Pinneberg
Barmstedt

Müssen Stadtwerke 1,3 Millionen an IT-Dienstleister zahlen?

Anwalt Henning Stoffregen (v.l.) mit den beiden Klägern Olaf Lorenz und Oliver Jarmes.

Anwalt Henning Stoffregen (v.l.) mit den beiden Klägern Olaf Lorenz und Oliver Jarmes.

Foto: Burkhard Fuchs

Prozess der gekündigte Mitarbeiter gegen die Stadtwerke Barmstedt wurde mit erneuter Beweisaufnahme vor dem Landgericht Itzehoe verhandelt.

Barmstedt.  Das Interesse in Barmstedt ist groß an diesem Prozess. Doch nach erneuter, vier Stunden dauernder Beweisaufnahme vor dem Landgericht Itzehoe, die ein Stadtvertreter und ein Mitglied des Werkausschusses mitverfolgten, ist weiterhin ungewiss, ob die Stadtwerke Barmstedt ihrem ehemaligen, im August 2018 fristlos gekündigten IT-Dienstleister rund 1,3 Millionen Euro an ausstehendem Honorar zahlen müssen. Richter Grapow von der Zweiten Zivilkammer hat die Urteilsverkündung nun auf den 6. April festgelegt.

Olaf Lorenz und Oliver Jarmes, die beiden Geschäftsführer der Firma C319, haben viele Jahre als externe Mitarbeiter für die Stadtwerke in Barmstedt IT-Dienstleistungen erbracht. Lorenz war dabei sogar offiziell Leiter dieser Abteilung und konnte in dieser Funktion auch festangestellte Mitarbeiter delegieren. Beide klagen nun gegen die Stadtwerke, die Kündigung zurückzunehmen.

Ihr Vertrag wäre noch bis Ende 2022 gelaufen mit einer vereinbarten Mindestvergütung von 17.500 Euro netto im Monat. Barmstedts Werkleiter Fred Freyermuth begründete die Kündigung insbesondere mit angeblichen Unregelmäßigkeiten bei der Zeiterfassung der abgeleisteten Stunden der beiden C319-Chefs. Und so ging es bei der Befragung der Zeugen am Montagnachmittag auch vor allem darum, wie diese Arbeitsstunden bei den Stadtwerken erfasst wurden.

Eine Kronzeugin war dabei Heike Lorenz, die Ehefrau eines Klägers, die administrative Dienstleistungen im Auftrag der Stadtwerke freiberuflich ausführte. Auch ihr war im August 2018 fristlos von den Stadtwerken gekündigt worden, die im Juli 2019 vor Gericht wieder zurückgenommen wurde. Seitdem werde sie eher „schlecht als recht“ von den Barmstedter Stadtwerken wieder beschäftigt.

Heike Lorenz führte vor Gericht aus, dass sie bestimmte Korrekturen am Zeiterfassungssystem der Stadtwerke ausführte. Zwar sei die Anwesenheit der C319-Chefs mit elektronischen Stempelkarten festgehalten worden. Aber das Programm habe nicht fehlerfrei die Länge der Pausen abbilden können, die dann nachträglich per Hand hätten eingetragen werden müssen. So habe das System automatisch Pausenlängen vorgegeben, auch wenn diese gar nicht genommen wurden. Eine Aussage, die Jannik Rabe, der jetzt die IT-Leitung bei den Stadtwerken hat, im Kern bestätigte.

Die Korrekturen im Arbeitszeitsystem seien aber nachvollziehbar gewesen, so Rabe. Etwa wer, was, wann daran verändert habe. So sei er von Stadtwerke-Chef Freyermuth sogar beauftragt worden, dies für einen Zeitraum im Frühjahr/Sommer 2018 zu dokumentieren, was er auch getan habe.

Ob Richter Grapow diese Korrekturen als vorsätzliche Manipulationen wertet, die das Dienstleistungsverhältnis mit C319 so erschütterten, dass es fristlos beendet werden konnte, ist offen. Er hat aber bereits im Verfahren ausgeführt, dass ihm das „Dreiecksverhältnis“ zwischen Stadtwerken und dem Ehepaar Lorenz als problematisch erscheine.

Seltsam ist in diesem Fall auch das Verschwinden zweier Laptops, die den beiden C319-Chefs gehörten. Diese ließ Freyermuth, wie zwei Zeugen aussagten, am Tage der fristlosen Kündigung in einen Tresor schließen. Im Dezember 2018 waren die Geräte nicht mehr im Tresor. Wo sie sind, ist bis heute unklar. Zehn Mitarbeiter hätten den Code gekannt, so ein Zeuge. Freyermuth angeblich nicht.