Pinneberg
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Nach 26 Jahren: Der König von Moorrege dankt ab

Bürgermeister Karl-Heinz Weinberg, hier vor Schloss Düneck, hat die Gemeinde Moorrege auf Expansionskurs gehalten. In seiner Amtszeit wurden zahlreiche neue Baugebiete ausgewiesen.

Bürgermeister Karl-Heinz Weinberg, hier vor Schloss Düneck, hat die Gemeinde Moorrege auf Expansionskurs gehalten. In seiner Amtszeit wurden zahlreiche neue Baugebiete ausgewiesen.

Foto: Cornelia Hösch / HA

Karl-Heinz Weinberg kündigt seinen Rücktritt an, er will sein Bürgermeisteramt im März niederlegen. Wird ein Ex-Rektor sein Nachfolger?

Moorrege. Der letzte Dorfpatriarch im Kreis Pinneberg tritt ab. Karl-Heinz Weinberg hat seinen Rücktritt als Moorreger Bürgermeister angekündigt. Zur nächsten Gemeinderatssitzung stellt der Christdemokrat sein Amt zur Verfügung. Dann stand er knapp 26 Jahre an der Spitze der Kommune. „Ich gehe mit einem guten Gefühl. Die Gemeinde ist wirtschaftlich stabil aufgestellt“, sagt er.

Nach der Kommunalwahl 2018 habe er sich vorgenommen, nach zwei Jahren das Amt abzugeben, so der 76-Jährige. Damals verlor die CDU mit Weinberg an der Spitze die absolute Mehrheit, regiert seitdem in einer Allianz mit den Grünen. Aus dem Stand wurde die Freie Wählergemeinschaft Moorrege (FWM) zweitstärkste Fraktion im Gemeinderat. Bei den Freien engagieren sich einige ehemalige christdemokratische Politiker, die im Streit mit Weinberg und dem Fraktionsvorsitzenden Georg Plettenberg die Partei verlassen hatten.

Unterstützung für Nachfolger? Grüne warten Gespräche ab

Mit Weinberg scheidet auch sein jahrzehntelanger Wegbegleiter Plettenberg aus dem Gemeinderat aus. Den Fraktionsvorsitzenden bezeichnete er einst als „meine graue Eminenz“. So ist der stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Gemeindeverbandsvorsitzende Jan Schmidt zum neuen starken Mann in der CDU geworden. „Karl-Heinz Weinberg hat viel für Moorrege getan. Er wird uns fehlen“, sagt Schmidt.

„Karl-Heinz Weinberg hat Moorrege geprägt. Das hat er gut gemacht“, sagt Jochen Kuik von den grünen Allianzpartnern, der auch daran erinnert, dass seine Partei früher eher politischer Gegner Weinbergs war. Kuik verweist auf die CDU-Landtagsabgeordnete Barbara Ostmeier, die zu Weinbergs Bürgermeisterjubiläum vor einem Jahr angemerkt hatte, er müsste noch an seiner Kompromissfähigkeit arbeiten. Das hatte die Hetlingerin wohl scherzhaft gemeint.

Lob und Kritik für Weinberg kommt auch aus den Reihen der Opposition. „Ich habe immer seinen großen Arbeitseinsatz für die Gemeinde geschätzt“, sagt FWM-Fraktionsvorsitzender Michael Adam. Er attestiert dem Bürgermeister aber auch „mangelnde Kommunikationsfähigkeit“. So habe der Bürgermeister mit einem Investor per Handschlag die Ausweisung eines Baugebietes vereinbart, danach aber nicht erklärt, warum Dinge gemacht werden, wie sie gemacht werden.

Einen Nachfolger haben die Christdemokraten bereits ausgeguckt. Jan Schmidt wird Wolfgang Balasus vorschlagen. „Ich bin gefragt worden und habe nach reiflicher Überlegung zugesagt“, sagt der. Balasus ist vielen Menschen im Großraum Uetersen als ehemaliger Rektor der Rosenstadtschule bekannt. Er war fast 30 Jahre Schulleiter, vor der Stelle in Uetersen in Tornesch an der Realschule. 2016 ist er in den Ruhestand verabschiedet worden.

Der Moorreger, der mit Ausnahme der Studienzeit immer im Dorf gelebt hat, verfügt auch über Verwaltungserfahrungen. Vor dem Lehrerstudium absolvierte er im damaligen Amt Moorrege eine Verwaltungsausbildung und arbeitete dort als Angestellter. Sechs Jahre war er in der Behörde tätig, die heute Amt Geest und Marsch Südholstein heißt. Aktuell engagiert sich Balasus für die CDU als bürgerliches Mitglied im Finanzausschuss der Gemeinde. Er ist nicht Mitglied im Gemeinderat, muss erst für Weinberg oder Plettenberg nachrücken.

„Wolfgang Balasus ist ein sehr guter Mann“, steht für Jan Schmidt fest, der auch CDU-Ortsverbandsvorsitzender in Moorrege ist.

Einen Freifahrtschein stellen die Allianzpartner von den Grünen dem Bürgermeisterkandidaten nicht aus. „Wir werden Gespräche mit der CDU führen“, sagt Jochen Kuik. Für seine Fraktion sind die Sachthemen entscheidend. Kuik spricht sich für die Kindergartenerweiterung und den Neubau der Gemeinschaftsschule aus. Den Schulneubau hatte die CDU unter Weinberg und Plettenberg noch vehement abgelehnt. Außerdem will Kuik ausloten, was in Sachen Verkehrswende und Ökologie vor Ort möglich ist.

Beim Neujahrsempfang will sich Weinberg erklären

Bei der Opposition hält man sich mit Einschätzungen noch zurück. Über den „Dorffunk“ habe er bereits gehört, dass die CDU Balasus aufstellen will, sagt der FWM-Fraktionssprecher Adam. Seine Fraktion habe noch nicht besprochen, wie sie sich positioniert.

„Im Amt Geest und Marsch Südholstein sind noch keine offiziellen Rücktrittsschreiben eingegangen“, sagt Amtsdirektor Rainer Jürgensen. Sie sind Voraussetzung für das Nachrücken von Balasus und seine mögliche Wahl. Den Bürgern will sich der Bürgermeister während des Neujahrsempfanges der Gemeinde am Sonntag, 19. Januar, von 11 Uhr an in der Mehrzweckhalle An’n Himmelsbarg (Kirchenstraße 28) erklären. Der Moorreger Gemeinderat tagt das nächste Mal am Mittwoch, 25. März, von 20 Uhr an im Restaurant Grande Sukredo (Kirchenstraße 28).