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Das zweite Zuhause vieler Elmshorner Kinder

Justin Hands (22) arbeitet seit einem halben Jahr im Kinder- und Jugendhaus Krückaupark.

Justin Hands (22) arbeitet seit einem halben Jahr im Kinder- und Jugendhaus Krückaupark.

Foto: Torben Hinz

Nach dem Brand im Jahr 2017 und einjährigem Exil läuft Betrieb im Elmshorner Kinder- und Jugendhaus Krückaupark wieder normal. Ein Ortstermin.

Elmshorn. Nach dem Brand 2017 und dem anschließenden einjährigen Exil in der Anne-Frank-Gemeinschaftsschule läuft der Betrieb im Elmshorner Kinder- und Jugendhaus Krückaupark mittlerweile wieder in gewohnten Bahnen. 40 bis 50 Kinder und Jugendliche nehmen regelmäßig die kreativen und sportlichen Angebote wahr und kommen zum Klönen. Für viele von ihnen, so sagen sie, sei die Einrichtung wie ein zweites Zuhause.

Immer wieder umarmen die Kinder und Jugendlichen Kerstin Boos. Ein Ausdruck der Zuneigung, den die Besucher der kommissarischen Leiterin des Kinder- und Jugendhauses Krückaupark erweisen – aber auch ein Ausdruck dessen, was den Sechs- bis 25-Jährigen in ihrem sonstigen Umfeld häufig fehle, so Boos. An diesem Punkt kommen sie und ihr Team ins Spiel. „Wir leisten hier neben den kreativen und sportlichen Angeboten oder dem gemeinsamen Kochen ganz viel Beziehungsarbeit, geben Lebenshilfe“, sagt Boos. Dabei könnten sich die Kinder und Jugendlichen auf eines verlassen: „Wir arbeiten immer parteilich auf ihrer Seite und würden niemals ohne ihr Einverständnis Informationen weitergeben.“ Außerdem sei alles freiwillig, und es stünden die eigenen Stärken im Vordergrund. „Viele entdecken erst bei uns, was in ihnen steckt“, sagt Boos.

„Das ist einfach ein Rückzugsort für uns“, sagt zum Beispiel Bene, der gerade den Schokoriegel-Vorrat bei seiner Altersgenossin im hauseigenen Kiosk leergekauft hat und jetzt brüderlich mit den Anwesenden teilt. „Kerstin und die anderen sind die Besten“, sagt der Teenager.

Zu diesen anderen neun Mitgliedern des Teams Kinder- und Jugendarbeit der Stadt gehört seit Juli auch Justin. „Die Arbeit ist super“, sagt der 22-Jährige, der in seiner Freizeit als Football-Jugendtrainer bei den Elmshorn Fighting Pirates aktiv ist. Sein Ziel: „Die Kids dabei zu unterstützen, mit sich und anderen Menschen klarzukommen.“ Dazu seien viel Beziehungsarbeit und Vertrauen nötig, wobei die Action aber nicht zu kurz kommen dürfe, betont der Erzieher. Dass sein Ansatz ankommt, beweist der Ritterschlag von Teenagerin Jana: „Wir sind echt froh drüber, dass er bleibt“, sagt sie.

Insgesamt konnte das Team in diesem Jahr drei neue Kolleginnen und Kollegen begrüßen, darunter auch einen arabischsprechenden Quereinsteiger. „Das ist aufjeden Fall eine Bereicherung“, sagt Kerstin Boos, die sich über die Rückendeckung und Wertschätzung ihrer Chefin Heike Rosemann, Leiterin des Amtes für Kinder, Jugend, Schule und Sport, freut. „Sie ist wirklich auf unserer Seite und unterstützt uns, wo es geht“, sagt Boos.

Jugendliche fühlen sich von Eltern und Schule überfordert

Das ist auch ganz im Interesse des Ersten Stadtrates Dirk Moritz. Er sagt: „Nichts ist wichtiger als unser Nachwuchs.“ Das Kinder- und Jugendhaus Krückaupark bilde dabei einen zentralen Baustein der Kinder- und Jugendarbeit. „Deswegen haben wir auch dafür gesorgt, dass es nach dem Brand im Sommer 2017 schnellstmöglich saniert wurde.“ Dabei gebühre auch dem Team des Jugendhauses, den Kindern, Jugendlichen und Eltern herausragender Dank. Sie hätten sich mit großem persönlichem Einsatz eingebracht, zum Beispiel beim Streichen der Wände. „Das zeigt, wie wohl sich die Kinder und Jugendlichen fühlen und was für eine tolle Arbeit unser Team leistet“, so Moritz.

Ins Kinder- und Jugendhaus kommen im Schnitt 40 bis 50 Stammgäste, schätzt Erzieher Bernd Schaarschmidt. Der 57-Jährige mit rund 30 Jahren Erfahrung in der Kinder- und Jugendarbeit stellt vermehrt fest, dass der Nachwuchs heute hohen Ansprüchen genügen muss. Auf den Kindern und Jugendlichen laste viel Druck durch hohe Erwartungen, manchmal auch durch Überforderung in Elternhaus und Schulen. Oder sie litten – ganz im Gegenteil – unter zu wenig Aufmerksamkeit. Generell „ist es schon schwieriger geworden“, sagt Schaarschmidt. Freitagabends ist er mit seinen Kollegen vom Awo Stromhaus auch draußen als Streetworker unterwegs.

Die allgemeine Entwicklung schlage sich in der konkreten Arbeit des Kinder- und Jugendhauses Krückaupark nieder, sagt Kerstin Boos. Die Aufmerksamkeitsspanne sei heute sehr gering, viele Kinder und Jugendliche könnten keine Knoten machen, die Uhr nicht lesen und auch nicht auf einem Bein stehen oder eine Vorwärtsrolle vollführen. Und auch „der Umgangston ist sehr verroht“, sagt Boos. „Dem versuchen wir entgegenzuwirken – und das gelingt uns zumindest hier in den Räumlichkeiten ganz gut.“ Ganze Sätze, Bitte und Danke seien Pflicht. „Da können wir auch echt penetrant sein.“ Sollte es einmal nicht anders gehen, bleibt als letztes Mittel ein vorübergehendes Hausverbot. „Das Schöne ist: Sie kommen danach wieder“, sagt Boos. „Wir sind nicht nachtragend.“

Das Kinder- und Jugendhaus Krückaupark ist montags, dienstags und donnerstags von 15 bis 20 Uhr für alle geöffnet, mittwochs von 15 bis 18.30 Uhr für Sechs- bis Zwölfjährige und freitags von 15 bis 21 Uhr für Jugendliche ab 13 Jahren. Kinder unter zwölf Jahren dürfen bis 18 Uhr bleiben. Neben täglicher Unterhaltung wie Billard, Tischtennis, Kicker, Playstation, Klettern oder schlicht Toben gibt es auch betreute Angebote wie Töpfern für Kinder, gemeinsames Kochen, Fußball oder Tanzen. Zudem organisiert das Team zehn Wochen Ferienprogramm im Jahr, Freizeitfahrten, Ausflüge, Reit- und auch Malprojekte