Agenda 2020

Pinnebergs größte Baustelle sind die Schulen der Stadt

Bürgermeisterin Urte Steinberg muss mit wenig Geld viel umsetzen.

Bürgermeisterin Urte Steinberg muss mit wenig Geld viel umsetzen.

Foto: Chris Reiner

Teil 7 der Serie: In der Kreisstadt sollen drei Schulen saniert werden. Auch im Kitabau gibt es Handlungsbedarf – und das alles bei knapper Kasse.

Pinneberg.  Schulbau und Kita-Notstand bleiben auch im Jahr 2020 die akutesten und teuersten Themen in Pinneberg. Unterdessen sind Baufortschritte an einem Großprojekt zu erkennen, das die Bewohner der Kreisstadt ebenfalls noch eine Weile beschäftigen dürfte: am Bahnhof.

Bahnhof: Für die Verschönerung des südlichen Bahnhofs-Vorplatzes am Quellental sind die Planungen abgeschlossen. In diesem Jahr laufen die Ausschreibungen, Fördergeld vom Land wird beantragt. Die Bauarbeiten beginnen voraussichtlich im Jahr 2021.

Auf der nördlichen Seite sind wichtige Verbesserungen bereits deutlich erkenn- und vor allem nutzbar. Der Park-and-ride-Parkplatz ist fertig, ebenso wie der schicke, ausreichend große Busbahnhof, wo allenfalls Aschenbecher fehlen und die Zigarettenkippen massenhaft auf den Gehwegen liegen. Für das geplante Fahrradhaus hat die Stadt kein Geld, und ein Investor, der dort einsteigt, ist bisher auch nicht in Sicht. „Wir suchen ergänzend nach einer Lösung, bei der wir den Eigenanteil der Stadt reduzieren können“, sagt Urte Steinberg.

Noch nicht fertig ist der Taxistand. In die Verantwortung der Deutschen Bahn fällt die Fertigstellung der Unterführung, die für Mitte dieses Jahres geplant ist. Von 2021 an wird der Service-Point gebaut und das denkmalgeschützte Gebäude saniert und umgebaut. Erst wenn alle diese Baumaßnahmen abgeschlossen sind, wird auch der momentan haarsträubend überfüllte und für Gehbehinderte oder Kinderwagen schiebende Eltern gefährliche Gehweg in Ordnung gebracht, werden die massenhaft zerbrochenen Gehwegplatten ersetzt. Vielleicht wird dann ja auch mal wieder richtig geputzt - die Treppen im Bahnhof sind im Jahr 2019 sehr, sehr schmutzig geblieben.

Gewerbegebiet Müssentwiete: Um mittelfristig aus der permanenten Finanzmisere herauszukommen, müssen die Gewerbesteuereinnahmen erhöht werden, wovon seit geraumer Zeit die Rede ist. Auf diesem Feld ist laut Bürgermeisterin Urte Steinberg, aber auch nach Meinung vieler Ratsmitglieder seit Jahrzehnten zu wenig getan worden: „Ich sehe einen sehr großen Nachholbedarf in Pinneberg bei der Ausweisung von Gewerbeflächen. Mit der Erschließung des Gebietes Müssentwiete ab 2020 sind wir in der Lage, dass sich weitere Firmen in attraktiver Lage direkt am Westring ansiedeln können“, sagt die Bürgermeisterin.

Deshalb soll nun, wo die daran angrenzende Westumgehung fertig ist, mit Hochdruck das auf einem städtischen Grundstück befindliche Gewerbegebiet erschlossen werden. Die Stadt muss zu diesem Zweck dort eine Erschließungsstraße bauen, Urte Steinberg sagt, es gebe bereits ernsthafte Interessenten für das Gebiet. Die Erschließung kostet die Stadt rund 1,7 Millionen Euro.

Für weitere, Einnahmen versprechende Misch- oder Gewerbegebiet laufen derzeit die Aufstellungsverfahren für Bebauungspläne, zum Beispiel für das Rehmfeld, für Gehrstücken Süd oder den Ossenpadd. Für die Sanierung von Straßen fehlen dagegen das Geld, weshalb Straßen derzeit nur punktuell repariert werden können.

Kunstrasenplatz Stadion II: Wie lange warten die Sportvereine, allen voran der VfL Pinneberg, schon auf einen Kunstrasenplatz mit funktionierender Be- und Entwässerung! Wenigstens der im Stadion II soll in diesem Jahr gebaut werden. Gesamtkosten: 850.000 Euro, die sich der VfL, das Land, der Kreis und die Stadt mithilfe weiteren Fördergeldes teilen. Der städtische Anteil liegt bei 200.000 Euro. Das Stadion 1 am Fahlt, das noch immer aus durchgeweichtem Rasen ohne Drainage besteht, und die Kampfbahn B des VfL Pinneberg, die beide dringend erneuert werden müssen, werden weiter in der Warteschleife kreisen müssen. Trotz Sportentwicklungsplan geht es also nur in kleinen Schritten voran, weil das Geld fehlt. Diese beiden ebenfalls wichtigen Bauprojekte im Pinneberger Sport wandern laut Bürgermeisterin Urte Steinberg deshalb in die mittel- bis langfristige Finanzplanung.

Kita-Notstand: Drei Kitas werden möglichst ab sofort in Pinneberg gebraucht, „der Bedarf ist da“, sagt Bürgermeisterin Urte Steinberg. „Wir versuchen, den Bau von Kitas geschickt in die Wege zu leiten.“ Das bedeutet: Die Stadt baut nicht selbst, sondern arbeitet mit privaten Trägern zusammen. „Drei Träger stehen in den Startlöchern, die ihr Interesse bekundet haben, zusätzliche Kitas zu betreiben“, sagt Steinberg. Laut Beschluss soll die Versorgung mit Kita-Plätzen im Elementarbereich (Kinder von drei bis sechs Jahren) bei 100 Prozent liegen, faktisch liegt sie bei etwa 93 Prozent. Bei kleineren Kindern sieht es dramatischer aus, denn bei den Knirpsen bis drei Jahre liegt die Quote nur bei rund 33 Prozent, sie soll aber auf 50 Prozent steigen.

„Wir brauchen die Plätze dringend“, sagt die Bürgermeisterin. Die Verwaltung hat der Politik deshalb eine Liste möglicher Standorte vorgelegt. Erstes Ziel ist es laut Steinberg, an der Straße Im Rosenfeld die erste Kita zu realisieren. Sie wünscht sich, dass der von der Politik ausgewählte Träger noch 2020 mit den Planungen beginnen kann. Es könnte dort dann Plätze für 120 bis 200 Kinder entstehen, und ein Spielplatz ist auch schon da, ein zweiter würde zusätzlich gebaut.

Der derzeit zweite Favorit liegt an der Friedrich-Ebert-Straße auf dem Areal der Post. Dort sind die Überlegungen noch nicht so weit fortgeschritten wie am Rosenfeld. Zudem stehen Erweiterungen in drei bestehenden Kindergärten an: In der Wabe, in deren Nachbarschaft bei Fröbel (beide An der Raa) und in der Kita Waldstraße Am Hafen. „Wenn alles klappt, sind die beschlossenen Quoten in drei Jahren erreicht“, sagt Steinberg.

Schulbau: Das ist ein umfassendes Mammut-Projekt, das den finanziellen Spielraum für die kommenden Jahre voraussichtlich weiter stark einengen wird, weil auf diesem Gebiet ein großer Sanierungsstau besteht. Es geht aber tatsächlich los, und die Vorgaben für den Sanierungsabschluss sind unmissverständlich festgelegt. Verzögerungen gefährden den Fluss von sechs Millionen Euro Fördergeld. Stadtrat Stefan Bohlen hatte erst kürzlich das Ministerium in Kiel mit der Idee überzeugt, über den Trick der zeitlichen Streckung in zwei Bauphasen bis 2022 beziehungsweise 2025 trotz Finanzklammheit die Sanierung von drei Schulen anzupacken.

Beschlossen ist, dass die Grund- und Gemeinschaftsschule im Quellental ein neues Grundschulgebäude erhält, das in einem Rutsch gebaut wird, dort werden außerdem Schallschutzmaßnahmen an Haus acht in Angriff genommen. Kosten für den Neubau: Gut zehn Millionen Euro. Die Johann-Comenius-Schule bekommt einen Ersatzbau, der schon Ende dieses Jahres fertig sein soll. Kosten: Rund 6,8 Millionen Euro, im Jahr 2021 sollen die Grünanlagen erneuert werden. Als Drittes wird dieses Jahr an der Grundschule Thesdorf der erste Bauabschnitt des Ersatzbaues realisiert, die zweite Bauphase soll bis spätestens 2025 abgeschlossen sein. Außerdem wird im Frühjahr 2020 an der Theodor-Heuss-Schule das aufwendige Vordach fertig.

Mensen bekommt die Hans-Clausen-Schule (2020 soll sie fertig sein), und an der Rübekampschule wird neben einer Mensa auch ein Anbau geplant. Beides soll bis 2023 fertig sein. Eigentlich sollte die Helene-Lange-Schule auch eine Mensa bekommen, deren Bau wurde jetzt aber wieder nach hinten geschoben. Im Februar 2020 beschließt die Politik, welche Priorität danach deren Mensa und die der Grundschule Waldenau hat, und wann die naturwissenschaftlichen Räume und eine Mensa am Johannes-Brahms-Gymnasium gebaut werden können. Dann wird auch der Bau eines Hausmeisterhauses am Schulzentrum Nord diskutiert.

Da das Geld wegen der Schulbau-Priorität nicht reicht, muss der Fortschritt bei der Digitalisierung der Pinneberger Schulen noch schätzungsweise ein Jahr warten.

Innenstadt: Nachdem die Bismarckstraße mit einer Menge dezent roséfarbener Gehweg-Platten und leider sehr wenig Grün zur ansonsten angenehm großzügigen Fußgängerzone wurde, der Wochenmarkt dorthin umgezogen ist und die angrenzende Bäckerei Rekordumsätze macht, packt die Stadt nun auch die Ebertpassage um die Ecke an. Die kleine Straße zwischen VR-Bank-Hauptgebäude und dem angrenzenden an der Friedrich-Ebert-Straße soll in einem ersten Bauabschnitt 2020 bis zur Rückseite des Modehauses Kunstmann umgebaut werden, ein zweiter bis zur Elmshorner Straße soll folgen, „mit ganz, ganz großem Glück noch in diesem Jahr“, sagt die Bürgermeisterin. Park- und Stellplätze sollen neu geordnet, die Zufahrtsstraße neben dem Parkhaus verbreitert werden und Parkplätze im Straßenraum entstehen.

Ernst-Paasch-Halle: Nach wie vor ist die schöne gründerzeitliche Holztür der denkmalgeschützten Ernst-Paasch-Halle verrammelt, die Halle gesperrt. Und nach wie vor tut sich scheinbar nichts im Hinblick auf deren Umbau zum regionalen Kulturzentrum für alle, woran schon seit so vielen Jahren gefeilt und mit Gutachten und Planungen gearbeitet wurde. Ganz so aussichtslos ist es aber laut Bürgermeisterin Urte Steinberg nicht mit dem Projekt.

„Sollte durch den Bund ein neues Investitionsförderungsgesetz für Kultur und Sport aufgelegt werden, können wir unsere Pläne für die Sanierung der Halle aus der Schublade ziehen“, sagt die Bürgermeisterin. „Wir werden dranbleiben.“

Gewerbegebiet Parkstadt Eggerstedt: Sämtliche städtische Grundstücke nördlich der Erschließungsstraße in der Parkstadt Eggerstedt wurden verkauft an Gewerbetreibende. Urte Steinberg: „Ich gehe davon aus, dass 2020 ein Teil der Bauanträge dafür eingehen wird. Und ich hoffe sehr, dass die Stadt 2020 das letzte noch freie Grundstück südlich des Eggerstedter Weges für eine attraktive gewerbliche Bebauung verkaufen kann.“ An wen diese Flächen gehen – ob an den Projektentwickler Thorsten Schütte von Premero Immobilien, der dort ein Vier-Sterne-Business-Hotel mit Schwimmbad, Wellnesscenter, eventuell auch mit Ärzte-Etage und vielleicht auch einem Gründerzentrum bauen will – oder ob der dort bereits ansässige Pharmaunternehmer Ulrich Kosciessa (Photonamic) und der Heiz-24-Berater Hartmut Wien mit ihrer Idee punkten können, dort ein kleineres Hotel mit 70 bis 100 Zimmern, ein Boardinghouse und Büros für junge Gründer und ein kleines Kongresszentrum für Veranstaltungen zu etablieren, das wird sich hoffentlich im ersten Drittel des neuen Jahres zeigen. Schließlich hat auch Wedel lebhaftes Interesse bekundet, ein Gründerzentrum zu bauen.

Velorouten und Fahrradstraßen: Die Verwaltung möchte Pinneberg zu einer der fahrradfreundlichsten Städte im Kreis machen. Ein wesentliches Projekt zur Förderung des Radverkehrs in Hamburg ist das Velorouten-Netz, das sich weit über die dortigen Stadtgrenzen hinaus ausdehnt und deshalb auch Pinneberg betrifft. Auf insgesamt 280 Kilometern Länge sollen die 14 Velorouten Radfahrern komfortable, zügige und sichere Wege garantieren. Das Netz besteht aus sternförmig in die Innenstadt und kreisförmig um sie herum führenden Strecken. Diese sollen, wenn möglich, abseits der großen Straßen durch Tempo-30-Zonen und Fahrradstraßen führen. Auf vielen Abschnitten sind die Velorouten bereits befahrbar. Bis 2020 sollen die Routen laut Senatsankündigung „kontinuierlich ausgebaut und beschildert werden, sodass sie modernen Standards entsprechen und sicher und komfortabel zu befahren sind.“

In Pinneberg will die Stadt 16 neue Fahrradstraßen ausweisen. Auf den geplanten Streckenabschnitten, die überwiegend Teil des beschriebenen Veloroutennetzes sind, dürfen Radler nebeneinander fahren und haben Vorrang vor dem Autoverkehr. Auch könnten im Zuge dessen Parkplätze verlegt oder neue Ampeln aufgestellt werden.

Bei den vorangegangenen Überlegungen wurden bevorzugt Straßen ausgewählt, die in der Nähe von Schulen verlaufen. Bislang führen – wenigstens auf dem Papier – vier Velorouten in die Pinneberger Innenstadt – aus Pinneberg-Nord, aus Thesdorf, Waldenau und dem Wohngebiet Rosenfeld.

Rathaus: Was die Politik beschließt, wird von der Verwaltung im Rathaus umgesetzt. Soll sich die Innenstadt wieder mit neuen Geschäften beleben, ist nach dem Weggang von Stefan Krappa ein neuer Wirtschaftsförderer notwendig, um den aktuellen Leerstand von gut zehn Prozent zu reduzieren. 14 Bewerbungen liegen dafür vor, die Neubesetzung soll zügig vonstatten gehen. Auch die Einstellung eines Fördermittel-Scouts, der im Stellenplan 2020 vorgesehen ist, wird vielfach als notwendig angesehen, um Fördergeld auf allen Ebenen - von Landes- bis EU-Geld – einzuwerben und damit die Finanzlücken effektiver aufzufüllen, als das bisher möglich war. Damit Bürger reibungsloser bedient werden, Politiker und Verwaltungsmitarbeiter zügiger auf Informationen zugreifen können, wird im Rathaus außerdem mit Hochdruck die Digitalisierung vorangetrieben. Mitte 2020 soll der Politik dafür ein Masterplan „Digitale Transformation der Stadtverwaltung“ vorliegen.