Silvesterbilanz

Unruhige Nacht für die Feuerwehren in Pinneberg

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Arne Kolarczyk
Per Drehleiter bekämpfen Einsatzkräfte das Feuer in der ehemaligen Ziegelei an der Hermannstraße. 

Per Drehleiter bekämpfen Einsatzkräfte das Feuer in der ehemaligen Ziegelei an der Hermannstraße. 

Foto: Feuerwehr Pinneberg

Feuerwehren rücken 39 Mal aus. In Pinneberg kommt es zum Großfeuer in ehemaliger Ziegelei, in Elmshorn brennen zwei Garagen.

Kreis Pinneberg.  Ein Großfeuer in einer Fabrikruine in Pinneberg, zwei ausgedehnte Garagenbrände in Elmshorn: Silvesterfeuerwerk hat den Feuerwehren im Kreis Pinneberg zum Jahreswechsel eine unruhige Nacht beschert und teilweise hohe Schäden angerichtet. Zwischen 18 Uhr an Silvester und 8 Uhr an Neujahr mussten die Wehren 39 Mal ausrücken. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es 22, beim Jahreswechsel 2017/2018 sogar nur 18 Einsätze.

Für die Feuerwehr Pinneberg war es um 23.13 Uhr an Silvester ihr 400. Einsatz im Jahr 2019 – und eine Fahrt an altbekannte Stätte: In der Ruine einer ehemaligen Gießerei an der Hermannstraße, einst ein Teil der Wuppermannschen Fabrik, brennt es häufiger. Als die ersten Kräfte dort eintrafen, stellten sie ein ausgedehntes Feuer an gleich zwei Stellen in der Industriebrache fest, darunter auch im Dachstuhl.

Ein Feuerwehrmann wurde bei dem Einsatz verletzt

Daraufhin wurde schnell ein zweiter Löschzug nachgefordert, auch die Drehleiter kam zum Einsatz. Um für sie Platz zu schaffen, mussten zunächst mehrere Büsche und kleine Bäume mit einer Handsäge entfernt werden. Dabei verletzte sich ein Feuerwehrmann an der Hand. Er kam mit einem Rettungswagen in die Klinik, konnte diese aber in der Nacht wieder verlassen.

Weil viele der alten Fabrikgebäude einsturzgefährdet sind, wurde angesichts der damit verbundenen Gefahren überwiegend von außen gelöscht. Aufgrund der starken Rauchentwicklung bestand an hoher Bedarf an Atemschutzgeräteträgern, sodass im Laufe der Nacht auch Kräfte der Rellinger Feuerwehr unterstützend tätig wurden. Sie hatten ohnehin bereits zuvor in Pinneberg ausgeholfen und ein Feuer auf einem Balkon am Sandkamp gelöscht, weil alle verfügbaren Feuerwehrleute der Stadt auf dem Industriegelände gebunden waren.

Insgesamt mussten dort 80 Feuerwehrkräfte eingesetzt werden. Weil ein Einsatz mit Baggern nicht möglich war, öffneten sie mittels langer Einreißhaken von der Drehleiter sowie vom Boden aus das Dach des Gebäudes, um an die Brandnester zu gelangen. Gegen 2.30 Uhr konnten die ersten Kräfte von der Einsatzstelle abgezogen werden. Zum Abschluss wurde der Dachstuhl mit Druckluftschaum überdeckt. Dienstschluss für die letzten Feuerwehrleute war um 5 Uhr morgens.

Vermutlich dürften Böller oder Silvesterraketen die Brände ausgelöst haben

Der Kripo obliegt nun die Ursachenermittlung. Vermutlich dürften Böller oder Silvesterraketen die Brände ausgelöst haben. Das gilt auch für zwei ausgedehnte Garagenbrände in Elmshorn, die sich gegen 19.45 Uhr im Bereich Flamweg/Mathilde-Röben-Straße sowie gegen 0.20 Uhr an der Langelohe ereignet haben. An der Langelohe brannte ein VW Golf in einer offenstehenden Garage eines größeren Garagenkomplexes. Den Feuerwehrleuten gelang es, ein Übergreifen der Flammen auf andere Garagen zu verhindern.

Der VW brannte völlig aus, die Schadenshöhe an Auto und der Garage wird auf 20.000 Euro geschätzt. Die Beamten ermittelten einen 53-jährigen Elmshorner als Verursacher des Feuers, der zuvor auf dem Gehweg mehrere große Feuerwerksbatterien angezündet hatte. Eine der Batterien stürzte nach dem Anzünden um und verschoss ihren Inhalt in die Garage. Der 53-Jährige muss sich nun wegen fahrlässiger Brandstiftung verantworten.

Im Bereich zwischen Flamweg und Mathilde-Röben-Straße stand ein Carport im Vollbrand. Weil die Anwohner schnell auf das Feuer aufmerksam wurden, konnte die Feuerwehr ein Übergreifen auf die angrenzende Doppelgarage und das daran angebaute Einfamilienhaus verhindern. Die Polizei vermutet, dass ebenfalls auf Abwegen geratenes Feuerwerk für den Brand verantwortlich sein könnte.

Auch bei den zahlreichen Bränden waren die Polizeibeamten vor Ort

Die Polizei rückte im Kreis Pinneberg zwischen 18 Uhr an Silvester und 6 Uhr an Neujahr zu 125 Einsätzen aus. Das entspricht in etwa dem Einsatzaufkommen des Vorjahres. Hauptsächlich mussten die Beamten Streitigkeiten, ausgelöst durch hohen Alkoholkonsum, schlichten sowie kleinere Körperverletzungen sowie Sachbeschädigungen durch Böller aufnehmen. Doch auch bei den zahlreichen Bränden waren die Polizeibeamten vor Ort.

Insgesamt rückten zwölf Freiwillige Feuerwehren zu Einsätzen in der Nacht zu Neujahr aus – und zwar die Wehren aus Appen, Barmstedt, Elmshorn, Halstenbek, Heidgraben, Pinneberg, Rellingen, Quickborn, Schenefeld, Tangstedt, Uetersen und Wedel. Überwiegend galt es Kleinfeuer wie etwa Containerbrände zu bekämpfen.

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