Agenda 2020

Schenefeld macht Schulen und Stadtkern schick

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Arne Kolarczyk
Schenefelds Bürgermeisterin Christiane Küchenhof will mit den Bürgern über den neuen Stadtkern ins Gespräch kommen.

Schenefelds Bürgermeisterin Christiane Küchenhof will mit den Bürgern über den neuen Stadtkern ins Gespräch kommen.

Foto: HA

Stadt bringt unter anderem 42-Millionen-Euro-Sanierung des Schulzentrums Achter de Weiden auf den Weg. Was ansonsten geplant ist.

Schenefeld. Im Jahr 2020 arbeitet Schenefeld weiter an seiner Zukunft. Der Rahmenplan für den Stadtkern soll nun öffentlich ausliegen, der Architektenwettbewerb für das Schulzentrum der Zukunft starten. Und auch alle Bürger können vermutlich mitbestimmen – über die Frage, ob Schenefeld eigene Stadtwerke gründet oder nicht. Zu diesem von der Ratsversammlung mit knapper Mehrheit beschlossenen Vorhaben läuft aktuell ein Bürgerbegehren.

Gorch-Fock-Schule: Eigentlich sollte der Anbau an die Gorch-Fock-Schule, der eine Mensa sowie Räume für die nachschulische Betreuung enthalten wird, bereits nach den Sommerferien 2018 fertiggestellt sein. Die Arbeiten begannen jedoch erst im März 2019.

Die Arbeiten sollen laut dem aktuellen Zeitplan im März 2020 abgeschlossen werden. Die Kosten werden auf 2,3 Millionen Euro taxiert. Zweimal kam es zu Schäden durch Vandalismus, das neu gemachte Dach wurde aufgeschnitten, und Wasser drang in den Baukörper ein. Die Stadt hat die Polizei eingeschaltet. In den Sommerferien werden die letzten vier Klassenräume modernisiert.

Stadtkern: Der vielfach kritisierte Siegerentwurf des städtebaulichen Wettbewerbs für den neuen Stadtkern, der von der Architektengemeinschaft Bernd Müller und Kerstin Liesecke aus Hannover stammt, wurde 2019 noch einmal überarbeitet und angepasst. Mit Einigem, etwa der massive Bebauung entlang der LSE, haben sich die Politiker nach anfänglichem Zögern angefreundet. So sieht der neue Plan eine viergeschossige Bebauung entlang der LSE vor, die zur Düpenau hin auf drei Etagen abfällt.

Voraussichtlich im März wird der geänderte Rahmenplan öffentlich ausgelegt. Den abschließenden Beschluss dazu soll die Ratsversammlung voraussichtlich im Juni fassen. Vorher will Bürgermeisterin Christiane Küchenhof alle Bürger im vierten Info-Brief auf das Projekt einschwören. Er ist fertig und wird derzeit an alle Haushalte verteilt.

„Unser Modell zum Stadtkern wird derzeit überarbeitet. Wir wollen den Entwurf auch in einer Ausstellung präsentieren und freuen uns über Rückmeldungen aus der Bevölkerung“, sagt Küchenhof. Das könnte am Donnerstag, 30. Januar, ab 18.30 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses geschehen, wenn die Stadt den Stand des Projektes während einer öffentlichen Veranstaltung präsentiert.

Ab Februar ist dazu eine Ausstellung im Foyer des Rathauses geplant. Ende des Jahres könnte auch der notwendige hochbauliche Wettbewerb für das geplante Bürgerzentrum beginnen und die Suche nach einem Sanierungsträger für das Projekt, für das Fördergelder im Rahmen des Städtebauförderprogramms fließen, forciert werden.

Schulzentrum: 42 Millionen Euro sollen Sanierung und Umbau des Schulzentrums Achter de Weiden kosten. Das hat die Ende September 2019 vorgelegte Machbarkeitsstudie ergeben. Bis Ende 2025 soll der Altbestand während des laufenden Betriebs komplett saniert und ein Neubau errichtet werden, der dann von Gymnasium und Gemeinschaftsschule gemeinsam genutzt wird. Damit das klappt, soll 2020 ein Architektenwettbewerb ins Leben gerufen werden.

Falls der Siegerentwurf noch in diesem Jahr vorliegt, würden die umfassenden Veränderungen in dem in den 70er-Jahren errichteten Komplex erstmals im Modell sichtbar. Fünf Bauabschnitte haben die Projektsteuerer angedacht, die Bauzeit selbst würde fast vier Jahre betragen. Mit dem Baubeginn wird Anfang des Jahres 2022 gerechnet, der Bauantrag könnte Mitte 2021 gestellt werden. Zum aktuellen Stand ist eine öffentliche Abendveranstaltung mit dem beauftragten Planungsbüro am Mittwoch, 29. Januar, im Forum Achter de Weiden vorgesehen. Die Uhrzeit steht noch nicht fest.

Stadtwerke: SPD und Grüne haben im Juni 2019 in der Ratsversammlung mit Ein-Stimmen-Mehrheit durchgesetzt, dass Schenefeld eigene Stadtwerke gründen soll. FDP-Mann Kai-Uwe Harms hat dagegen Ende September ein Bürgerbegehren eingereicht und sammelt fleißig Unterschriften – etwa wieder am 11. Januar im Stadtzentrum Schenefeld. Sollten genügend zusammenkommen, dürfte es zu einem Bürgerentscheid kommen, bei dem dann alle Schenefelder abstimmen dürfen. Ein Termin könnte im Juni oder im September sein.

Untergeschoss Sporthalle: Das ehemalige Sportrestaurant ist seit Januar 2016 verwaist, der Festsaal nach dem Bruch eines Abwasserrohres seit Mai 2016. Im Mai 2019 hat die Stadt den 1200 Quadratmeter großen Problembereich im Untergeschoss der Sporthalle Achter de Weiden zur Verpachtung ausgeschrieben – und stand kurz vor der Vertragsunterzeichnung mit einem Gastronomen. Nur noch der Finanzausschuss hätte zustimmen müssen. Hätte. Denn wenige Tage vor der Sitzung hat der Interessent zurückgezogen. „Das ist sehr schade, weil es viele gute Gespräche gab“, sagt Bürgermeisterin Küchenhof. Und weiter: „Jetzt sind wir genauso schlau wie zuvor.“ Sie will nun nochmals die aus Kommunalpolitikern bestehende Arbeitsgruppe einberufen, um über das weitere Vorgehen zu beraten.

European XFEL: Auf dem Forschungsgelände European XFEL an der Holzkoppel wurde 2019 die Kantine fertiggestellt und auch eingeweiht. Im Oktober fiel der Startschuss für den Bau des Gästehauses, der um mehrere Jahre nach hinten verschoben worden war. Die Baukosten liegen bei knapp sieben Millionen Euro. Das Gebäude umfasst 58 Betten in 55 Zimmern und soll 2021 bezugsfertig sein.

Es wird vier Stockwerke haben und in Sichtweite des Betriebsrestaurants „Beamstop“ gebaut. 2020 soll sich ein Architektenwettbewerb mit der Gestaltung des Gebäudes, ein zweiter Wettbewerb mit dem Konzept für die Anlage befassen. Baubeginn für das langersehnte Besucherzentrum wäre dann vermutlich 2021.

Ehemaliger Spar-Parkplatz: Die Stadt will auf der Fläche am Osterbrooksweg, die eigentlich für den neuen Betriebshof der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) vorgesehen war, mehrere kleine Firmen ansiedeln. 2015 hat die Stadt den ehemaligen Parkplatz der Spar-Zentrale für 1,9 Millionen Euro erworben.

Weil unter der Fläche eine alte Mülldeponie liegt, ist die künftige Nutzung nicht einfach. In diesem Jahr sind weitere Bodenuntersuchungen geplant, 2021 könnte Baurecht vorliegen und Ende des Jahres eventuell der erste Spatenstich für die Erschließung erfolgen. Küchenhof ist sicher, die Flächen vermarkten zu können.

Noch lieber wäre es ihr und den Kommunalpolitikern gewesen, die VHH wäre dorthin umgezogen. Das Unternehmen setzt jedoch weiter auf die von ihr erworbene Fläche der im August 2017 durch ein Großfeuer zerstörten Sportwelt Schenefeld. Auf der Fläche zwischen Blankeneser Chaussee, Holzkoppel und Osterbrooksweg soll ein Teil des neuen Betriebshofs gebaut werden, der andere Teil soll durch eine komplette Neustrukturierung des bisherigen Betriebshofs am Osterbrooksweg entstehen.

Die Baubehörde des Kreises hat eine Bauvoranfrage der VHH abgelehnt, weil die Stadt eine Veränderungssperre erlassen hat. Die VHH haben Kreis und Stadt deswegen vor dem Verwaltungsgericht in Schleswig verklagt. Ob die Klage 2020 verhandelt werden kann, ist zweifelhaft.

Sportplatz Blankeneser Chaussee: Einer der Grandplätze soll zugunsten einer Kita geopfert werden. So der Plan, der 2020 weiter konkretisiert werden soll. Er ist in den Bebauungsplan 86 (Blankeneser Chaussee) gemündet. Den entsprechenden Aufstellungsbeschluss hat der Stadtentwicklungsausschuss am 12. September 2019 gefasst, die Ratsversammlung hat ihn Ende September bestätigt.

Offener Ganztag: Am Schulzentrum, bestehend aus Gymnasium und Gemeinschaftsschule, startet zum Schuljahr 2020/2021 ein verlässliches Ganztagsangebot. Das haben die Kommunalpolitiker beschlossen, obwohl die Stadt dafür mehr als 100.000 Euro pro Jahr bezahlen muss und es sich um eine freiwillige Leistung handelt, die in finanziell knapper Zeit weh tut.

Fama Schenefeld: Im Eckbereich Kiebitzweg/Buchsbaumweg/Ebenholzweg soll ein Seniorenwohnpark errichtet werden, der an das Fama in Lurup angegliedert werden soll. Die Politik hat 2018 die grundsätzliche Bereitschaft erklärt, dass Investor Arnold von Mallesch auf dem brachliegenden, 4000 Quadratmeter großen Grundstück baut. 2019 stimmte der Investor Änderungen an den Planungen zu, so sollen zusätzlich zu einer Tiefgarage auch über der Erde Parkflächen entstehen, zudem würde der Gebäudekörper gedreht werden.

Etwa 45 Service-Wohnungen für Senioren will der Investor am Kiebitzweg ganz in der Nähe des Stadtzentrums errichten. Geplant sind Wohngruppen, Gemeinschaftsräume, eine integrierte Tagespflege, eine Dachterrasse und eine Tiefgarage.

Am 23. Januar wird sich der Stadtentwicklungsausschuss mit dem Projekt befassen. Eventuell kann dann der Entwurfs- und Auslegungsbeschluss für den B-Plan gefasst werden. Der Abschluss des Bauleitplanungsverfahrens ist für den Sommer vorgesehen, Baubeginn wäre frühestens im Herbst.

Hof Harder: Der ehemalige Bauernhof auf der Ecke Dorfstraße/In de Masch wird abgebrochen und durch eine Wohnanlage mit drei Mehrfamilienhäusern (etwa 45 Einheiten) ersetzt. Der B-Plan 83 a ist rechtskräftig, der Bauantrag gestellt. Baubeginn wird noch 2020 sein.

Das wurde aus den Projekten der Agenda 2019

Die Sanierung aller Klassenräume wurde 2019 abgeschlossen – zumindest was die Grundschule Altgemeinde angeht. Dort wurden in den Sommerferien die letzten drei Räume saniert. Die Gorch-Fock-Schule wird 2020 in Angriff genommen, Gymnasium und Gemeinschaftsschule sind aufgrund der dortigen Sanierungspläne momentan außen vor. Ansonsten tat sich wenig Sichtbares, wohl aber einiges hinter den Kulissen.

Gar nichts getan hat sich beim Projekt der Lukas Bau auf dem ehemaligen Altmann-Areal am Kiebitzweg direkt neben dem Stadtzentrum. Eigentlich sind dort laut den Plänen des Bauträgers 3300 Quadratmeter Gewerbefläche im vorderen Bereich und dahinter vier Mehrfamilienhäuser mit etwa 100 Wohneinheiten vorgesehen.

Doch bisher wurde noch nicht mal der städtebauliche Vertrag unterzeichnet. Auch 2020 wird sich auf der Industriebrache nichts tun. Bei European XFEL konnte der Bau des Kantinengebäudes abgeschlossen werden, der Baustart für das Gästehaus ist erfolgt. Mit den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein (VHH), die die ehemalige Fläche der Sportwelt Schenefeld für einen Busbetriebshof nutzen will, wurde sich die Stadt nicht einig. Das ist ein Fall für das Verwaltungsgericht.

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