Agenda 2020

Pestizidfreie Stadt: Tornesch will ökologischer werden

Tornesch Bürgermeisterin Sabine Kählert in ihrem Büro.

Tornesch Bürgermeisterin Sabine Kählert in ihrem Büro.

Foto: Burkhard Fuchs

Agenda 2020, Teil 6: Bürger bekommen eine Broschüre zum Verzicht auf Pflanzenschutzmittel. Und am Bahnhof entsteht ein neues Fahrradparkhaus.

Tornesch. Trotz einer angespannten Haushaltslage hat sich die Stadt Tornesch für 2020 viel vorgenommen. Ein Ziel: Sie soll ökologischer werden.

Radverkehr: Die Förderung des Radverkehrs steht ganz oben auf der politischen Agenda. „Wir wollen weg vom automobilen Fahrzeug und hin zu mehr Fahrradverkehr“, sagt Bürgermeisterin Sabine Kählert. So soll am Bahnhof eine große Abstellanlage für Fahrräder und E-Bikes geschaffen werden. Sie soll 270 abgeschlossene Stellplätze und 110 Schließfächer umfassen. Weitere 76 freie Stellplätze und 55 Schließfächer sind im Außenbereich geplant. Die Baukosten belaufen sich auf 870.000 Euro, wovon 670.000 Euro vom Land und der Metropolregion übernommen werden. Unklar ist noch, ob das Einschließen der Räder kostenpflichtig sein soll.

In der Pinneberger Straße (L 107) sei der Radweg in einem „unhaltbaren Zustand“, klagt Bürgermeisterin Sabine Kählert. „Wir würden uns freuen, wenn das Land ihn saniert.“ In der Friedensallee, Friedlandstraße und im Lindenweg sind neue Fahrradstraßen geplant, und zwischen Kleiner Twiete und dem Regenrückhaltebecken am Ohrtbrookgraben soll ein straßenunabhängiger Radweg entstehen. Förderanträge sind vom Kreis bereits genehmigt.

Darüber hinaus soll eine ganzjährig befahrbare und beleuchtete Velo-Route von Uetersen weitgehend entlang der K 20 und der Ahrenloher Straße bis zum Gewerbegebiet Oha planerisch vorangebracht werden. Die aktuelle Kostenschätzung geht von rund 600.000 Euro Kosten aus. Ein Förderantrag ist auch hier gestellt.

Ökologie: Tornesch möchte „pestizidfrei“ werden, kündigt Bürgermeisterin Kählert an. Dazu wird gerade mit der Interessengemeinschaft für ökologische Vielfalt eine Informationsbroschüre erarbeitet, die alle Bürger und Gewerbebetriebe zum Gärtnern ohne Pflanzenschutzmittel auffordert. Sie soll im Laufe des Jahres an die Haushalte verteilt werden.

Kinderbetreuung: Mehrere Kindergartenprojekte stehen auf der Agenda. So werden 78 zusätzliche Elementarplätze für drei bis sechs Jahre alte Kinder und 20 Krippenplätze für die unter Dreijährigen Kinder in der Pommernstraße (50, Wabe) sowie in der evangelischen Kita im Wachsbleicherweg (30) geschaffen. 18 Plätze sollen in der neuen Bauernhof-Kita Natura am Kanaldamm entstehen. Eine halbe Million Euro wird dies die Stadt zunächst kosten. Weitere 4,5 Millionen Euro sind für den Bau der neuen Kita Seepferdchen für drei Elementar- und zwei Krippengruppen veranschlagt. Damit wären 98 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen und zwei von drei Kindern unter drei Jahren mit Tagespflege versorgt. Die Stadt kostet das rund 2,5 Millionen Euro an Betriebskosten im Jahr.

K 22: Die Kreisstraße 22 (Wischmöhlenweg) soll trotz des laufenden Gerichtsverfahrens im Laufe des Jahres saniert werden. Das hat der Fachdienst Straßenbau und Verkehr der Kreisverwaltung angekündigt, der auch die Kosten übernehmen will.

Gewerbegebiet: Nachdem das Gewerbegebiet in Oha nordwestlich der A 23 nun komplett belegt ist, soll auf der anderen Seite zwischen Autobahn und Ellerhooper Straße ein zweites Oha-Gewerbegebiet ausgewiesen werden. Geplant sind zunächst 25 Hektar.

Fritz-Reuter-Schule: Die Betreuungsklassen an der Fritz-Reuterschule sollen ausgebaut werden. Es sind weitere 20 Plätze für die Nachmittagsbetreuung der Grundschüler geplant, weil die Schülerzahlen weiter steigen. Dafür muss dort auch eine Mensa für die Mittagsverpflegung eingerichtet werden.

Tornesch am See: Das Großbauprojekt Tornesch am See geht in die Umsetzungsphase. Parallel zum Neubau der Kita Seepferdchen beginnt die Erschließung des ersten Baufeldes, das mit Ein- und Mehrfamilienhäusern bebaut wird. Im ersten Schritt sollen auf einer etwa einen Hektar großen Fläche 200 Wohneinheiten entstehen, die die Zahl der Bevölkerung über die 14.000-Einwohner-Marke bringen wird. Kählert: „Wir wollen dort eine gute Durchmischung mit Familien, jungen und älteren Leuten erreichen.“

Ärzte: Die Versorgung Torneschs mit Fachärzten sei unzureichend, sagt Sabine Kählert. So fehlten insbesondere Internisten, Orthopäden und Kardiologen. Aber in der Kinderarztpraxis in der Wilhelmstraße sei eine halbe Facharztstelle geschaffen worden.

Digitalisierung: Die Ausstattung der Grundschulen und der Klaus-Groth-Schule mit neuer digitaler Technik soll zusammen mit der Stadt Uetersen im Schulverband konkretisiert und umgesetzt werden. Ziel ist es, die Schulen mit einheitlicher Technik auszustatten.

Finanzen: Die finanzielle Lage der Stadt bleibt schwierig durch die Halbierung der Gewerbesteuereinnahmen seit 2017 auf nur noch sechs Millionen Euro im Jahr 2019. Der von CDU, SPD und FDP beschlossene 31,4-Millionen-Etat weist eine Deckungslücke von 2,7 Millionen Euro aus. „Wir sind weiter auf der Suche nach Einsparpotenzialen“, sagt Kählert. Sie hofft auf Entlastung durch das neue Finanzausgleichsgesetz und das neue Kindergartengesetz.