Pinneberg
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Die Ruine vom Pinneberger Rehmenfeld

Ein Bild, das den Betrachter schaudern lässt: das ehemalige DRK-Heim, fotografiert mit einem kontrastverstärkenden Filter.

Ein Bild, das den Betrachter schaudern lässt: das ehemalige DRK-Heim, fotografiert mit einem kontrastverstärkenden Filter.

Foto: Nico Binde / HA

Zerbrochene Scheiben, Graffiti, Partys: Das ehemalige DRK-Altenheim ist innerhalb kurzer Zeit völlig verkommen. SPD verlangt mehr Sicherung.

Pinneberg. Vor fünf Jahren, als die Flüchtlingskrise akut drängte und das ehemalige DRK-Heim am Fahlt kurzzeitig als Unterkunft für Geflüchtete ins Gespräch kam, hieß es noch, „das Haus ist in bemerkenswert gutem Zustand“. Heute wirkt diese Aussage wie der maximale Kontrast zur Wirklichkeit. Denn aus dem Haus in bemerkenswert gutem Zustand ist eine Ruine in enorm bedauernswertem Zustand geworden – Graffiti, eingeschlagene Scheiben, Geisterhausanmutung. Aussicht auf Besserung? Vorerst nicht.

Inzwischen hat die Verwahrlosung des Geländes für die Sozialdemokraten der Stadt ein so beunruhigendes Ausmaß erreicht, dass sie fordern, das Gelände anständig und nachhaltig zu sichern. Zumindest bis zum Abriss. Denn das 1964 gebaute Haus, in dem lange Zeit bis zu 120 Senioren lebten, soll einem Neubau mit 30 geförderten Wohnungen weichen. Studenten oder junge Erwachsene in der Ausbildung sollen dort einziehen. Irgendwann.

Hintergrund für den Aufschub: Das Ex-Heim des DRK ist in der Warteschleife des gesamten umliegenden Baugebiets „Rehmenfeld“ gefangen. Die Planungen für das Gebiet, in dem insgesamt 300 neue Wohnungen entstehen sollen, werden nämlich erst fortgesetzt, wenn ein Verkehrsgutachten feststellt, dass diese Zahl für die Straßen zu verkraften ist. Am 21. Januar wird es dem Stadtentwicklungsausschuss präsentiert.

Bis dahin, empört sich ein Facebook-Eintrag der Pinneberger SPD-Fraktion, ist und bleibt das Heim ein „Lost Place“ – ein vergessener Ort der Stadt. „Es zerfällt zusehends zur Ruine“, schreiben die Sozialdemokraten. „Das Gebäude ist nur durch ein ,Betreten verboten‘-Schild gesichert. Es gibt keinen Zaun, die Türen sind nur angelehnt, innen überall Graffiti. Ein Gelände, auf dem eigentlich einmal Wohnbau stattfinden soll.“ Das Haus sei ein gefährlicher Ort für Kinder geworden. „Wir haben die Stadtverwaltung deshalb informiert und erwarten, dass der Zugang zum Gebäude schnellstmöglich gesichert wird!“

Dabei war der Abrisskandidat nicht immer eine „Problem-Immobilie.“ Dazu ist das Heim erst geworden. Nachdem die Kreisstadt dem DRK das Gelände vor fast 60 Jahren überlassen hatte, steht das Haus seit 2012 leer, weil die Senioren ausblieben, die die 72 Zimmer im Erdgeschoss und die 22 im ersten Stockwerk bewohnen sollten. 2015 flammte dann ein Rechtsstreit über die Rückkehr des Areals in das Eigentum der Stadt auf. Es ging um den Wert. Erst mit einem Vergleich konnte dieser Zwist beigelegt werden – seit 2016 besitzt Pinneberg wieder das Gelände.

Seit die Stadt Eigentümerin ist, hat sich das Bild des ehemaligen Seniorenheims aber komplett gewandelt. Die Markisen flattern mittlerweile zerfetzt im Wind, eingeschlagene Scheiben sind notdürftig mit Brettern verrammelt, die aufgestellten Schilder mit der Aufschrift „Betreten verboten“ werden großzügig ignoriert. Der „Broken-Window-Effekt“, der besagt, dass auf eine kaputte Scheibe eines verlassenen Hauses bald viele andere folgen werden, ist beim ehemaligen DRK-Heim in Pinneberg zu besichtigen.

Verwaltung weiß offenbarvon regelmäßigen Einbrüchen

Die SPD-Fraktionsvorsitzende Angela Traboldt sagt nicht grundlos, „es halten sich inzwischen oft Jugendliche auf dem Gelände auf“. Anscheinend habe sich herumgesprochen, dass das Haus leicht zugänglich sei. Sogar Partys soll es in dem verlassen Haus schon gegeben haben.

Um diesem Treiben nun Einhalt zu gebieten und manche Jugendliche vor sich selbst zu schützen, sieht die Politikerin die Stadt in der Pflicht. Bis „Nägel mit Köpfen“ bei der Planung des umliegenden Wohngebiets gemacht werden und das Heim abgerissen wird, reichten keine Schilder. „Das ganze Gelände muss gesichert werden.“

Das sieht auch Carl-Eric Pudor (CDU), Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses, so. „Bei Gebäuden auf Grundstücken, die der Stadt gehören, hat die Stadt auch eine Sicherungspflicht“, sagt er. Im Ausschuss soll deshalb auch über den Antrag der SPD entschieden werden, das Gelände entschlossener zu sichern.

Die Stadtverwaltung selbst habe bisher noch nichts von den politischen Begehrlichkeiten gehört, lässt das Bauamt über die Stadtsprecherin Maren Uschkurat ausrichten. „Das Gebäude wird, seitdem die Stadt Eigentümerin ist, gesichert und regelmäßig kontrolliert“, sagt sie. Und weiter: „Die Sicherungsmaßnahmen werden nach Aufbrüchen sofort wieder erneuert.“

Damit gestehe die Stadt immerhin ein, dass sie von Einbrüchen in das leer stehende Haus wisse, sagt Angela Traboldt. Sie könne umso weniger verstehen, warum die Verwaltung weiter nur Schadensbegrenzung betreibe, statt das Haus wirklich zu sichern. Doch im Rathaus ist man anscheinend schon weiter mit der Planung und investiert nicht mehr zu viel Energie in die Schrottimmobilie. Denn, so sagt Maren Uschkurat: „Das Gelände soll nach dem Inkrafttreten des Bebauungsplanes Nr. 150 veräußert werden.“

Die Vermarktung des Grundstücks, das mit der Nähe zum Fahlt attraktiv für viele Wohnbauinvestoren sein dürfte, hat in den Köpfen der Stadtverwaltung wohl schon begonnen.