handelt sich um eine Blitzeranlage auf einem Anhänger. Solche Geräte können flexibel an wechselnden Standorten ohne die dauerhafte Anwesenheit von Personal betrieben werden. Der Kreis will die Anlage insbesondere in Tempo-30-Zonen, vor Schulen und Kitas sowie an Unfallschwerpunkten ausprobieren. Ein Vorteil ist, dass sie 24 Stunden lang einsatzbereit ist. Im dritten Quartal soll der Test ausgewertet und dann über den Kauf des 300.000 Euro teuren Geräts beraten werden. Dräger: „Die Politik hat dafür bereits Geld im Etat 2020 bereitgestellt.“