Kreis Pinneberg

Zwei Kinobetreiber aus Quickborn trotzen Netflix und Co.

Bequemlichkeit first! Beim Ausbau des Beluga-Kinos Quickborn setzt Betreiber Kai Bartels (hier in einem der neuen Säle) auf gemütliche Sessel, in denen Cineasten nun nicht nur Blockbuster, sondern auch Spartenfilme mit hohem Sitzkomfort genießen können.

Bequemlichkeit first! Beim Ausbau des Beluga-Kinos Quickborn setzt Betreiber Kai Bartels (hier in einem der neuen Säle) auf gemütliche Sessel, in denen Cineasten nun nicht nur Blockbuster, sondern auch Spartenfilme mit hohem Sitzkomfort genießen können.

Foto: Burkhard Fuchs

Das Beluga-Kino erweitert auf sieben Säle. Künftig finden dort 444 Besucher Platz. Warum das auch in Zeiten von Streamingdiensten funktioniert.

Quickborn. Dieses Haus stemmt sich gegen den Zeitgeist. Obwohl Streamingdienste wie Netflix und Co. immer beliebter werden, wird das Beluga-Kino in Quickborn nun sogar erweitert und entwickelt sich immer mehr zu einem Großkino im Kreis Pinneberg. Momentan arbeiten die beiden Betreiber Kai Bartels und Bernd Keichel am Ausbau ihrer Kinoplätze für bald bis zu 444 Besucher.

Das 1999 gegründete Lichtspielhaus erstreckt sich jetzt über die gesamte obere Etage auf 1400 Quadratmetern im Geschäftshaus an der Güttloh, wo bis Ostern die neuen Säle sechs und sieben mit 38 und 36 Plätzen entstehen. 300.000 Euro investieren die Betreiber in diese Erweiterung, an der sie seit drei Jahren planen. Weitere 50.000 Euro würden in zusätzliche Brandschutztechnik der anderen fünf Säle gesteckt, sagt Bartels.

Der Kinoboom in Quickborn ist ungebrochen

Dabei ficht das zunehmende Konkurrenz-Angebot von TV-Streamingdiensten wie Netflix oder Amazon-Prime auf heimischen Fernsehern die Absichten der Betreiber nicht an. Der Kinoboom hierzulande sei ungebrochen. Bundesweit seien im Jahr 2019 mit 110 Millionen Besuchern 14 Prozent mehr Menschen ins Kino gegangen. „Wir konnten die Besucherzahlen im Beluga sogar um 20 Prozent steigern“, freut sich Bartels über das Wachstum.

Mit 130.000 Besuchern sei in Quickborn sogar ein neuer Besucherrekord erreicht worden. Auch hinter dem Burgkino in Uetersen liegt mit 110.000 Besuchern ein Rekordjahr. Mit inzwischen fünf Kinosälen betreiben Bartels und Keichel dieses Haus ebenso wie das City-Kino in Buxtehude (70.000 Besucher in drei Sälen in 2019). 90 Mitarbeiter beschäftigen sie in diesen drei Kinos. Allein der Disney-Film „Die Eiskönigin“ bescherte dem Beluga-Kino seit Mitte November 10.000 Besucher, berichtet Bartels. Die ersten drei Wochen lief der Animationsfilm in Quickborn in drei Sälen gleichzeitig. „Das gab es bei uns noch nie.“

Kino kann schneller reagieren

Mit den beiden neuen, kleineren Sälen sollen sogenannte Arthouse-, Kunst- und Nischenfilme schneller und zu normalen Anfangszeiten dem interessierten Kinopublikum gezeigt werden, erklärt Bartels. Hier könnten französische Komödien, von der Kritik gelobte englische Kunstfilme oder Nischenstreifen wie Radtour-Dokumentationen quer durch Indien ihr Publikum finden, ohne dass Blockbuster wie die Marvel-Filme, Star Wars, Herr der Ringe oder Harry Potter darunter leiden müssten. Die drei großen Säle mit 72 bis 152 Plätzen wären dafür zu groß. „Wir sind ja auch ein Wirtschaftsunternehmen und müssen unsere Mitarbeiter bezahlen“, sagt Bartels. Darum konnten bisher Filme, die eher cineastische Feinschmecker ansprechen, nur spät oder gar nicht laufen. Aktuelle Beispiele seien das Weltkriegsepos „1917“ oder „Judy Garland“.

Im neuen „Arthouse“-Saal 6 würde zudem mit bequemen Sesseln und Sofas nach Saal 5 eine zweite Kino-Lounge im Beluga eingerichtet, die auch für private Feiern mit Kinofilm-Vorführung gebucht werden kann. Dafür wird auch eine Garderobe und ausreichend Platz für ein Buffet eingerichtet.

Beluga ist anders als die anderen

„Wir sind anders als die anderen“, sagt Bartels zur Vielseitigkeit des eigenen Kino-Programms. Es reicht von der Liveübertragung einer Oper oder einer Ballett-Aufführung über eine Ladies-Night mit Strip-Show und Kindergeburtstagen bis hin zu Retrospektiven wie Edgar-Wallace-Krimi-Festivals oder „Der Lümmel von der ersten Bank“ mit Uschi Glas und Theo Lingen. „Wir machen eine Art Mix aus Mainstream und Programmkino, das einmalig in der Region ist.“

Es sei auch ein völlig anderes Programm als im Multiplex-Kino in Elmshorn, so Bartels. Darum kämen sie sich auch nicht in Quere. „Wir legen viel Wert auf das Persönliche und haben etwa dreimal so viel Personal je Kinobesucher wie die Großkinos. Im Grunde sind wir aber alle irgendwie Scharlatane. Wir machen buntes Licht und Schall.“

Besucher kommen aus dem gesamten Kreis Pinneberg, aber auch aus Hamburg

Das ist aber offenbar so unterhaltend, gut, bequem und brandschutzsicher, dass das Publikum ihnen seit Jahren die Bude einrennt. Besucher kommen aus dem gesamten Kreis Pinneberg, aber auch aus Hamburg-Schnelsen und Kaltenkirchen.

Das Quickborner Kinopublikum darf sich laut Betreibern auf die neueste Sound- und Brandschutztechnik freuen. Da die Säle jeweils einen eigenen Fußboden erhielten, werde es keine Schallübertragungen zwischen den Sälen geben , erklärt Bartels. Die Zwischenwände hielten dem Brandschutzstandard F90 stand, der besagt, dass es auf der einen Seite der Wand 90 Minuten mit 1000 Grad Celsius brennen könnte, bevor auf der anderen Seite ein Blatt Papier entflammt. „Wegen dieser Brandschutzauflagen hat die Planung auch so lange gedauert“, sagt Bartels. Aber genug von Neuerungen hat er deswegen noch nicht: Bis 2021 soll zudem in allen sieben Sälen das komplette Sitz-Mobilar erneuert werden.